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Migranten
© Impact Photography auf AdobeStock

Nationalismus in Unternehmen kann schaden, Migranten können bei Expansion helfen

Patriotisch-nationalistische Aussagen von Unternehmen, die sehr stark von Auslandsmärkten abhängen, wirken sich negativ auf deren Erfolg aus. Diese Unternehmen werden im Heimatland zwar belohnt, von ausländischen Regierungen, Kunden und Mitarbeitern jedoch abgestraft. Das haben Wissenschaftler der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen einer Studie herausgefunden.

Für ihre Studie analysierten die Autoren Alexander Mohr und Christian Schumacher die Kommunikation von Unternehmen anhand der Aussagen der CEOs US-amerikanischer Unternehmen in 20.458 Telekonferenzen mit Investoren und Analysten sowie 12.260 Presseaussendungen dieser Unternehmen von 2002 bis 2015.

„Unpatriotisches“ Verhalten schadet im Heimatmarkt

Dabei kam auch heraus, dass Unternehmen, die in ihrer Kommunikation hervorheben, wie sie den nationalen Interessen des Heimatlandes nachkommen, unter bestimmten Bedingungen dennoch erfolgreicher sind. Studienautor Alexander Mohr, Professor am Institute for Export Management der Wirtschaftsuniversität Wien, erklärt: „Wir gehen davon aus, dass starke populistische Stimmungen im Heimatland dazu führen, dass sowohl die Regierung, als auch Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitende eine stärkere Verpflichtung des Unternehmens zur Unterstützung nationaler Interessen erwarten. Kommen Unternehmen dieser Verpflichtung nach – wenn auch nur scheinbar – belohnen diese Gruppen das. Unpatriotisches Verhalten wird dagegen abgestraft, beispielsweise seitens Politik durch das Streichen von Steuervergünstigungen, seitens der Mitarbeitenden durch Kündigungen oder auf Kundenseite durch Kaufboykotts.“

Keine Erfolgsstrategie für international agierende Unternehmen

Migranten

Alexander Mohr (Wirtschaftsuniversität Wien)

Während eine „Anbiederung“ an nationale, populistische Ideen unter bestimmten Bedingungen vorteilhaft für diejenigen Unternehmen sein kann, die hauptsächlich im Heimatland aktiv sind, schaden sich jedoch Firmen, die einen signifikanten Anteil ihres Geschäftes im Ausland abwickeln, etwa durch Exporte oder internationale Niederlassungen.

Patriotismus ist vor allem in den USA hoch im Kurs, aber auch vor europäischen Ländern machen national-populistische Strömungen nicht halt. Auffällig ist ebenfalls, dass Unternehmen in ihrer Kommunikation nach außen zunehmend ihre Herkunft betonen.

Migranten helfen expandierenden Unternehmen

Eine weitere Studie der Universität Wien ergab, dass Migranten einen positiven Effekt auf die Auslandsinvestitionen von Unternehmen haben. Der Grund: Unter bestimmten Bedingungen können Migranten Unternehmen im Gastland mit wichtigen Informationen über ihre Heimat versorgen und damit die Wirtschaftsbeziehungen in diese Länder stärken

Migranten verfügen in der Regel über ein umfassendes Verständnis der Sprache, Wirtschaft, Kultur, des politischen Systems sowie der Geschäftspraktiken ihrer Heimatländer verfügen und dieses in das Gastland mitbringen. Folglich können Unternehmen ihr Know-how über internationale Märkte auf Grundlage der Marktkenntnisse und der sozialen Beziehungen von Einwanderern in deren jeweiligen Heimatländern aus erster Hand verbessern. Die Studie zeigt auch, dass dies unabhängig davon ist, ob die Einwanderer direkt bei den Unternehmen beschäftigt sind. Diese können auch indirekt zum Know-how der Unternehmen beitragen, indem sie mit anderen Menschen im Gastland interagieren und sich austauschen. Dadurch entstehen Wissensströme zwischen verschiedenen Märkten, die über die bloße Beschäftigung von Menschen aus dem Ausland im Gastland hinausgehen.

Studienautor Jonas Puck: „Ein Unternehmen, das dort angesiedelt ist, wo Migranten hinziehen, kann das Wissen dieser nutzen, um Barrieren zu den Märkten in den Heimatländern der Zuwanderer abzubauen. Dies wiederum verringert die Unsicherheit eines Unternehmens gegenüber dem Heimatland der Zuwanderer und macht es attraktiver für Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen.“

Austausch und politische Stabilität entscheidend

Wie viel Investitionen ein Unternehmen in den Heimatländern der Migranten durch deren Wissen tätigt, hängt allerdings von zwei Schlüsselfaktoren ab: Von der Stabilität der politischen Rahmenbedingungen im Herkunftsland und von der Einstellung gegenüber den Migrantinnen und Migranten im Gastland. „Die Relevanz der von den zugewanderten Menschen bereitgestellten Informationen kann durch die politische Instabilität in ihrem Heimatland negativ beeinflusst werden, da das Wissen dieser über ihr Heimatland möglicherweise nicht mehr aktuell ist. Entscheidend ist auch die Stimmung im Gastland gegenüber den zugewanderten Menschen: Sind die Ressentiments gegenüber Migrantinnen und Migranten hoch, gibt es weniger Austausch zwischen Unternehmen und Zuwanderern und es ist weniger wahrscheinlich, dass Unternehmen ihre Informationen und Ratschläge nutzen können“, so Puck weiter.

Die Untersuchung wurde durch Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) unterstützt und stützt sich auf einen Datensatz, der auf über 13.000 Beobachtungen innerhalb eines Zeitraums von 14 Jahren basiert.

Migranten fördern überdies die Innovationskraft einzelner Staaten. Allein zwischen 2000 und 2010 haben über 190.000 Immigranten in den USA Patente angemeldet. Kein anderes Land auf der Welt zieht so viele Talente an. „Die USA profitieren enorm von den Innovationen der ausländischen Spitzentalente“, so das Onlineportal Quartz. Donald Trump könnte nun die Begeisterung kluger Köpfe für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schmälern.

Infografik: Innovative Migranten| Statista

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