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Einzelne Berufsgruppen im Fokus: Wer wandert wohin aus?

Der Entschluss, sein weiteres Leben in einem anderen Land zu gestalten, fällt in der Regel nicht von einem Tag auf den anderen. Er entsteht aus einem Prozess, der von vielfältigen Überlegungen durchzogen ist. Vor allem eine Frage steht im Mittelpunkt: Wohin genau wandere ich aus? Verschiedene Berufsgruppen entscheiden hier sehr unterschiedlich, weil jedes Land eine etwas andere Perspektive bietet.

Deutsche Ärzte und Pflegekräfte im Ausland: Wohin wandern Mediziner aus?

Doctor_SymbolDeutschland gilt längst nicht mehr als Paradies für Mediziner, in anderen wichtigen Industrieländern verlocken bessere Arbeitsbedingungen und manchmal auch ein höheres Gehalt. Deutsche Ärzte müssen die Augen gar nicht weit schweifen lassen, um ihr bevorzugtes Auswanderungsland in den Blick zu bekommen: Die Schweiz bietet nicht nur eine gute sprachliche Verständigungsbasis, sondern auch eine hohe Lebensqualität, eine gute ausgebaute Infrastruktur und ein lohnenswertes Rentensystem. Auch fallen die Steuerabgaben sehr viel geringer aus als in der Heimat, während die Verdienstmöglichkeiten insgesamt als gut einzuschätzen sind. Allerdings liegen im Gegenzug die schweizerischen Lebenshaltungskosten bedeutend höher als in Deutschland, das wirkt auf deutsche Mediziner aber kaum abschreckend: 17 % der praktizierenden Schweizer Ärzte haben laut des eidgenössischen Ärzteverbands FMH ihr Studium in Deutschland absolviert.

In ländlichen Gebieten der Schweiz besteht aktuell ein Ärztemangel, der durch deutsche Mediziner ausgeglichen werden kann, die den vergleichsweise hohen bürokratischen Aufwand der Einwanderung nicht scheuen. Wer es einfacher haben möchte, sucht sich eine Festanstellung in einem Krankenhaus oder einer Gemeinschaftspraxis, auf diesem Weg gibt es weniger behördliche Hürden und eine schnellere Integration.

Qualifizierte Pflegekräfte und Ärzte sind in einigen Ländern rar gesät, doch ergeben sich dort lohnenswerte Perspektiven für deutsche medizinische Fachkräfte: Die USA, Neuseeland und Australien benötigen aktuell gut ausgebildetes Pflegepersonal, allerdings müssen außer der beruflichen Ausbildung noch weitere persönliche Voraussetzungen zur Einwanderung erfüllt sein: Beispielsweise dürfen die Bewerber eine bestimmte Altersgrenze nicht überschreiten und müssen ein genügend großes finanzielles Polster oder ein festes Jobangebot mitbringen. Wer vorher bereits ein paar Jahre in seinem medizinischen Beruf gearbeitet hat und über gute Englisch-Kenntnisse verfügt, wird aber gute Chancen haben: Viele deutsche Auswanderer haben es bereits vorgemacht. Zahlreiche Ärzte verschlägt es auch in die skandinavischen Länder, wo zwar selten ein hervorragendes Gehalt lockt, aber die Arbeitsbedingungen sehr viel geregelter sind. Die gesicherte 40-Stunden-Woche im Ärztezentrum lässt noch genügend Raum für private Entfaltung – und das zumeist in traumhafter Umgebung.

Ortsunabhängig arbeitende Berufsgruppen haben es leichter

Bestimmte Berufsgruppen sind in ihrer Ortswahl kaum eingeschränkt, sie haben die Nase vorn, wenn es ums Auswandern ganz nach eigenem Gusto geht. Personen, die ihren Verdienst rein über das Internet beziehen, gehören in jedem Fall dazu. So fand sich in den letzten Jahren beispielsweise eine zunehmende Zahl von Reisebloggern, die sich in der ganzen Welt oder in einem speziell anvisierten Traumland zu Hause fühlen. Doch für solch ein Leben ist nicht jeder geschaffen, bedeutet es doch ein unsicheres, meist niedriges Einkommen und eine gewisse Entwurzelung mit dem ständigen Druck, immer wieder von neuen interessanten Orten zu berichten.

