Interkulturelle Kompetenz immer häufiger gefordert

Interkulturelle Fähigkeiten gewinnen nach der Privatwirtschaft auch im schulischen und universitären Umfeld zunehmend an Bedeutung. Vorschub erhält der Bedarf an diesen Kompetenzen zudem durch den steigenden Anteil von Migranten an den Schulen – die kulturelle Vielfalt bietet großes Übungspotenzial.Das berichtet das Portal migazin.de (Migration in Germany).

Dass die Schulung interkultureller Kompetenz insgesamt viel ernster genommen wird als etwa noch vor zehn Jahren, liege einerseits daran, dass Interkulturalität heute anders wahrgenommen und verstanden wird und andererseits, dass die veränderte Sichtweise in der Gesellschaft, Politik und Erziehungswissenschaft sich auch in der Lehreraus- und -fortbildung niederschlage. Zudem sei die Notwendigkeit einer interkulturellen Kompetenz von Lehrkräften immer dringlicher, da es immer mehr Schüler mit Migrationshintergrund in Deutschland gibt. Experten fordern deshalb sogar, die Schulung dieser Kompetenzen in jede Lehramtsausbildung zu integrieren.

Arbeitgeber fordern Auslandserfahrung von Absolventen

Auch im universitären Bereich ist das Thema interkulturelle Kompetenz bereits angekommen: An fünfzehn Universitäten in Deutschland wird das Studienfach angeboten. Viele Institute organisieren Kurse und Workshops zu diesem Thema. An anderen Hochschulen wird wiederum das Fach „Interkulturelles Management“ unterrichtet, schreibt migazin.de. So sei die individuelle Motivation der Studenten, ihre interkulturellen Kompetenzen weiterzuentwickeln, sehr hoch, da viele potenzielle Arbeitgeber zunehmend Auslands- und interkulturelle Erfahrung bei Bewerbern voraussetzen.

Drei Dimensionen der interkulturellen Kompetenz

Interkulturelle Fähigkeiten setzt sich Experten zufolge aus drei wesentlichen Dimensionen zusammen. Zum einen gibt es die kognitive Ebene: „Diese besteht beispielsweise aus dem erworbenen Wissen um eigen-, fremd- und interkulturelle Prozesse sowie aus der Fähigkeit, sich und sein Handeln selbst in Frage zu stellen“, erläutert Barbara Heyken, interkulturelle Trainerin beim Bund der Auslands-Erwerbstätigen (BDAE) e.V..

Zum anderen spielt die verhaltensbezogene Dimension eine ebenso wichtige Rolle. In dieser Ebene befinden sich unter anderem der Wille und die Fähigkeit zu kommunizieren, Konfliktlösungsstrategien sowie Vertrauen zu fremdkulturellen Interaktionspartnern aufbauen zu können. „Das bedeutet, wer bereits hierzulande große Schwierigkeiten hat, sich in ein Team zu integrieren oder dieses zu führen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit in einem asiatischen Arbeitsumfeld noch größere Probleme bekommen“, pointiert Heyken. Ähnliches gilt für die dritte, die affektive, Dimension. Diese beschreibt individuelle Eigenschaften wie Empathie, Vorurteilsfreiheit und Offenheit gegenüber anderen Kulturen sowie die interkulturelle Lernbereitschaft.

Interkulturelle Fähigkeiten sind trainierbar

Anbieter von Interkulturellem Training zielen darauf, bei den Teilnehmern diese drei Dimensionen herauszuarbeiten und für Unterschiede zwischen einzelnen Nationalitäten zu sensibilisieren. Die Philosophie eines solchen Trainings: Interkulturelle Kompetenz muss niemanden in die Wiege gelegt worden sein, sie ist für jeden erlernbar.

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