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Müllentsorgung
© Joshua Resnick - AdobeSTock

Wie werden wir unseren „trash“ los? Von den Tücken der Müllentsorgung in Minnesota

Als wir vor drei Jahren in unser Haus in einer Kleinstadt in Minnesota einzogen, waren wir zuerst einmal mit technischen Dingen wie dem Bestellen eines WLAN- und Telefon-anschlusses beschäftigt. Aber dann stand plötzlich eine ziemlich banale Frage im Raum: wie werden wir eigentlich unseren Müll los? Dass Müllentsorgung in den USA etwas anders abläuft, als in Deutschland, war mir ja irgendwie bewusst – aber wie genau funktioniert das System der Müllentsorgung?

Ein Anruf beim „City Office“, der Stadtverwaltung, sorgte für etwas Klarheit. Die Dame am anderen Ende der Leitung meinte lapidar, ich solle mir einfach einen „Trash Hauler“, ein Entsorgungsunternehmen, aussuchen, die entsprechenden Telefonnummern würden auf der Homepage der Stadtverwaltung stehen. „Aussuchen“, im Ernst?

In Minnesota und auch in den meisten anderen US-Bundesstaaten ist die Entsorgung des Hausmülls keine Aufgabe der Stadtwerke, sondern viele private Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden. Unser kleines Städtchen hat sage und schreibe vier verschiedene Anbieter im Angebot. Dies führt dazu, dass mittwochs, am Abholungstag des Hausmülls, stundenlang ziemlich große und ziemlich laute Lastwagen die Straßen auf und ab fahren. Zuerst Anbieter 1, dann 2, dann 3, dann 4. Der Bürgermeister unseres Städtchens hat schon öfter versucht, dieses System zu ändern und nur noch einen Anbieter zuzulassen, stößt aber immer wieder auf immensen Widerstand. Der Amerikaner bezieht sich eben auch beim Thema Müll gerne auf seine persönliche Freiheit und will sich nicht einschränken lassen.

Eine Recycling-Tonne für alles

Immerhin gestaltet sich die Abholung unserer blauen Recycling-Tonne etwas einfacher – hierfür gibt es nur ein Entsorgungsunternehmen. Und ja, wir haben wirklich eine Recycling-Tonne, in die Papier, Glas und Plastik hineinkommen. Getränkedosen kommen eigentlich auch in diese Tonne, aber wir sammeln unsere Dosen inzwischen separat in einer großen Tüte und spenden sie wie fast alle Minnesotans den Boyscouts oder der American Legion, die dann etwas Geld aus dem Aluminiumrecycling bekommen.

Und was macht man mit Sperrmüll? Vielleicht haben Sie in den USA auch schon alte Sofas, Esstische oder Fahrräder am Straßenrad gesehen, auf denen ein Schild mit dem Wort „FREE“ klebte. Ja, genau so wird man hier seinen Sperrmüll los. Erst letzte Woche hat mein Nachbar seinen alten Fernsehsessel an den Straßenrand geschleppt und schwupp – nach einer halben Stunde war er tatsächlich weg. Eine andere beliebte Option ist es, alte Möbel bei der Salvation Army oder irgendeiner anderen wohltätigen Organisation abzugeben und so gleichzeitig noch eine gute Tat zu tun. Und wer an seinen alten Sachen noch ein bisschen Geld verdienen möchte, der stellt sein Hab und Gut einfach in die Garageneinfahrt und rammt ein „Garage Sale“-Schild vors Haus.

Auch ich werde vom amerikanischen Sperrmüll-System in der nächsten Zeit regen Gebrauch machen. Alles, was im Zuge unserer Rückkehr nach Deutschland nicht in den Übersee-Container gepackt wird, landet in meiner Einfahrt oder am Straßenrand. Mal sehen, wie schnell meine Restposten so weg gehen.