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© Daniel Ernst - Fotolia.com

Schüleraustausch: Was er bringt und wie du ihn organisierst

Viele junge Menschen träumen davon, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen. Und für etliche von ihnen wird der Traum vom Schüleraustausch auch Wirklichkeit. Dank Professionalisierung der Schüleraustauschorganisationen, Globalisierung und Bezahlbarkeit von Flugreisen ist es keine Seltenheit mehr, dass Teenager für ein Jahr das Abenteuer Austauschjahr realisieren können.

Dabei bringt dieser Schritt nicht nur sehr viel Spaß, sondern dient neben der Persönlichkeitsentwicklung des Schülers auch der Gesellschaft. So hat etwa eine psychologische Studie der Friedrich-Schiller- Universität Jena belegt, dass junge Abiturienten mit Auslandserfahrung ein deutlich höheres Maß an Offenheit gegenüber anderen Menschen und Kulturen aufweisen und demzufolge toleranter sind als der Durchschnitt der Gesellschaft. Zudem kommen die Jugendlichen aufgeschlossener, selbstsicherer und vor allem erfahrener zurück nach Hause.

Reifer und selbstbewusster durch Schüleraustausch

maxDas bestätigt auch Max aus Detmold, der mit der mit der Organisation Stepin ein High-School-Jahr auf dem Inselparadies Hawaii machte: „Während meines Auslandsjahres habe ich gelernt, wer ich sein möchte, wie ich das anstelle und was ich mit meiner Zukunft machen möchte. Dieses Jahr hat mich so sehr beeinflusst und mir so sehr weiter geholfen, dafür gibt es keine Worte.“

Max ist somit in dem bei deutschen Schülern beliebtesten Land für ein Austauschjahr zur Schule gegangen. Mehr als 6.000 Austauschschüler waren nämlich der Statistik zufolge auf einer High School in den Vereinigten Staaten von Amerika. Warum so viele junge Menschen die USA als Destination wählen, weiß Thomas Terbeck, Gründer des Bildungsberatungsdienstes weltweiser und Autor des Ratgebers „Handbuch Fernweh“: „Jugendliche kommen mit den USA in den deutschen Medien immer wieder in Berührung. Der amerikanische „School Spirit“, die Facetten des „American Way of Life“ sowie die gelebte Gastfreundschaft und kulturelle Vielfalt üben seit jeher eine große Faszination auf deutsche Jugendliche aus.“ Das zweitbeliebteste Land ist der Nachbarstaat der USA: Kanada. Aber auch Neuseeland und Australien haben es den Schülern angetan (siehe Grafik).

Weltkarte

Schüleraustausche schon seit den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts

Der allererste Schüleraustausch fand übrigens ebenfalls in den USA statt, denn es waren die Amerikaner, die im Rahmen des pädagogischen Re-Education-Programmes wenige Jahre (1951) nach dem Zweiten Weltkrieg bewusst deutsche Schüler zu sich einluden, um diesen ihre Grundwerte von Demokratie zu vermitteln. Damals reiste aber niemand mit dem Flugzeug an, sondern man überquerte noch mit dem Schiff den Atlantik.

amreiMittlerweile ist praktisch in jedem Land ein Austausch möglich, selbst exotische Länder wie Costa Rica werden gerne von jungen Abenteurern gewählt. Auch Amrei aus Remscheid hat sich bewusst für den zentralamerikanischen Staat entschieden: „Als ich zum ersten Mal von Costa Rica gehört habe, war ich gleich begeistert: ein kleines Land in den Tropen, immer warm, Traumstrände, Regenwald, Vulkane, Tiere und vieles mehr. Da mein Englisch schon recht gut war, wollte ich noch eine andere Sprache lernen: Spanisch!“, erinnert sich die 15-Jährige.

