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Cefalu, eines von vielen wunderschönen Dörfern Siziliens
© ecstk22, Adobestock

Siziliens Dörfer setzen auf sanften Tourismus und Tradition

In vielen kleinen Gemeinden Siziliens verändert sich der Tourismus. Weg von kurzfristigem Badeurlaub, hin zu einem Modell, das Kultur, Geschichte und Alltagsleben der Orte einbezieht. Besucherinnen und Besucher kommen nicht nur wegen Sehenswürdigkeiten, sondern auch, um die Lebensweise in Siziliens Dörfern kennenzulernen.

Ein Beispiel ist Militello Val di Catania, rund 7.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, im Südosten der Insel. Die barocke Altstadt gehört seit 2002 gemeinsam mit dem Val di Noto zum UNESCO-Weltkulturerbe. Militello wurde 2024 im Wettbewerb Il Borgo dei Borghi als „schönstes Dorf Italiens“ ausgezeichnet. Die Wirkung ist messbar: Bürgermeister Giovanni Burtone berichtet von einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen, besonders an Frühlingswochenenden, wenn die Plätze gefüllt sind und kleine Cafés ihre Tische nach draußen stellen.

Die Regionalregierung setzt auf nachhaltige Konzepte. Unterkünfte entstehen nach dem Modell des Albergo diffuso – Gästezimmer und Apartments, verteilt über das gesamte Dorf und in bestehende Bausubstanz integriert. So bleibt die historische Struktur erhalten, während zusätzlicher Wohnraum für Touristinnen und Touristen entsteht.

Auch andere Orte profitieren: Montalbano Elicona (Sieger 2015) verzeichnet jährlich ein Plus von fünf Prozent, Petralia Soprana (2018) kam 2023 auf rund 40.000 Übernachtungen. Selbst Buccheri in der Provinz Syrakus, bisher ohne Haupttitel, hat sich profiliert: 2021 als „beste kulinarische Destination“ ausgezeichnet, setzte der Ort verstärkt auf Agrartourismus – mit einem Wachstum von 20 Prozent im vergangenen Jahr.

Sizilianische Dörfer

Netzwerke und Kooperationen

Ein Motor dieser Entwicklung ist das 2021 gegründete Netzwerk Borghi dei Tesori, in dem sich rund 70 Gemeinden aus allen Provinzen Siziliens zusammengeschlossen haben. Das Projekt, getragen von Le Vie dei Tesori, verbindet kulturelle Rundgänge mit kulinarischen Angeboten und Einblicken in lokales Handwerk. Besucher können Kirchen und Klöster besichtigen, in kleinen Trattorien einkehren und dabei Spezialitäten wie Pistazien aus Bronte oder Olivenöl der Monti Iblei probieren.

Diese Veranstaltungen ziehen nicht nur Gäste an, sondern fördern auch die Rückkehr junger Menschen, die einst für Ausbildung oder Beruf die Insel verlassen hatten. Einige arbeiten heute ortsunabhängig und wählen bewusst Orte mit hoher Lebensqualität, andere übernehmen Familienbetriebe und bringen neue Ideen ein. Unterstützt durch regionale Förderprogramme entstehen so kleine, widerstandsfähige Wirtschaftskreisläufe.

Wachstum über die Hauptsaison hinaus

Der Dorftourismus in Sizilien zeigt inzwischen ein ganzjähriges Wachstum. Im Val di Noto stiegen die Übernachtungen in B&Bs, Gasthöfen und Privatunterkünften 2024 um zehn Prozent. Zwischen 2022 und 2025 wird ein Zuwachs von 15 Prozent erwartet. Gefragt sind Orte, die Authentizität bieten und dabei den Besucherstrom so lenken, dass historische Substanz und Lebensqualität erhalten bleiben.