Schulpflicht
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So unterschiedlich sind Schulpflicht und -traditionen in der Welt

Die deutsche Schulpflicht ist ein nahezu einzigartiges Konzept. Bereits mit einem Blick auf den Rest Europas wird klar, dass es den Zwang, die Schule tatsächlich aufzusuchen, so kaum gibt. Stattdessen bestehen oft Vorgaben, auf welche Inhalte Kinder vorbereitet werden müssen oder bis zu welchem Alter sie in irgendeiner Form Bildung genießen sollten. Doch wie sieht es mit der Bildungspflicht außerhalb Europas aus? Das sollten Expats wissen.

Die Schulzeit scheint ein so zentraler Bestandteil des Lebens zu sein, dass deutsche Auswanderer sich nicht immer vorstellen können, wie einige Gegenden auf der Welt völlig auf das Modell verzichten. Länder wie Uganda arbeiten seit Jahren daran, zu den europäischen Modellen aufzuschließen und eine dreizehnjährige Schullaufbahn für alle Bevölkerungsschichten durchzusetzen. Doch längst nicht überall in der Welt ist die Beschulung möglich und üblich.

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Arbeit statt Schulbesuch

Mit dem Schulranzen am Morgen Richtung Schule laufen und schließlich den eigenen angestammten Sitzplatz zur ersten Stunde einnehmen? Für 264 Millionen Kinder weltweit ist das nur ein Traum. Wie die UNESCO Global Education Monitoring Report herausfand, geht in vielen Ländern noch immer die Wirtschaftlichkeit vor. Bereits sehr junge Kinder sollen lieber Eltern und Verwandten zur Hand gehen und einen Beruf ergreifen, statt ihre Zeit in Schulen abzusitzen. Das beeinflusst auch die Alphabetisierung weltweit negativ.

Einige Länder wie der Iran und Afghanistan, aber auch aktuelle Kriegsregionen wie Syrien und der Irak schnitten bei den Untersuchungen schlecht ab, während afrikanische Staaten über die letzten Jahrzehnte langsam aufholen konnten. Besonders Mädchen waren davon betroffen, keine Schule besuchen zu dürfen. In Afghanistan waren es zuletzt 60 Prozent der Mädchen, die keinerlei Schulbildung erhielten. Wo es keine Schulpflicht gibt, bleibt nur der Einfluss der Familie auf die Eltern, ihrem Kind Bildung zu ermöglichen. Dabei stehen auch hohe Schulkosten im Weg.

Der Schulranzen als weltweites Symbol

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Überall dort, wo sich der Schulbesuch durchgesetzt hat, auch ohne Schulpflicht, sind Kinder besonders stolz auf ihre bunten, großen Schulranzen. Ob auf den Philippinen, in Kenia oder in Nicaragua, überall auf der Welt tragen Kinder so ihre Schreibhefte, Stifte und Bücher in die Schule und zurück nach Hause.

Auch der Schulalltag, sofern es ein Gebäude gibt, ähnelt in Ländern mit funktionierendem Bildungsprogramm dem Alltag der deutschen Schülerinnen und Schüler. Mit Schultagen ab 7 Uhr und teils bis in den Nachmittag hinein kommen Kinder überall auf der Welt auf ihre bis zu 40 Stunden Schule pro Woche. In Gegenden, in denen es besonders heiß ist, werden die Zeiten oft verkürzt oder am Abend fortgeführt, um die Kinder zu schonen.

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Wie sinnvoll ist die Schulpflicht?

Während sich bei einer allgemeinen Schulpflicht wohl nahezu alle Eltern weltweit einig würden, dass die Beschulung ihrer Kinder eine gute Sache ist, sind die Fronten in Sachen Präsenzpflicht verhärtet. In den USA besuchten rund 2,3 Millionen Kinder im Jahr 2016 laut NHERI keine Schule, sondern nutzten die Möglichkeiten des Home Schooling durch die eigenen Eltern oder externe Lehrer.

Die Frage, inwiefern der Sozialkontakt zu anderen Kindern in der Schulzeit zur persönlichen Charakterbildung beiträgt, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist nur: Bildung ist weltweit ein hohes Gut, das immer öfter angeboten und genutzt wird.

Die Autorin:

Silke Fröhlich ist ausgebildete Journalistin und hat lange bei einer überregionalen Tageszeitung gearbeitet. Seit der Geburt ihres heute zehnjährigen Sohnes Fabio widmet sie sich seiner Erziehung und schreibt freiberuflich rund ums Thema Familie.

Nebenbei ist sie ehrenamtlich in mehreren pädagogischen Organisationen tätig, wo sie einerseits ihre Expertise einbringt und andererseits ständig Neues lernt, das sie wiederum in ihre Arbeit einfließen lässt.