„Die internationale Arbeitswelt steht vor einem historischen Umbruch“

Weltweite unternehmerische Aktivitäten erfordern flexibles und gut ausgebildetes Personal, das auch international einsetzbar ist. EXPAT NEWS sprach mit Norman Sterz, Geschäftsführer der spezialisierten Jobvermittlungsagentur Departer, über Gegenwart und Zukunft eines globalisierten Arbeitsmarkts.

EXPAT NEWS: Wie ist die Idee entstanden, ein Unternehmen zu gründen, das vorrangig Jobs im Ausland vermittelt?

Sterz: Wir haben in den vergangen zwölf Jahren zahlreiche Personalvermittlungen für deutsche Unternehmen am heimischen Arbeitsmarkt realisiert. Die Nachfrage zu Stellenangeboten im Ausland ist stark gestiegen und da unsere Kunden oftmals weltweit mit Niederlassungen vertreten sind, lag es nahe, Departer zu gründen. Unser Konzept Arriver sorgt wiederum dafür, dass wir den Kreislauf für alle Beteiligten bestmöglich schließen können, indem wir Rückkehrern aus dem Ausland heraus Optionen am deutschen Arbeitsmarkt anbieten. Unsere Firmenkunden profitieren umgekehrt von den Auslandserfahrungen unserer qualifizierten Bewerber. Diese sind heutzutage oftmals ein ebenso wichtiger Baustein wie eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium. Beides zusammen qualifiziert die Mitarbeiter aufgrund der interkulturellen Kompetenzen sowie der sehr guten Kenntnisse der englischen oder anderer Sprachen.

EXPAT NEWS: Wie viele internationale Jobangebote haben Sie durchschnittlich im Monat und wie beziehen Sie die Stellenanzeigen von den Unternehmen?

Sterz: Durch unseren Hauptsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten und durch die damit verbundene Möglichkeit, zahlreiche namhafte Unternehmen unmittelbar kontaktieren zu können, generieren wir ständig neue Jobangebote. Dubai ist nach wie vor ein hochinteressanter Arbeitsmarkt mit vielen Chancen. Durch Kooperationen und die Betreuung unserer Kunden auch an anderen internationalen Standorten bauen wir unser Netzwerk kontinuierlich aus. Darüber hinaus wird unsere fokussierte Dienstleistung häufig weiterempfohlen.

EXPAT NEWS: Welche Länder sind Ihrer Erfahrung nach besonders beliebt? Kann man einen Zukunftstrend für bestimmte Regionen erkennen?

Sterz: Aktuell erschließen wir beispielsweise die Arbeitsmärkte in Australien und auch in Teilen Asiens sowie Südamerikas. Dort ist die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern ungebrochen stark und die zum Teil sehr hohe Lebensqualität vor Ort übt einen zusätzlichen Reiz auf Auswanderer und Expats aus. Klassische Auswandererländer wie die Schweiz oder die USA und Kanada sind bei den meisten Arbeitsuchenden nach wie vor sehr beliebt. Der Trend geht jetzt aber verstärkt Richtung Asien und Ozeanien. Außerdem kehren viele junge Menschen nach dem Studium in ihre Heimatländer zurück. Dies gilt insbesondere für deutsche Absolventen, die in Polen oder Russland gearbeitet haben, wo es tolle Jobmöglichkeiten gibt.

EXPAT NEWS: Wo werden Fachkräfte welcher Branche am meisten gesucht?

Sterz: Die Fachkraft aus Deutschland erfreut sich grundsätzlich ungebremst großer Beliebtheit in anderen Teilen der Welt. Vor allem in Australien sind Ingenieure aus dem Maschinenbau und der Elektrotechnik sowie Techniker etwa im Bereich des Flugzeugbaus sehr begehrt. In der Schweiz ist die Nachfrage nach IT-Spezialisten ungebrochen.

EXPAT NEWS: Welche Gründe bewegen die Personen, ins Ausland zu gehen? Haben sich diese im Laufe der Jahre geändert?

