Burn-out
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Volkskrankheit Burn-out: Osteuropäer besonders betroffen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkennt künftig den Burn-out als Krankheit an. In den überarbeiteten internationalen klinisch-diagnostischen Leitlinien, dem ICD-11, der 2022 erscheint, definiert sie Burn-out erstmals als Syndrom, dessen Ursachen in übermäßiger Belastung am Arbeitsplatz zu suchen sind, berichtet das Deutsche Gesundheitsportal. Wie verbreitet ist die Krankheit in Europa?

Nach dem Stada Gesundheitsreport 2019 sind Osteuropäer besonders betroffen. Dort geben die meisten an, dass sie Burn-out-Symptome aus eigener Erfahrung kennen oder selbst schon einen Burn-out hatten. 72 Prozent der Russen, 66 Prozent der Serben und 62 Prozent der Polen hatten schon derartige Probleme. Belgier, Briten, Spanier und Italiener sind ähnlich häufig betroffen wie Deutsche – zwischen 49 und 52 Prozent von ihnen hatten nach eigenen Aussagen selbst schon einen Burn-out, das Gefühl kurz davor zu stehen oder kennen die Symptome aus eigener Erfahrung. Am seltensten betroffen sind Franzosen mit 44 Prozent.

35- bis 49-Jährige besonders Burn-out gefährdet

In Deutschland sind jüngere Menschen öfter von Burn-out geplagt als Ältere, das gilt insbesondere für 35- bis 49-Jährige. Also die Altersgruppe, die am häufigsten Kinder und Beruf unter einen Hut bringen muss. 15 Prozent von ihnen gibt an, schon einen Burn-out gehabt zu haben. Weitere 14 Prozent sagen, sie fühlen sich oft als stünden sie kurz davor und 26 Prozent hatten schon das Gefühl von Burn-out-Symptomen. Außerdem sind Frauen in Deutschland tendenziell eher gefährdet als Männer, gehen gleichzeitig aber auch offener mit psychischen Problemen um: Sie halten die steigenden Burn-out-Zahlen öfter für ein ernstes Alarmsignal (70 zu 63 Prozent) und sagen öfter, dass man sich für einen Besuch beim Psychiater natürlich nicht schämen müsse (53 zu 43 Prozent).

Besuch beim Psychiater

Und wie viele Deutsche waren selbst schon beim Psychiater oder Psychologen? Insgesamt 19 Prozent, also immerhin jeder Fünfte. Damit ist Deutschland Spitzenreiter in Europa. Nur Belgien (16 Prozent) und Spanien (15 Prozent) weisen hier ähnlich hohe Werte auf. In Serbien, Polen und Russland hingegen waren nur jeweils vier bis sieben Prozent schon beim Psychiater, obwohl es hier die meisten Burn-out-Fälle gibt. Gleichzeitig sagen die Deutschen aber auch am häufigsten, dass man für eine Therapie abgestempelt werden würde. In der Bundesrepublik denken 15 Prozent so, in Italien und Spanien zum Beispiel nur sechs bzw. acht Prozent.

Arbeitgeber in der Pflicht?

Viele der Befragten halten die steigenden psychischen Krankheitsfälle auch für ein Problem der modernen Arbeitswelt. Besonders die Deutschen sehen Arbeitgeber in der Pflicht zur Gesundheitsprävention. 40 Prozent fordern Workshops zur Burn-out-Prävention im Vergleich zum europäischen Durchschnitt von 32 Prozent. 55 Prozent möchten Überstunden fair ausgeglichen haben, um Stress zu verhindern im Vergleich zum europäischen Durchschnitt von 41 Prozent.

Über den STADA Gesundheitsreport 2019

Für den STADA Gesundheitsreport 2019 wurden 18.000 Menschen europaweit befragt. Es nahmen jeweils rund 2.000 Menschen aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Polen, Russland, Serbien, Spanien und dem Vereinigten Königreich an der Befragung teil.