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Mehr Zeit, weniger CO₂: Slow Travel liegt voll im Trend
© Elizaveta, Adobestock

Mehr Zeit, weniger CO₂: Slow Travel liegt voll im Trend

Nachhaltiger zu reisen bedeutet für viele längst nicht mehr nur, vor Ort „bewusster“ zu konsumieren. Der entscheidende Hebel liegt zunehmend in der Anreise. Statt der schnellsten Verbindung wählen immer mehr Menschen absichtlich die langsamere Route, auch dann, wenn das zusätzliche Stunden oder sogar einen weiteren Reisetag kostet. Der Trend von Slow Travel zeigt sich in einer aktuellen Umfrage der Reise-App Polarsteps.

Fast jede zweite Person (44 Prozent) hat laut der Umfrage bereits eine längere oder bewusst langsamere Reise unternommen, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Grundlage sind Antworten von mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Auffällig sind dabei klare Unterschiede zwischen den Ländern. In den Niederlanden berichten bislang 32 Prozent von einer solchen Entscheidung. In Deutschland, Großbritannien und Frankreich liegt der Anteil dagegen jeweils nahe der 50-Prozent-Marke.

Auch innerhalb Deutschlands zeichnet sich beim Slow Travel ein Altersmuster ab: Besonders häufig verzichten Menschen zwischen 29 und 44 Jahren auf den schnellsten Reiseweg und nehmen für mehr Nachhaltigkeit eine längere Anreise in Kauf. Ihr Wert liegt rund neun Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Die 45- bis 60-Jährigen agieren zurückhaltender, zeigen im europäischen Vergleich aber weiterhin ein relativ hohes Umweltbewusstsein.

Frauen und Jüngere setzen die Maßstäbe, wenn es um nachhaltiges Reisen geht

Ein zweites Ergebnis betrifft die Geschlechterunterschiede. Frauen treffen demnach häufiger nachhaltige Reiseentscheidungen als Männer, und das teils mit deutlichem Abstand. Besonders ausgeprägt ist das in Frankreich: Dort geben Frauen wesentlich öfter an, aus Umweltgründen eine langsamere oder längere Reise gewählt zu haben; der Abstand zu Männern liegt laut Umfrage bei 77 Prozent. In den Niederlanden beträgt die Differenz 24 Prozent, in Deutschland fällt sie mit fünf Prozent vergleichsweise moderat aus.

Der Reiz des langsamen Reisens speist sich jedoch nicht nur aus Klimabilanzen. Wer mit Zug oder Bus unterwegs ist, erlebt Landschaften, Übergänge und Zwischenstopps als Teil der Reise. Gleichzeitig ist der ökologische Effekt nachvollziehbar: Züge und Fernbusse verursachen pro Personenkilometer in der Regel deutlich weniger CO₂ als Flugzeuge oder Autos. Gerade Kurzstreckenflüge gelten als besonders klimaschädlich, weil Start und Landung einen hohen Emissionsanteil haben.

Dazu kommt ein struktureller Nebeneffekt, der vielerorts zunehmend relevant wird: Wer sich mehr Zeit nimmt, bleibt oft länger, verteilt sich stärker auf kleinere Orte und reist weniger nach dem „Checklisten“-Prinzip. Das kann lokale Betriebe abseits der Hotspots stärken und gleichzeitig helfen, den Druck in überlaufenen Zentren zu verringern.