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Der Riese erwacht

Coca-Cola investiert Milliardenbeträge in den Nahen Osten und greift so den Erzrivalen Pepsi an. Für den Brausehersteller ist es die Überwindung eines jahrzehntealten Traumas. Und Teil einer riesigen Kampagne in den Schwellenländern.

Die Wahl fiel auf Al-Aujan. Am 14. Dezember gab die US-amerikanische Coca-Cola Company bekannt, sich mit 50 Prozent am saudi-arabischen Getränkegiganten Al-Aujan zu beteiligen. Ein Geschäftsumfang von 980 Millionen US-Dollar wurde angegeben. Mehr noch als die außergewöhnliche monetäre Dimension des Geschäfts bedeutet der Deal ein Strategiewandel der Amerikaner – zwischen 1968 und 1991 boykottierten die Staaten der Arabischen Liga das Unternehmen aufgrund einer in Israel betriebenen Abfüllanlage. In diesen Jahrzehnten teilten lokale Anbieter und Rivale Pepsi den Markt unter sich auf.

Beispielhaft dafür, wie abgeschlagen der Weltmarktführer in der arabischen Welt ist, sind die Kernzahlen des saudi-arabischen Marktes: Lediglich 12 Prozent aller Erfrischungsgetränke kommen aus Coca-Cola-Fabriken. Gleichzeitig sei der Nahe Osten eine der Weltregionen mit den größten Absatzraten für Erfrischungsgetränke, betonte Ahmet Bozer, Nahost-Chef bei Coca-Cola.

Auch Al-Aujan erhofft sich von der Kooperation deutliche Vorteile: Gegenüber dem Fernsehsender Al-Arabiya kündigte Inhaber Adel Aujan an, den Firmenumsatz in den kommenden fünf Jahren verdoppeln zu wollen. Gegenwärtig setzt das Familienunternehmen 800 Millionen Dollar jährlich mit seinen Marken Vimto, Rani und Barbican um und konnte in den letzten Jahren meist zweistellige Wachstumsraten erzielen. Rund 65 Prozent davon werden außerhalb des Königreichs Saudi-Arabiens umgesetzt – der zentrale Grund, weshalb Coca-Cola die Zusammenarbeit suchte. »Wir befinden uns im Wettbewerb mit internationalen Unternehmen, verfügen gegenwärtig aber nicht über deren Möglichkeiten«, so Aujan.

Offensive in den Schwellenländern

Im Oktober hatte Coca-Cola bereits angekündigt, insgesamt fünf Milliarden Dollar über die kommenden zehn Jahre in die MENA-Region investieren zu wollen. Zwar versucht der Konzern seit mehreren Jahren das Image der eigenen Marken durch aufwendige, meist im Fastenmonat Ramadan geschaltete Werbespots zu verbessern, der Einkauf bei etablierten Anbietern scheint den Strategen in Atlanta aktuell erfolgsversprechender. Ausdrücklich ausgenommen vom Geschäft, das in in der ersten Jahreshälfte 2012 abgewickelt werden soll, ist eine Al-Aujan-Tochterfirma, die für das Iran-Geschäft zuständig ist.

Dabei macht die Entscheidung nur einen kleinen Teil einer großangelegten Investitionsstrategie für viele Schwellenländer weltweit aus: Über das vergangene halbe Jahr verteilt, kündigte Coca-Cola massive Investitionen in Russland, China und Indien an. Mehr als neun Milliarden Dollar wolle man ab 2012 in die BRIC-Staaten fließen lassen. Während Coca-Cola das Geschäft in der westlichen Welt dominiert, war es besonders Pepsi, die in Schwellen- und Entwicklungsländern häufig den Konkurrenten abhängte.

Quelle: zenith BusinessReport

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