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Mietwagenanbieter sträuben sich noch, E-Autos in ihre Flotten aufzunehmen. Grund ist unter anderem die mangelnde Ladekapazität.
© dcbel, Unsplash

Warum Vermieter ihre Flotten nicht auf E-Autos umstellen

In den Flotten der Mietwagen-Anbieter stehen äußerst selten E-Autos oder Hybride als Mietwagen zur Wahl. Und das, obwohl viele Ferienregionen in ein umweltfreundliches Urlaubserlebnis investieren. In Sachen Mobilität scheint Stillstand zu herrschen. Ladeinfrastruktur, Umschlagzeiten und Platzbedarf erschweren die Umstellung der Flotten. Mietwagen-Veranstalter Sunny Cars zeigt auf, warum die meisten Flotten aktuell auf Benziner und Dieselfahrzeuge setzen.

Weltweit steigt jedes Jahr der Anteil der Hybrid- und Elektroautos an den Neuzulassungen der Fahrzeuge. Entsprechend wächst die Auswahl an verfügbaren Modellen. Auch staatliche Anreize unterstützen Autofahrerinnen und -fahrer beim Umdenken. Die E-Wachstumskurve bei Firmen- und Privatwagen zeigt steil nach oben.

Dennoch finden sich am Mietwagenmarkt kaum entsprechende Fahrzeuge in den Flotten. „Seit mehr als fünf Jahren beschäftigen wir uns bei Sunny Cars mit dem Thema Miet-E-Autos. Die nüchterne Erkenntnis daraus: Für die Probleme rund um eine Flottenumstellung gibt es seither nicht ansatzweise eine Lösung. Auch die Nachfrage der Urlauberinnen und Urlauber geht gegen null.“ So bringt es Kai Sannwald, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter von Sunny Cars, auf den Punkt.

Sorge um schlechtere Planbarkeit in Flotten

Viele Reisende schrecken gerade im Ausland vor dem Laden zurück. Auf unbekannten Routen vertrauen die Fahrerinnen und Fahrer nicht auf die kürzere Reichweite bei Strombetrieb. Die Sorge keine Ladestation zu finden, dominiert. Die Kenntnisse über die Reisedestination reichen oft nicht bis hin zu Stromsäulen. Ein großer Gegensatz zum heimischen Fahren, wo Fans von E-Autos ihre definierten Ladeplätze kennen. Das führt zu einer sehr geringen Nachfrage auf Seiten der Kundschaft.

Erhöhte Abgabe- und Umschlagzeit

Eine weitere unbeantwortete Frage stellt sich beim Thema Rückgabe. Bislang gilt meist die Voll-Voll-Regel: Die Annahme und Abgabe erfolgen mit vollem Tank. Doch dauert das Laden bei einem E-Fahrzeug vergleichsweise deutlich länger. Ein kurzer Stopp auf dem Weg zum Flughafen reicht daher nicht aus. Statt fünf Minuten bleibt das Auto teils mehrere Stunden an der Säule hängen. Hiervor schrecken Urlauberinnen und Urlauber zurück.

Auch der Vermieter kommt an diesem Punkt in die Bredouille. Um den Servicecharakter zu erhöhen, wären Ladestationen bei der Rückgabe von Vorteil. Jedoch erhöht dies die Umschlagzeit enorm. Ein zurückgebrachtes Auto geht normalerweise binnen kurzer Zeit schon wieder auf seine nächste Reise. Im Einzelfall betrachtet scheint diese Hürde nicht zu hoch. Allerdings kommt es bei den größeren Stationen zu einem Wechsel von mehreren hundert Ferienautos pro Tag.

Platzbedarf an Ladestationen für die Flotten

Daraus folgt schon die nächste Schwierigkeit: Bleiben Mietwagen länger vor Ort, benötigt die Station viel mehr Platz, um die Wagen zu parken. Denn die aktuelle Platzsituation reicht nicht aus, um diesen Zwischenpuffer abzudecken. Doch auch wer seinen Parkplatz ausweitet, schafft zunächst nur die Möglichkeit, die Autos zu parken. Für den Ladevorgang selbst benötigt der örtliche Anbieter viele Ladesäulen und entsprechend eine Menge Strom. Hier stellt sich die Frage, wer die Kosten trägt. Denn üblicherweise haben Mietpartner, insbesondere an Flughäfen, selbst einen Mietvertrag. Entscheidet also ein Flughafen, die Fläche anderweitig zu vergeben, wäre ein Investment in Ladesäulen nicht refinanzierbar.

„Diese Probleme bei der Ausgangslage kennen wir bereits seit vielen Jahren. Mittlerweile kommt es zu so viel Bewegung in Sachen E-Autos. In Bezug auf E-Mietwagen herrscht aber kompletter Stillstand,“ erklärt Kai Sannwald. „Ein Fall des Henne-Ei-Problems aus Nachfrage und Angebot. Die EU strebt an, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen auf den Markt kommen. Ich fürchte, dass wir mittelfristig in der Mietwagenbranche nicht von Dieseln und Benzinern Abschied nehmen. Doch die Umstellung der Flotten wird und muss auch kommen. Daher brauchen wir jetzt eine Initialzündung.“