Sterz: Für junge Leute ist der Wunsch nach längeren Auslandsaufenthalten oft bereits während des Studiums oder nach der Ausbildung ein großes Thema. Für viele Arbeitgeber in Deutschland ist Auslandserfahrung geradezu obligatorisch und interkulturelle Kompetenz spielt eine immer größere Rolle, da die Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen oft international geprägt ist. Eine Tätigkeit im Ausland ist auch finanziell oft sehr reizvoll und die Möglichkeit dort leben zu können, wo andere Urlaub machen, bewegt viele Menschen ins Ausland. Die Welt ist insgesamt kleiner geworden und der Schritt fällt leichter. Früher waren es oftmals abenteuerlustige, unabhängige Menschen, die den Weg in die Ferne gesucht haben. Heute sind es auch etliche Familien, die andernorts ihre Träume realisieren wollen.

EXPAT NEWS: Wie gestaltet sich der Beratungsprozess bei Unternehmen, die Fach- und Führungskräfte für das Ausland suchen und wie funktioniert dieser umgekehrt für Jobsuchende?

Sterz: Wir legen großen Wert auf die persönliche Beratung. Da unser Kundenstamm zum größten Teil aus deutschen Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland besteht, können wir in Deutschland mit den Personalentscheidern über deren Kernpunkte des Jobprofils sprechen. Nachdem wir eine detaillierte Stellenbeschreibung erhalten haben, suchen wir gezielt in weltweiten Netzwerken nach geeigneten Kandidaten und nutzen unsere speziell entwickelte Onlinedatenbank für die Kommunikation zwischen Arbeitsuchenden, den Unternehmen und uns. Wir wissen, wo unsere Bewerber arbeiten möchten und informieren alle registrierten Kandidaten sofort, wenn es am Wunschort eine passende Vakanz zu besetzen gibt.

EXPAT NEWS: Ist das Bewerbungsverfahren im Ausland anders? Gibt es unterschiedliche Anforderungen je nach Land?

Sterz: Es ist im Ausland oftmals nicht üblich, sofort alle Zeugnisse einzureichen. Man arbeitet mit internationalen Lebensläufen, die auf einen Blick sowohl den bisherigen detaillierten Karriereverlauf als auch in wenigen Sätzen die für einen persönlich formulierten Ziele für den neuen Job wiedergeben. Es handelt sich im Vergleich zu Deutschland im Grunde um den strukturierten Aufbau eines Anschreibens in Kombination mit den Karriere- und den persönlichen Daten.

Kandidaten geben Referenzen an, die auf Wunsch kontaktiert werden können oder nachgereicht werden. In manchen Ländern, beispielsweise in den USA, sind Fotos unüblich. Wir fragen auf unserer Internetplattform bei der Registrierung nach allen für eine Auslandstätigkeit wichtigen Fakten und generieren dann für unsere Bewerber ein Profil aus den vorhandenen Daten, die unseren Kunden einen detaillierten Überblick über die Qualifikationen und alle anderen wichtigen Kriterien ermöglicht.

EXPAT NEWS: Welche grundlegenden Tipps können Sie Unternehmen, die Personal für Auslandsaktivitäten suchen, in diesem Zusammenhang geben?

Sterz: Die Firmen, die voraussichtlich kontinuierlich in einem gewissen Umfang nach Personal für ihre weltweiten Standorte suchen, sollten innerhalb der Personalabteilung Mitarbeiter beschäftigen, die auf internationale Rekrutierungsprozesse spezialisiert sind. Wir halten die direkte Zusammenarbeit zwischen internen Spezialisten mit externen Beratern grundsätzlich für die erfolgversprechendste Lösung, um passende Neueinstellungen zu realisieren. Es gibt zahlreiche Gesellschaften, die eigene Webportale zur Personalbeschaffung einsetzen. Dort bewerben sich jedoch oft nur die Personen, die gerade zu dem Zeitpunkt nach einem neuen Job suchen müssen. Den größten Erfolg erzielt man unserer Meinung nach durch aktives Zugehen auf potenzielle Kandidaten, die gar nicht mit einer derzeit vorhandenen Option bei den dann präsentierten Arbeitgebern gerechnet hätten.

EXPAT NEWS: Was empfehlen Sie Suchenden?

