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Deutsche Unternehmen in China zeigen sich für die Zukunft optimistisch
© ryanking999 – AdobeStock

Deutsche Unternehmen in China bleiben optimistisch

Deutsche Unternehmen in China zeigen sich optimistisch und zeigen weiter Vertrauen in den chinesischen Markt. Zwar bestehen nach wie vor regulatorische Herausforderungen, und auch beim Handelsabkommen zwischen EU und China besteht noch Verhandlungsbedarf. Dennoch gehen die meisten Unternehmen davon aus, dass ihre Branche in China besser dastehen wird als in anderen Ländern.

Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage der Deutschen Handelskammer in China in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsprüfer KPMG. An der aktuellen „Business Confidence Survey“ hatten Mitarbeiter von insgesamt 535 deutschen Unternehmen teilgenommen.

Kontinuierliche Erholung des China-Geschäfts deutscher Unternehmen

Trotz coronabedingter Umsatzeinbrüche im ersten Halbjahr 2020 gelang es 39 Prozent der befragten Unternehmen in China, den Umsatz zu steigern. 42 Prozent steigerten den Gewinn. Zudem hat es 2020 rund ein weiteres Viertel der befragten deutschen Unternehmen in China geschafft, Umsätze und Ergebnisse in etwa auf dem Niveau des Vorjahres zu erzielen. „China ist die einzige große Volkswirtschaft, die in 2020 – wenn auch nur mit etwa zwei Prozent – gewachsen ist“, kommentiert Andreas Glunz von der KPMG. „Davon haben auch deutsche Unternehmen profitiert, die Rückgänge in der EU und den USA durch das im 2. Halbjahr wieder anziehende Geschäft in China teilweise kompensieren konnten“, so der KPMG-Bereichsvorstand International Business.

China bleibt wichtiger Investitionsstandort

Für 2021 dominiert der Optimismus.: 77 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich ihre Branche in China besser entwickeln wird als in anderen Märkten. Daher erwarten 72 Prozent der Befragten für ihr Unternehmen in China steigende Umsätze und 56 Prozent höhere Gewinne für 2021.

Dies spiegelt sich auch in einem starken Bekenntnis zum chinesischen Markt wider: Fast alle befragten Unternehmen (96 Prozent) gaben an, keinerlei Pläne zu haben oder China zu verlassen und 72 Prozent planen weitere Investitionen, zum Beispiel in Produktionsanlagen (44 Prozent) und Maschinen (34 Prozent) sowie in Forschung und Entwicklung (32 Prozent).

Deutsche Unternehmen in China weiter zuversichtlich

Laut Andreas Glunz „werden in vielen Schlüsselindustrien in China die Weichen für die Entwicklungen der Zukunft gestellt. Eine Präsenz vor Ort ist wichtig, um im chinesischen Markt Umsätze zu erzielen, aber auch lokale Partnerschaften einzugehen bzw. die Wettbewerber von Morgen in ihrem Heimatmarkt aufmerksam zu beobachten. Große Geschäftschancen in China sehen die befragten deutschen Unternehmen insbesondere bei innovativen Technologien (58 Prozent) und digitalen Lösungen (51 Prozent).“

Neues Spielfeld durch Handelsabkommen zwischen EU und China

Nach knapp sieben Jahren Verhandlungen haben sich die Europäische Union und China im Dezember auf ein gemeinsames Investitionsabkommen geeinigt. Bei den befragten Unternehmen sind die Erwartungen an dieses „Comprehensive Agreement on Investment“ (CAI) hoch. Sie gaben an, dass Marktzugang (40 Prozent) sowie die Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer in China (39 Prozent) Schlüsselthemen für das Abkommen seien.

Die Europäische Kommission ist überzeugt, dass das Abkommen ein besseres Gleichgewicht in den Handelsbeziehungen zwischen der EU und China schaffen werde. So verpflichte das CAI China dazu, den chinesischen Markt für europäische Unternehmen weiter zu öffnen und so für eine stärkere Gleichbehandlung ausländischer und chinesischer Akteure zu sorgen. Dazu sollen quantitative Beschränkungen und Eigenkapital-Obergrenzen abgeschafft werden. China will außerdem die Verpflichtungen für europäische Unternehmen lockern, mit chinesischen Partnerfirmen zusammenarbeiten zu müssen.

Dieser Schritt soll außerdem den erzwungenen Technologietransfer unterbinden. Bislang hatte die erzwungene Verflechtung mit chinesischen Firmen dazu geführt, dass innovative, aber eben auch vertrauliche Informationen zwangsläufig geteilt werden mussten.  

