Vor allem höher Qualifizierte entscheiden sich für das Auswandern.
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Vor allem hoch Qualifizierte sind international mobil

Migration zwischen den Industriestaaten ist ein wichtiger Bestandteil globaler Wanderungsbewegungen. Mehr als 45 Millionen Menschen aus den 36 OECD-Staaten leben derzeit in einem anderen Mitgliedstaat der OECD. Vor allem qualifizierte Arbeitskräfte wandern aus. Und viele von ihnen kommen aus Deutschland.

Das geht aus einem Policy Brief der des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung hervor. Die darin vorgestellte German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS) beleuchtet die Lebensläufe von Deutschen, die ausgewandert oder nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind. Einen reinen Verlust qualifizierter Arbeitskräfte für Deutschland bestätigt die Studie nicht. Denn ein Großteil der Auswanderer kehrt bereits nach wenigen Jahren wieder zurück.

In OECD-Staaten lebende Auswanderer nach ihren Herkunftsländern

Grafik: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; Mihai Tufa

Auswanderer häufig hoch qualifiziert

Die GERPS-Studie zeigt unter anderem: Menschen, die sich für einen Umzug ins Ausland entscheiden, sind überdurchschnittlich qualifiziert. So haben 76 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Deutschen einen Hochschulabschluss. Dagegen liegt in der Gesamtbevölkerung der Vergleichswert für diese akademischen Abschlüsse bei nur 25 Prozent.

Die Entscheidung für den Umzug ins Ausland ist normalerweise mit der Erwartung eines verbesserten Lebensstandards verbunden. Und diese Erwartung wird nicht enttäuscht. Schließlich kann ein Großteil der Auswanderer seine ökonomische Situation durch den Umzug beträchtlich verbessern. Laut Studie steigt der persönliche monatliche Nettoverdienst von Vollzeitbeschäftigten im Vergleich zwischen den letzten Monaten vor der Auswanderung und dem Zeitpunkt der Befragung im Ausland – etwa zwölf Monate später – um durchschnittlich 1.186 Euro deutlich an.

Internationale Mobilität kann soziale Mobilität erhöhen

Auslandsaufenthalte haben einen positiven Einfluss auf den individuellen beruflichen Werdegang und die soziale Mobilität. Nettoverdienste steigen bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen. Zwar haben grundsätzlich haben unterschiedlich qualifizierte Arbeitskräfte auch unterschiedliche Nettoverdienste. Ein Auswanderer mit einem universitären Master- bzw. Diplomabschluss hatte vor dem Umzug ins Ausland einen beinahe doppelt so hohen Nettoverdienst wie eine vergleichbare Person ohne akademischen Berufsabschluss. Der Umzug ins Ausland führt allerdings bei beiden zu einem vergleichbaren Anstieg der Nettoverdienste. Somit profitieren Nicht-Akademiker, bezogen auf ihr vorheriges Lohnniveau, von internationaler Mobilität sogar noch deutlicher als Akademiker. Allerdings: Es sind ohnehin vor allem höher Qualifizierte, die sich für einen Umzug ins Ausland entscheiden.

Geschätzter Netto-Verdienstanstieg bei Auswanderern

Grafik: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; Mihai Tufa

Mehrfach im Ausland – und häufig beruflich motiviert

Unter den Zielländern sind die Länder der Europäischen Union (45 Prozent der befragten Auswanderer) und die Schweiz als unmittelbarer Nachbarstaat (13 Prozent) klare Favoriten. Dabei ist internationale Mobilität für die meisten Befragten ein sich wiederholendes Ereignis. Schließlich ist für 63 Prozent der Ausgewanderten dem jetzigen Auslandsaufenthalt mindestens ein weiterer Aufenthalt vorangegangen. 69 Prozent planen, nur für einige Jahre im Ausland zu leben.

Frauen und Männer entscheiden sich in ungefähr gleichem Maß für einen Umzug ins Ausland. Doch innerhalb einer Partnerschaft sind es eher Männer, die den Ausschlag für die Auswanderung geben. Insgesamt haben für 58 Prozent der befragten Auswanderer eigene berufliche Gründe eine große Rolle gespielt und für weitere 29 Prozent der Beruf des Partners bzw. der Partnerin.

Für die Hälfte der befragten Frauen ist der eigene Beruf ein wichtiges Motiv und für 37 Prozent der Beruf des Partners. Für 65 Prozent der Männer ist der eigene Beruf entscheidend, aber für nur 21 Prozent ist der Beruf der Partnerin ein wichtiges Motiv für den Umzug ins Ausland.

Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung / German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS)