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© Nick Fewings, Unsplash

Wie Umweltbewusstsein das Verhalten der Reisenden beeinflusst

Das Umweltbewusstsein steigt auch bei Reisenden. Doch das bedeutet nicht, dass damit die Reiselust eingeschränkt würde. Reisende versuchen Flüge zu vermeiden, planen aber weiter Auslandsreisen. Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) trägt der Tourismus rund zehn Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei. Sieben Prozent aller globalen Exporte gehen auf das Konto der Reisewirtschaft und über zehn Prozent aller Jobs werden der Touristik zugeordnet. Die Branche ist groß – und hat aber auch spürbaren Einfluss auf die Umwelt. Rund fünf Prozent der weltweiten Kohlenstoffdioxid-Ausstöße sind dem globalen Tourismus zuzurechnen.

Eine Studie des Deutschen Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2020 zum Thema Umweltbewusstsein hat ergeben, dass Umwelt- und Klimaschutz für 65 Prozent der Deutschen ein sehr wichtiges Thema ist. Über 77 Prozent sehen in menschlichem Handeln eine Hauptursache des Klimawandels. Laut der Global Consumer Survey (GCS) von Statista hat der Klimawandel Einfluss auf das Reiseverhalten von 65 Prozent aller Touristinnen und Touristen in Deutschland. Die GCS ist eine globale Umfrage in mehr als 55 Ländern mit bis zu 60.000 Befragten pro Land, 

Reisende sind sich dem Verkehrsproblem bewusst

Dem UNEP zufolge fallen drei Viertel aller globalen CO2-Emissionen des Tourismus durch Transport und Verkehr an. Der Großteil dieser CO2-Emissionen geht auf den Flugverkehr (40 Prozent) sowie die Autonutzung (32 Prozent) zurück. Nur ein kleiner Teil (drei Prozent) entsteht bei Bahn- und Busreisen. In Deutschland stieß eine Flugreise im Inland bei der durchschnittlichen Auslastung 2019 (Bezugsjahr 2019 zur Eliminierung von Effekten der Covid-19-Pandemie) 214 Gramm Treibhausgase pro Personenkilometer aus. Das sind fast 40 Prozent mehr als beim PKW (154 Gramm pro Personenkilometer bei einer Auslastung von 1,4 Personen pro PKW). Fast ganze fast 638 Prozent mehr beträgt die Belastung als die einer Fernreise mit der Bahn (29 Gramm pro Personenkilometer).

Umweltbewusstsein beim Reisen fängt schon bei der Wahl des Verkehrsmittels an

© Messe Berlin

Die aktuelle Befragung von Statista zeigt nun, dass den deutschen Reisenden der Umwelteinfluss des Verkehrsmittels bereits bewusst ist: Bei der Frage nach Verhaltensänderungen aufgrund des Klimawandels gehört die Vermeidung von (Langstrecken-)Flügen zu den meistgegebenen Antworten.

Umweltbewusstsein bei Reisen heißt für die Deutschen hauptsächlich: Meiden von Flugreisen

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Auslandsreisen auch bei höherem Umweltbewusstsein gefragt

Ein kompletter Reiseverzicht aus Nachhaltigkeitsgründen erweist sich hingegen als Seltenheit. Von den befragten Deutschen, die 2022 keine Reise planen, nannten lediglich sechs Prozent den Umweltschutz als Grund. Gestiegenes Umweltbewusstsein ob der Bedrohung durch den Klimawandel hemmt demnach nicht die generelle Reiselust. Vielmehr beeinflusst es potenziell die Art und Weise, wie Urlaub gemacht wird.

Und obwohl 24 Prozent der Reisenden aus Deutschland in der GCS angegeben haben, in der jüngeren Vergangenheit bereits Pläne für Auslandsreisen aus Umweltgründen geändert zu haben, stehen diese auch 2022 hoch im Kurs. 70 Prozent der Deutschen, die für dieses Jahr eine Reise geplant haben, möchten dabei (auch) über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Erst im Nachgang wird sich zeigen, ob die erwähnten Verhaltensänderungen der Reisenden aktiv umgesetzt werden und tatsächlich sichtbar auf (Langstrecken-)Flüge oder Fernreisen verzichtet wird.

Sowohl für das In- als auch das Ausland gilt jedoch: Nachhaltige Reisemöglichkeiten sind vielfältig. Allgemeingültige Aussagen über Pauschalreisen, All-inclusive-Hotels oder „Billigreisen“ lassen sich nicht treffen. Neben dem gewählten Verkehrsmittel gibt es weitere Aspekte, die die Nachhaltigkeit einer Reise beeinflussen und im Fokus der Touristen stehen. So ist zum Beispiel 48 Prozent der deutschen Reisenden Müllvermeidung während eines Urlaubes wichtig. 40 Prozent legen Wert auf einen sparsamen Umgang mit Ressourcen wie Energie und Wasser. Und 39 Prozent wünschen sich eine faire Bezahlung des Personals am Urlaubsort.

Nachhaltige Reiseveranstalter als Lösungsansatz

Rika Jean-François, Corporate-Social-Responsibility-Beauftrage bei der ITB Berlin erklärt: „Jeder Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zählt. So kann durchaus auch eine All-inclusive-Anlage verantwortlich und nachhaltig geführt werden, wenn sie beispielsweise ein gescheites Müll- und Wassermanagement vorweist, nachhaltige Energie und lokal produzierte Lebensmittel nutzt und auch die Angestellten aus der Region kommen – das Management sollte aber dahinterstehen.

Heute heißt es nicht mehr entweder oder: Kundinnen und Kunden müssen sich nicht mehr zwischen „preisgünstig“ oder „ethisch korrekt“ reisen entscheiden, da es immer mehr Angebote gibt, die Nachhaltigkeit in ihrem Produktportfolio etablieren, ohne die Preise anzuziehen. Es ist eine Investition in die Zukunft. Im nächsten Schritt spielt auch unabhängige Zertifizierung eine nicht unwichtige Rolle, da sie sowohl den Anbietern als auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern Orientierung gibt und damit „Greenwashing“ bekämpft.

Nachhaltiges Denken muss in unser aller Mindset Einzug halten, auch was unser Urlaubsverhalten betrifft: Fahre ich im Inland Bahn, kompensiere ich meinen CO2-Fußabdruck- wenn ich doch fliege, bleibe ich eventuell länger vor Ort, statt Kurztrips zu zelebrieren? Jeder sollte sich die Fragen stellen, ob ‚Zum Shopping mit dem Flieger jetten‘ wirklich notwendig ist. Ich hoffe, dass das bald nicht mehr „hip“ sein wird und glaube, dass wir eine baldige Veränderung dieses „Lifestyles“ sehen“.

Umweltbewusstsein führt nicht immer zu Verhaltensänderung

Nachhaltige Reiseanbieter stellen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, umweltbewusst zu reisen. Das Potenzial ist laut GCS-Ergebnissen in allen explizit untersuchten Märkten (DE, UK, USA) vorhanden. Über 40 Prozent der Befragten wären bereit, bei einem nachhaltigen Reiseanbieter zu buchen. Circa 36 Prozent würden sogar einen Aufpreis für nachhaltige Reiseanbieter zahlen. In den vergangenen zwei Jahren haben dies jedoch lediglich 19 Prozent der Befragten getan.

Auch an dieser Stelle wird die Zukunft zeigen, inwiefern die Reisenden ihrem gestiegenen Umweltbewusstsein Taten folgen lassen. Widersprüche zwischen eigenem Anspruch sowie Überzeugungen und dem tatsächlichen Verhalten sind gerade im Bereich des Klimaschutzes kein neues Phänomen. Fest steht allerdings auch, dass für die Reisenden nicht nur ihr individuelles Verhalten im Fokus steht. Auch die Reisebranche habe dem Umweltbewusstsein Rechnung zu tragen und attraktive Optionen im Bereich Nachhaltigkeit anzubieten.

Nicht alle, die gestiegenes Umweltbewusstsein angeben, reisen tatsächlich nachhaltiger.

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Politik und Reiseanbieter sind gefordert

In der GCS fordern 92 Prozent der Reisenden in Deutschland von Politik und Anbietern Maßnahmen, um das Urlauben umweltfreundlicher zu gestalten. Sowohl für Reisende aus den USA als auch aus Großbritannien spielen die Zertifizierung umweltfreundlicher Resorts sowie die Bereitstellung von Informationen rund um den Umwelteinfluss der Reise eine große Rolle. In Deutschland erscheint das Verbot von Privatflugzeugen sehr weit oben auf der Maßnahmenliste (28 Prozent, Platz 1). Hierfür sprechen sich 19 Prozent (Platz 4) in Großbritannien und 11 Prozent (Platz 9) in den Vereinigten Staaten aus. Einig sind sich die Touristinnen und Touristen aller Länder darin, dass Handlungsbedarf besteht. Vor allem in der Forschung (aggregiert: 23 Prozent) sei dieser gegeben. Aber auch der Handlungsbedarf beim Investment in umweltfreundlichere Transportmöglichkeiten (aggregiert: 24 Prozent) sei groß.

