Katar ist reichstes Land der Welt

Rein statistisch dürfte Katar durch seinen Gasreichtum derzeit das wohlhabendste Land der Welt sein. Die Wirtschaft ist zuletzt durch die Inbetriebnahme riesiger Rohstoffprojekte zweistellig gewachsen, die Handelsbilanz weist sagenhafte Überschüsse aus. Die Regierung versorgt ihre Staatsbürger mit hohen Gehältern und gibt auch mehr für die Umsetzung ihrer ambitionierten Entwicklungsplanung aus. Der Arbeitsmarkt stützt sich auf Ausländer, die vom Reichtum allerdings großteils ausgeschlossen bleiben. Dies berichtet germany trade & invest (gtai).

Der konservative Wüstenstaat am Golf hat weniger Einwohner als Hamburg und eine einheimische Bevölkerung, die noch nicht einmal die Größe des Hansestadt-Bezirks Eimsbüttel erreicht. Katars Bruttoinlandsprodukt stieg 2011 sprunghaft auf umgerechnet 125 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Hamburg erreichte 94 Milliarden Euro; pro Einwohner waren es im Golf-Emirat rund 71.900 Euro, in Hamburg 52.700 Euro.

Mit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 nach Katar ist es dem erst seit 1971 unabhängigen Emirat endgültig gelungen, ins Rampenlicht der internationalen Öffentlichkeit zu treten. Aber auch ohne „World Cup“ hätte das Land unter Emir Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani seine Modernisierungsbemühungen unbeirrt fortgesetzt. Bereits 2003 begannen intensive Diskussionen über eine langfristige Entwicklungsstrategie. Als Ergebnis wurde dann 2008 die „Qatar National Vision 2030“ präsentiert.

Fußball-WM ist Katalysator

Der „World Cup“ führt nun zu einer Beschleunigung des Entwicklungstempos, insgesamt 150 Milliarden US-Dollar sollen bis 2022 investiert werden. Es dürfte aber kaum gelingen, die lange Liste der Vorhaben im angestrebten Zeitrahmen voll zu realisieren, schreibt gtai.. Auch müsste mit zahlreichen Planungsänderungen gerechnet werden. Der Gulf Projects Index des Middle East Economic Digest (MEED) gibt den Wert der in Katar aktuell geplanten oder bereits laufenden Projekte mit 220 Mrd. US-Dollar an.

Parallel zum BIP ist 2011 das Pro-Kopf-Einkommen sprunghaft von 74.246 auf 100.032 US-Dollar gestiegen, so die Zahlen der katarischen Zentralbank. Damit ist das Emirat weltweit an der Spitze. Extrem sei jedoch auch die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung. Das Einkommen konzentriert sich in den Händen der weniger als 40.000 katarischen Haushalte mit geschätzten 0,24 Millionen Familienmitgliedern.

Nur geringer Bevölkerungszuwachs

Zur Jahresmitte 2012 wurde die Bevölkerung in Katar auf 1,72 Millionen geschätzt. Dies wäre gegenüber dem Vorjahr ein ungewöhnlich niedriger Zuwachs und ein Hinweis darauf, dass die Bauaktivitäten 2011 noch nicht wesentlich expandiert sind. Der seit 2004 sehr starke Bevölkerungszuwachs spiegelt vor allem den Gastarbeiterzustrom aus Asien (Indien, Pakistan etc.). Im Bausektor waren 2011 rund 0,5 Mio. der insgesamt 1,3 Mio. ausländischen Beschäftigten tätig.

Die große Mehrheit (75 Prozent beziehungsweise rund 1 Million) der nicht-katarischen Arbeitskräfte ist in zumeist sehr einfachen Massenunterkünften untergebracht, der Zensus von 2010 gibt die in „Labor Camps“ lebende Bevölkerung mit 920.000. an. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Lagerbevölkerung dürfte unter 5.000 US-Dollar liegen. Die Gruppe der 500.000 Ausländer in eigenen Haushalten ist äußerst heterogen. Das Spektrum reicht von Gastarbeiterfamilien in Wohnungen mit niedrigem Standard bis zu westlichen Experten mit sechsstelligen Gehältern.

92 Prozent der Locals arbeiten in Regierungsbehörden

Offiziellen Daten zufolge gehörten 2011 insgesamt 1,27 Millionen Personen zur Erwerbsbevölkerung, darunter nur 74.680 beziehungsweise weniger als sechs Prozent Katarer. Die „Locals“ werden zu etwa 92 Prozent in Regierungsorganisationen und -firmen beschäftigt und beziehen dort stolze Gehälter. Vor dem Hintergrund des „Arabischen Frühlings“ wurde 2011 den im Staatssektor beschäftigten Katarern vorbeugend eine Erhöhung ihrer bereits üppigen Bezüge um rund 60 Prozent gewährt. Die in der Privatwirtschaft arbeitenden acht Prozent Katarer machen weniger als ein Prozent der Beschäftigten des nicht-staatlichen Sektors aus.

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