Auch sie ging mit der Partnerorganisation Stepin ins Ausland und hat in vielerlei Hinsicht von diesem besonderen Jahr profitiert: „Es gab Situationen, die ich anders gewöhnt war und die zuerst schwierig für mich waren. Im Nachhinein lernt man jedoch sehr viel durch diese Momente, da man sich mit ihnen auseinandersetzen muss und so lernt, Probleme anzugehen und verschiedene Sichtweisen zu entwickeln.“

Die zehn wichtigsten Schritte zum Austauschjahr

  1. Wahl des Gastlandes: Du solltest überlegen, welche Kultur und welche Sprache dich besonders reizen. Entscheidend ist dabei, ob du in einem ähnlichen Kulturraum wie Deutschland oder in einer völlig neuen kulturellen Umgebung leben möchtest.
  1. Wahl der Austauschorganisation: Achte auf die Seriosität, etwa indem du dir das Angebot auf der Webseite genau ansiehst. Es sollte die Möglichkeit geben, sich unverbindlich in einem persönlichen Beratungsgespräch informieren zu können. Es ist ratsam, sich so früh wie möglich anzumelden, da es in einigen Austauschprogrammen begrenzte Plätze gibt.
  1. Heimat- und Gastschule: In der Regel muss deine Heimatschule den Schüleraustausch genehmigen. Deshalb solltest du vor einer verbindlichen Anmeldung mit Klassenlehrer und Schulleitung klären, ob ein Schüleraustausch möglich ist. Im Gastland selbst hast du zwar keinen Einfluss auf die Fächerwahl, dafür erhältst du die einmalige Chance, Fächer zu belegen, die dir an deiner Heimatschule in Deutschland nicht geboten werden.
  1. Vollständige Bewerbungsunterlagen: Diese können unter anderem deine Zeugnisse, ein Foto, eine Empfehlung der Heimatschule, Nachweise besonderer außerschulischer Aktivitäten und einen Brief an deine Gastfamilie umfassen. Kümmere dich möglichst früh um die Zusammenstellung.
  1. Visum/Aufenthaltsgenehmigung: Für Schulaufenthalte außerhalb der Europäischen Union (EU) benötigst du ein Visum bzw. eine Aufenthaltsgenehmigung. Dabei gelten für jedes Land unterschiedliche Voraussetzungen. Während etwa für einen maximal fünfmonatigen Schüleraustausch in Kanada kein Visum erforderlich ist, benötigst du dies grundsätzlich bei sämtlichen USA-Aufenthalten.
  1. Auslandskrankenversicherung: Diese ist für alle Austauschprogramme und oft auch für die Visumerteilung obligatorisch. Sofern du über deine Eltern privat versichert bist, kläre, ob sich der Versicherungsschutz auch auf dein Zielland erstreckt. Wer gesetzlich familienversichert ist, benötigt in jedem Fall eine gültige Auslandskrankenversicherung.
  1. Stipendien und Auslands-Bafög: Der Staat ermöglicht es Schülern aus Familien mit begrenzten finanziellen Mitteln ein spezielles Darlehen (Bafög) in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Austausch mindestens sechs Monate dauert. Darüber hinaus gibt es verschiedene Stipendienprogramme zum Beispiel von Open Door International e.V. (ODI). Aber auch die Austauschorganisationen wie Stepin haben eigene Förderprogramme im Angebot.
  1. Sprachkenntnisse: Willst du eine komplett neue Sprache erlernen, so erleichtert dir ein Crash-Kurs den Start in deiner Gastfamilie und –schule. Wenn du deine Kenntnisse verbesserten möchtest, kann ein Auffrischungskurs vorab nicht schaden.
  1. Unterlagen prüfen: Kläre, ob deine wichtigen Dokumente wie Reisepass, Personalausweis, Bankkarte, ggf. Führerschein oder Impfausweis ausreichend lange gültig sind. Fertige Kopien davon an, die du bei deiner Familie hinterlegst, so dass die Daten im Fall eines Verlustes der Dokumente noch abrufbar sind.
  1. Gesundheit: Lass dich gegen landestypische Krankheiten (zum Beispiel Hepatitis) impfen und frische ggf. deinen bestehenden Impfschutz auf. Informiere dich, ob du bestimmte Medikamente, auf die du vielleicht angewiesen bist, in das Gastland einführen darfst und wie du dir diese vor Ort beschaffen kannst.

Fotos: Stepin
Grafik: weltweiser