Einfache Tipps für einen nachhaltigen Urlaub

Eine umweltbewusste Reise nicht immer der Camping-Trip in die Uckermark sein. Auch ein typischer Badeurlaub mit Fluganreise kann nachhaltig sein. Das Reiseunternehmen faircations gibt acht konkrete Tipps, wie jede Reise bewusster gestaltet werden kann.

Anreise nachhaltiger gestalten

Vielen ist bewusst, dass Flugreisen nicht gut für die Umwelt sind. Besonders Langstrecken-Flüge verursachen viel CO2. Wer auf den Flug nicht verzichten mag, entscheidet sich aber beispielsweise für einen Direktflug anstelle einer Umsteigeverbindung. Denn bei Start und Landung werden die meisten Treibhausgase ausgestoßen. Bei Kurzstrecken ist es natürlich ratsam, auf die Bahn auszuweichen. Für Fernreisen gilt die Faustregel: Je länger Reisende an einem Urlaubsort verweilen, desto sinnvoller wird die Flugreise. Zudem ist auch die Kompensation der CO2-Emissionen sinnvoll. Hierfür sollten Reisende unbedingt auf die Wahl eines seriösen Anbieters achten.

Auf tägliche Reinigung und Handtuchwechsel verzichten

In fast allen Urlaubshotels wird Gästen ein täglicher Handtuchwechsel sowie das tägliche Putzen des Zimmers angeboten. Hier steckt der Teufel im Detail – denn beim täglichen Austausch der Handtücher und der so häufigen Reinigung entsteht ein erhöhter Wasser- und Energieverbrauch. Das (unnötig) verwendete Wasch- und Putzmittel belastet die Umwelt ebenfalls. Wer im Hotel Bescheid gibt, dass er Wert auf eine seltenere Reinigung legt, kann hier gegensteuern. Zudem hat es sich in vielen Unterkünften etabliert, die Handtücher nur zu tauschen, wenn diese auf dem Boden liegen. Wer ein wenig auf Ordnung im Zimmer achtet, kann also auch so Wasser und Energie einsparen.

Leichtes Gepäck spart CO2

Vielen Reisenden mit gestiegenem Umweltbewusstsein ist nicht bewusst, dass die CO2-Belastung ihres Urlaubs bereits beim Packen anfängt. Je schwerer Koffer sind, desto mehr Emissionen stößt der Transport aus. Wer mit leichtem Gepäck reist, spart so also nicht nur wertvolle Zeit beim Packen, sondern tut auch etwas für die Umwelt. 

Riff-freundliche Sonnencreme benutzen

Auch bei der Auswahl der Sonnencreme kann man sich für eine umweltfreundliche Variante entscheiden. Herkömmliche Produkte enthalten oft schädliche Inhaltsstoffe, die Schaden an den Korallenriffen verursachen und für Meerestiere giftig sind. Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr zwischen 6.000 und 14.000 Tonnen Sonnenschutzmittel ins Meer, hauptsächlich natürlich durch TouristInnen. Mit einer einfachen Online-Recherche finden UrlauberInnen eine große Auswahl an sogenannten riff-freundlichen Sonnencremes und können so guten Gewissens den Badeurlaub genießen.

Ausflüge mit Bedacht wählen

Am Reiseziel angekommen, möchten die meisten BesucherInnen auch etwas erleben. Doch viele Attraktionen im Urlaubsland sollten genauer unter die Lupe genommen werden. Der vermeintlich harmlose Besuch der Orca-Show oder der Ausflug mit dem Jet-Ski sind leider alles andere als nachhaltig. Viele solche Attraktionen wirken sich negativ auf die Umwelt aus oder widersprechen dem Tierschutz. Darunter fallen auch viele Aktivitäten mit Wildtieren wie Delfinschwimmen oder Elefantenreiten. Derartige Angebote entsprechen nicht dem natürlichen Verhalten der Tiere und dienen schlussendlich nur der Unterhaltung der TouristInnen.

Attraktionen wie Helikopterrundflüge oder Quad-Fahren stören die natürliche Umgebung und damit auch den Lebensraum der angesiedelten Tierarten. Häufig produzieren sie unnötige CO2-Emissionen. Inzwischen gibt es jedoch eine ganze Reihe an Ausflugsangeboten, die nachhaltig gestaltet sind, um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten. Der Besuch von Nationalparks, geführte Wanderungen mit einem Ranger und Kochkurse sind beispielsweise bewusste Möglichkeiten, um am Urlaubsort Spaß zu haben.