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Brexit: Mehrheit der Deutschen äußert sich gegen den Austritt Großbritanniens

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist gegen den Brexit. Ein Großteil würde Großbritannien nach einem Brexit wieder aufnehmen, aber unter härteren Bedingungen. Das hat eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstitut SPLENDID RESEARCH ergeben. 

Im Januar 2019 hat das Institut im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 1.006 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren online zu ihrer Einstellung zur Europäischen Union (EU) und zum Brexit befragt. In der Studie wurde untersucht, welche positiven und negativen Aspekte die EU mit sich bringt und unter welchen Bedingungen Großbritannien nach dem Brexit wieder in die EU aufgenommen werden sollte.

Brexit: Mehrheit der Deutschen äußert sich gegen den Austritt Großbritanniens

EU bringt für die meisten Vorteile

Fragt man die Bundesbürger nach ihrer Haltung zur Europäischen Union, dann sind nahezu 60 Prozent Befürworter der Staatengemeinschaft. Demgegenüber steht ein Drittel der Deutschen, die die EU negativ bewertet. Weitere elf Prozent sind sich uneins. Bei Abfrage von Aspekten, die durch die EU ermöglicht werden, gibt es überwiegend positive Bewertungen. So sind freies Reisen, Arbeiten in anderen EU-Ländern als auch der freie Waren- und Dienstleistungsverkehr besonders willkommene Effekte. Auch die gemeinsame Währung wird von zwei Dritteln der Bürger als positiv angesehen. Lediglich die Auswirkungen der EU auf die Landwirtschaft werden von weniger als der Hälfte positiv beurteilt. Das Gefühl von Freiheit tauche bei den Befürwortern immer wieder auf und ist ihr gemeinsamer Nenner, so das Institut.

Beim Brexit gibt es eine klare Meinung unter den Deutschen: 64 Prozent bewerten den EU-Austritt von Großbritannien negativ, 28 Prozent befürworten ihn und acht Prozent sind indifferent. Betrachtet man die Meinung von EU-Kritikern, zeigt sich wiederum kein klares Meinungsbild: 43 Prozent der EU-Ablehner sprechen sich für einen Brexit aus, während 49 Prozent einen Austritt kritisch sehen.

Negative Folgen für beide Länder

Die Mehrheit der Bundesbürger sieht im Brexit vor allem negative Folgen für Wirtschaft, politische Lage und Zusammenleben, sowohl für Großbritannien als auch für die übrigen Mitgliedsstaaten.

Wenig verwunderlich sei daher, dass mit 85 Prozent ein Großteil der Deutschen Großbritannien wieder in die EU aufnehmen würde. Allerdings verlangen die Befragten dann überwiegend schärfere Bedingungen: Knapp die Hälfte der Bundesbürger würde bei einem Wiedereintritt die Anwendung gleicher Regelungen wie bei Neumitgliedern verlangen. Jeder sechste Deutsche würde sogar härtere Auflagen erwarten. Lediglich gut jeder Dritte wäre mit der Anwendung derselben Regeln wie vorher einverstanden.

Auch bei der zweiten Abstimmung über Alternativem zum von Theresa May ausgehandelten Brexit-Abkommen hat das britische Unterhaus kein Ergebnis erzielt. Zur Debatte standen gestern vier Vorschläge – keiner bekam die Mehrheit. Damit ist nun weiterhin offen, wann und wie der Brexit stattfinden wird.

Deutschen gehen von einer Aufschiebung der Brexit-Entscheidung aus

Einigt sich das britische Parlament auch in den kommenden Tagen nicht auf ein Abkommen, dann droht ein ungeordneter Brexit zum 12. April. Andernfalls könnte der EU-Austritt auch auf längere Zeit verschoben werden, dann müssten die Briten an der Europawahl am 23. Mai teilnehmen.

Die Mehrheit der Deutschen hält diese Entwicklung laut einer aktuellen Umfrage des ZDF für wahrscheinlich. 73 Prozent der Befragten denken demnach, dass die Brexit-Entscheidung weiter aufgeschoben werden wird. Nur 7 Prozent glauben noch an einen geordneten Brexit. Einen ungeordneten Brexit halten 14 Prozent der Deutschen für wahrscheinlich. Gut fände die Mehrheit der Befragten eine weitere zeitliche Aufschiebung aber nicht. Nur jeder Vierte (25 Prozent) würde dies begrüßen, 67 Prozent fände dies jedoch „schlecht“, wie die Statista-Grafik zeigt.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betonte am Sonntag, dass die Geduld mit der britischen Regierung bald zu Ende sei: „Wir wissen jetzt, was das britische Parlament nicht will“, sagte er gegenüber dem talienischen Sender Rai1. „Was es aber will, haben wir noch nicht in Erfahrung gebracht.“

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