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Bei ortsunabhängig arbeitenden Personen handelt es sich zumeist um Selbständige, die nicht auf persönliche Meetings mit Chefs und Kollegen angewiesen sind. Sie arbeiten als IT’ler, erstellen Webseiten oder bieten eine virtuelle Assistenz für Unternehmen und Führungskräfte. Wenn es darum geht, den Arbeitsplatz ins Ausland zu verlegen, wählen diese Menschen sich den Ort aus, der für sie die beste Lebensqualität bietet. Heraus kommen häufig beliebte Urlaubsorte beispielsweise im mediterranen Bereich, aber auch asiatische Länder mit niedrigen Unterhaltskosten und herrlicher Kulisse.

Profi-Pokerspieler bilden eine eigene Sektion innerhalb der ortsunabhängig arbeitenden Berufsgruppen. Auch sie zieht es häufig in die Ferne, wobei sie natürlich darauf angewiesen sind, einen Wohnort vorzufinden, wo das Glücksspiel von staatlicher Seite erlaubt und möglichst wenig eingeschränkt ist. Die Kartenspieler können ihren Beruf zwar auch nur online ausüben, doch bevorzugen sie Regionen mit Poker Rooms in erreichbarer Nähe. Zu den großen Events, beispielsweise der Pokerweltmeisterschaft in Las Vegas, reisen Sie dann sowieso per Flugzeug an. Als zweite Heimat für Pokerspieler erfreuen sich vor allem Österreich, Mexiko und Malta großer Beliebtheit, hier gilt ein verlässliches, für Glücksspieler günstiges Steuerrecht, nebenbei haben Landschaft und Kultur zahlreiche angenehme Highlights zu bieten. Die Regeln des Pokerspiels erlauben es, durch strategisches Denken, geschicktes Täuschen und Disziplin den Ausgang einer Partie in die eigene Hand zu nehmen und sich so vom reinen Zufall zu lösen. Aus diesem Grund kann Pokern überhaupt erst zu einem dauerhaften beruflichen Standbein werden.

Tourismusbranche bietet lohnenswerte Auswanderungsbedingungen

Eine Berufssparte ist geradezu zum Auswandern prädestiniert: Die Tourismusbranche bietet eine Vielzahl von Jobs in den schönsten Regionen der Welt. Wer sich als Selbständiger aus Deutschland verabschieden möchte, um beispielsweise ein Restaurant oder eine Tauchschule zu eröffnen, muss bei der Wahl seines Zielorts besonders gut hinschauen. Eine boomende Tourismusregion wartet zwar mit zahlreichen potentiellen Kunden auf, kann aber bezüglich der vor Ort vorhandenen Angebote bereits gesättigt sein. Darum gilt es, einen Ort zu finden, der noch genügend berufliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Norwegen und Neuseeland tauchen aus diesem Grund öfter auf der Traumziel-Liste auswanderungswilliger Fachkräfte aus dem Tourismussektor auf.

Feste Jobs finden Reisefreudige auch auf Kreuzfahrtschiffen und in großen Resorts, die vor allem deutschsprachige Gäste willkommen heißen. Hier Kreuzfahrtbieten sich die Kanarischen Inseln ebenso an wie die Karibik, Asien oder – als Nahziel – die Balearen. Für Auswanderer ist es wichtig zu wissen, dass die Aussichten auf einen neuen Job im Ausland meist nicht viel höher sind als daheim, vor allem an den schönsten Orten der Welt gibt es zahlreiche Mitbewerber, die es zu übertreffen gilt. Wer mehrere einschlägige Sprachen beherrscht, wird sicher bessere Chancen haben als jemand, der sich halbwegs in Englisch verständigen kann.

Geringe Sprachbarriere: Englischsprachige Länder bevorzugt

Neben den deutschsprachigen Ländern Österreich und Schweiz bevorzugen deutsche Auswanderer sämtlicher Berufssparten die englischsprachigen Regionen dieser Erde – zumindest dann, wenn es erst einmal nur darum geht, vom neuen Leben »weit weg« zu träumen. Hier finden sich die meisten Menschen sprachlich sofort zurecht, doch gerade die Traumziele Kanada, Australien, Neuseeland und USA machen es potentiellen Migranten nicht gerade leicht. Manchmal reichen die persönlichen Voraussetzungen zur Einwanderung einfach nicht aus, dann ist die Erweiterung des Sprachschatzes angesagt.

Ob Handwerker, Mediziner, Bademeister oder IT-Experte: Beim Auswandern zählen auch immer die ganz persönlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse, darum gibt es für niemanden die pauschal beste Lösung. Haufenweise Informationen zu sammeln und diese gründlich auszuwerten, gilt als beste Vorbereitung auf ein erfolgreiches neues Leben im Ausland!