Sterz: Die Informationsflut im Internet verhindert teilweise leider das direkte Aufeinandertreffen von passenden Bewerbern mit interessierten Arbeitgebern. Wer Arbeit im Ausland sucht, sollte unbedingt mit seriösen Agenturen kooperieren, die das Profil bei Eignung in den meisten Fällen direkt den Personalentscheidern vorlegen. Wenn der Lebenslauf durch einen externen Berater beim Unternehmen eingereicht wird, dann ist es wahrscheinlich, dass das Profil im Verhältnis zu einer Massenbewerbung größtmögliche Beachtung findet und relativ schnell eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch folgen wird.

EXPAT NEWS: Mit welchen Schwierigkeiten sehen sich Rückkehrer nach Deutschland beim Wiedereintritt in den deutschen Arbeitsmarkt konfrontiert?

Sterz: Die Rückkehr an sich gestaltet sich insgesamt meist problemlos – je nach den individuellen Lebensumständen und Gründen für die Rückkehr. Bereits aus dem Ausland heraus einen neuen Job in Deutschland zu finden, kann für Bewerber allerdings schwierig sein, da oft weder ausreichend Zeit vorhanden ist, noch jeder sofort für ein Gespräch vor Ort zur Verfügung stehen kann. Wir empfehlen dringend, entsprechende Zeugnisse von Arbeitgebern im Ausland erstellen und diese übersetzen und beglaubigen zu lassen. Es gibt nach wie vor Personalabteilungen, die einen Lebenslauf mit Auslandsaufenthalt ohne stichhaltige Beschreibung und entsprechende Bestätigung nicht auf den Prioritäten-Stapel platzieren werden. Es kommt oft dazu, dass viele Rückkehrer nicht an den Ort heimkehren können, den sie zuvor verlassen haben, sondern sich an den verfügbaren Arbeitsplätzen orientieren müssen.

EXPAT NEWS: Wie wird sich das Arbeitsleben der Europäer und Deutschen in Zukunft gestalten? Gibt es plausible Szenarien?

Sterz: Das ist eine sehr spannende Frage. In den vergangenen Jahren hat es bereits zahlreiche Veränderungsprozesse innerhalb der Arbeitswelt gegeben und wir befinden uns eindeutig in einem vielleicht historischen Umbruch. Die Phase der Industrialisierung hat ganz spezielle Arbeitsplätze erschaffen und für Wohlstand und eine gewisse Arbeitsplatzsicherheit gesorgt. Der technische Fort- schritt und die so genannte Globalisierung sorgen jetzt in einem zum Teil rasanten Tempo dafür, dass Berufs- bereiche wie zum Beispiel das produzierende Gewerbe sich zunehmend zu einem eher unbedeutenden Sektor entwickeln wird und andere Bereiche wie der Dienstleistungssektor weiterhin einen starken Anstieg verzeichnen können.

Wir müssen uns mit immer schneller entstehenden technologischen Veränderungen und den damit verbundenen Chancen intensiv beschäftigen und deren Potenziale erkennen. Dazu gehört, dass wir jungen Menschen eine Berufsausbildung ermöglichen, die mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit in Zukunft einen Arbeitsplatz garantieren kann. Ständiges Lernen und das Loslassen von altbewährten Arbeitsmustern sind für Mitarbeiter unerlässlich, die zurzeit noch in den Branchen tätig sind, die einen starken Rückgang zu erwarten haben.

EXPAT NEWS: Das heißt?

Sterz: Als Beispiel für die vergangenen Jahre kann man sehr gut die Tatsache anführen, dass das Aneignen von englischen Sprachkenntnissen heutzutage in einer globalen Welt einen immensen Vorteil mit sich bringt. Es gibt Szenarien, die eindeutig besagen, dass die Mehrheit in Zukunft in ihrem Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei absolut unterschiedliche Tätigkeiten ausüben wird. Eine große Rolle wird die weitere Entwicklung der EU spielen, da abzuwarten bleibt, wie die sozialen Systeme in Zukunft ineinander greifen werden und ob es gelingt, Bildungssysteme und soziale Komponenten so zu manifestieren, dass Chancen am Arbeitsmarkt gezielt genutzt werden können.

Mehr Informationen über departer:

www.departer.de

www.arriver.de