Weiterhin offene Verhandlungspunkte

Zwar sind die Verhandlungen um das CAI offiziell abgeschlossen, doch die Ratifizierung des Abkommens sind erst für 2022 angesetzt. Schließlich sind auch nach sieben Jahren Verhandlung noch Punkte offen. So hätten sich die Parteien darauf geeinigt, in Bezug auf Investitionsschutz innerhalb von zwei Jahren nach Unterzeichnung eine Lösung zu finden. Ein weiteres Problemfeld sei der Ausschluss europäischer Unternehmen aus öffentlichen Ausschreibungen. Entsprechend wenig unternehmerische Zuversicht bescheinigt auch die Handelskammer-Umfrage. Nur neun Prozent der Befragten glauben, dass das CAI hier Besserung verspreche.

Deutsche Unternehmen in China weiter zuversichtlich

Die Studienergebnisse zeigen aber auch, dass es durchaus positive Bewertungen des formalen Marktzugangs gibt. So geben im Vergleich zum Vorjahr weniger Unternehmen an, an dieser ersten Hürde zu scheitern (30 Prozent). „Durch das CAI werden die von China bereits eingeleiteten Marktöffnungsschritte für europäische Unternehmen unumkehrbar“, schlussfolgert Stephan Wöllenstein, Präsident der Deutschen Handelskammer in Nordchina.

Chinas Fünf-Jahres-Plan kurz vor Inkrafttreten

Nicht nur das CAI wird in absehbarer Zukunft das Spielfeld des chinesischen Marktes neu definieren. Auch der 14. Fünf-Jahres-Plan, den der Nationale Volkskongress im März verabschieden will, setzt die wirtschaftlichen Regeln fest. Die Weltwirtschaft und der internationale Handel und Investitionen haben eine zentrale Rolle für Chinas Wirtschaftswachstum gespielt. Doch als Reaktion auf das sich verändernde internationale Umfeld soll vor allem der Binnenmarkt gestärkt werden.

55 Prozent der befragten Unternehmen in China erwarten im Hinblick auf den kommenden Fünf-Jahres-Plan einen Fokus auf die Stärkung des heimischen Marktes. Die Hälfte der Firmen (50 Prozent) erwartet ein Konjunkturprogramm. Auch eine Klima- und Umweltschutzpolitik (37 Prozent) sowie bedeutende Reformen und eine Öffnungspolitik (33 Prozent) erwarten die Befragten.

Deutsche Unternehmen in China weiter zuversichtlich

Unbehagen vor allem in Bezug auf Bürokratie und Regulation

Summiert man die regulatorischen Herausforderungen für deutsche Unternehmen in China, zählen administrative und bürokratische Hürden zu den größten Hindernissen. Dazu zählen Zollvorschriften und -verfahren, das Einholen der erforderlichen Lizenzen oder die Anforderungen des Cyber-Security Gesetzes.

„Der vereinbarte institutionelle Rahmen des CAI schafft darüber hinaus einen dauerhaften Kommunikationskanal, um die Einhaltung der Zusagen zu überprüfen und bestehende Herausforderungen unserer Unternehmen zu adressieren. Von den Vereinbarungen im CAI erwarten sich die deutschen Unternehmen mehr Rechtssicherheit und bessere Wettbewerbsbedingungen im chinesischen Markt“, erläutert Wöllenstein.

Entkopplungstendenzen beschleunigen Lokalisierungstrend

Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China schufen im Pandemie-Jahr 2020 zusätzliche Unsicherheiten für die deutsche Unternehmen in China. Bei einem Entkopplungs-Szenario macht sich die deutsche Wirtschaft in China vor allem Sorgen vor den Risiken der steigenden Kosten durch verschiedene Standardanforderungen in den Märkten (37 Prozent) sowie vor einem langfristigen Geschäftsrückgang (35 Prozent).

Als Reaktion darauf lokalisieren deutsche Unternehmen in China zunehmend Forschung und Entwicklung (43 Prozent) sowie Beschaffung (34 Prozent) und passen Schlüsseltechnologien an verschiedene Standards (33 Prozent) an. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und Entkopplungsszenarien haben den Trend zur Lokalisierung verstärkt“, kommentiert AHK-China-Präsident Wöllenstein.

Zu den befragten Unternehmen

Traditionell arbeiten die in China etablierten deutschen Unternehmen in China in Branchen wie Maschinen/Industrieanlagen (30 Prozent) und Automotive (20 Prozent). Diese beiden Bereiche machten die Hälfte der Befragten aus. Die andere Hälfte setzte sich aus anderen Branchen zusammen, darunter Kunststoff- und Metallprodukte mit zehn und Professional Business Services mit neun Prozent.