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Anne und Sebastian von SunHelp International e.V.

„Die Armut wird ein Stück des Reisealltags“

2016 haben Anne Duchstein und Sebastian Haffner ihre gut bezahlten Jobs gekündigt, um ortsunabhängig auf der ganzen Welt zu arbeiten. Dabei haben sie ein besonderes Projekt im Gepäck, mit dem Ziel mindestens 100 Solaranlagen in die Welt zu bringen und Menschen die Nutzung von Elektrizität zu ermöglichen, die bisher komplett ohne Strom lebten. Wie die Idee dazu entstanden ist und wie ihr Nomadenleben die Beiden verändert hat, erzählen sie im Interview.

EXPAT NEWS: Was genau war die Initialzündung für dieses Projekt?

Anne: Die Ideen zur Weltreise und zum Solarsystem sind tatsächlich separat entstanden. Sebastian ist beruflich auf das Thema Solarenergie spezialisiert. Bereits 2014 haben wir den gemeinnützigen Verein SunHelp International e.V. gegründet, um Hilfsprojekte rund um Solarenergie und nachhaltige Energieversorgung in Entwicklungsländern zu realisieren.

Sebastian: Ich habe während meines Jobs in einer Beratungsfirma für alternative Energien schlechte Erfahrungen in punkto Entwicklungszusammenarbeit gemacht und hatte das Bedürfnis, etwas auf die Beine zu stellen, das den Menschen, das was sie am dringendsten brauchen, tatsächlich direkt zugutekommt.

EXPAT NEWS: Was war das für eine Erfahrung?

Sebastian: Mich hatte ein Kunde angesprochen, der in Kenia eine Solaranlage im Waisenhaus errichten wollte – eigentlich eine sehr gute Sache. Allerdings stellte sich heraus, dass die Kontakte vor Ort nicht vertrauenswürdig waren. Die deutschen Ansprechpartner wollten sich im Grunde das Geld in die eigene Tasche stecken. Das war sehr frustrierend und ein paar Tage war ich wirklich richtig deprimiert. Also überlegte ich, was man besser machen kann. Meine Erkenntnis aus diesem Erlebnis war, dass man die Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit selber kontrollieren können muss, damit 100 Prozent der Spenden in das Projekt gehen.

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Sebastian freut sich, wenn die Solaranlage funktioniert und das Licht angeht.

Das erste Solarprojekt des Vereins auf den Philippinen habe ich noch von zu Hause aus organisiert. Anne hatte dann aber die Idee, das Reisen und die Projektarbeit miteinander zu kombinieren. So konnten wir uns noch besser damit identifizieren und unsere Weltreise bekam eine neue Sinnhaftigkeit. Wir sind alles sehr intuitiv angegangen, ohne zu wissen, was eigentlich auf uns zukommt.

„Wir arbeiten nur mit etablierten Hilfsorganisationen zusammen“

EXPAT NEWS: Inzwischen habt ihr aber bereits alleine – also ohne Unterstützung eures Vereins – 82 Solaranlagen installiert. Wie habt ihr diese Idee schlussendlich umgesetzt?

Anne: Die größte Herausforderung war es, die Strukturen, die dafür nötig sind, aufzubauen. Wir informieren uns darüber, wo es Menschen gibt, die ohne Strom sind, die aber einen hohen Bedarf haben. Dank der Statistik der Weltbank zur Elektrifizierung finden wir heraus, welche Länder überhaupt infrage kommen. Dann heißt es, vor Ort Kontakte aufzubauen und mit den lokalen Hilfsorganisationen zu kooperieren. Für unser Projekt in Nepal, bei dem 250 Menschen im Gorkha Distrikt nicht mehr ohne Strom sein werden, hatten wir beispielsweise Kontakt zum Generalkonsul von Nepal in Köln aufgenommen.

Bei der Suche nach Kontakten vor Ort helfen uns etablierte deutsche Vereine sowie offizielle Ämter, damit wir wirklich das Maximum an Vertrauenswürdigkeit gewährleisten können. Wenn wir mit anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten, fragen wir auch nach Referenzprojekten als Nachweis. Und wir arbeiten generell nicht mit Einzelpersonen zusammen, denn das Risiko, dass die Spendengelder nicht an die richtigen Leute gehen, ist uns da zu groß. Lokale Hilfsorganisationen sind in der Regel sehr professionell aufgestellt. Wir haben ein viel zu großes Informationsdefizit über die Gegebenheiten vor Ort, ohne die Hilfe der Organisationen könnten wir dieses gar nicht auffüllen.

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Kinder in Nepal bekommen Elektrizität

EXPAT NEWS: Und wie funktioniert die Installation der Solaranlage vor Ort konkret?

Sebastian: Die Anlage beschaffen wir uns im Land selbst. Das ist günstiger und es dient auch der Wertschöpfung vor Ort, wenn wir mit lokalen Händlern zusammenarbeiten. Dadurch gleicht keine Anlage der anderen und auch die Projektdörfer selbst unterscheiden sich sehr voneinander. Mal gilt es ein Bergdorf zu versorgen, das stundenlangem Nebel ausgesetzt ist, mal befindet es sich in einer sonnigen Dschungelregion. Wir schauen uns den Projektstandort immer selbst an, um zu prüfen, welche Solarmodule am besten geeignet sind. Für Ärzte beispielsweise beschaffen wir tragbare Solarleuchten. Es ist wichtig, die Anforderungen an die jeweiligen Bedürfnisse zu orientieren.

„Alle Solaranlagen sind zu 100% spendenfinanziert“

Anne: Mit den Erfahrungen sind wir gewachsen und inzwischen viel koordinierter geworden, in neun von zehn Fällen haben wir schon Routine. Auch suchen wir stets jemanden vor Ort, der die Anlage jederzeit betreuen kann. Zwar sind die Solaranlagen sehr wartungsarm, aber falls doch mal etwas ist, wollen wir, dass jemand für die Menschen da ist und die Solaranlage reparieren kann. Wir haben immer einen Übersetzer dabei und einen festen Ansprechpartner einer Nichtregierungsorganisation, dessen Kontaktdaten wir behalten. Wenn wir kein festes Team vor Ort haben, schulen wir die Menschen im Dorf selbst. In Vietnam haben wir schon seit zwei Jahren Projekte, die problemlos weiterlaufen, ohne dass wir dort vor Ort sind, denn eine große Frage, die uns beschäftigt, ist wie das System weiterlaufen kann, ohne dass es an uns gekoppelt ist. Die Anlagen sind zu 100 Prozent spendenfinanziert, unsere Reisekosten tragen wir selbst.

EXPAT NEWS: Was waren bisher die schönsten oder berührendsten Momente?

Anne: Sunhelp ist unser absolutes Herzensprojekt, das wir nie aufgeben werden. Jedes einzelne Projekt berührt uns, weil wir den Sinn sehen. Die Menschen sagen uns, dass sich durch die Elektrizität ihr Leben verändert hat, allein schon, weil sie nicht mehr vom Sonnenaufgang und -untergang abhängig sind. Viele fangen an zu weinen, wenn sie das erste Mal das Licht angehen sehen. Statt der gesundheitsschädlichen Petroleumlampen haben sie nun sauberes Licht. Nachts müssen sie nicht mehr fürchten, auf giftige Tiere zu treten oder von Schlangen im Haus überrascht zu werden.

SunHelp Kambodscha

Dorfbewohner in Kambodscha bekommen eine Solaranlage

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Installation der ersten Solaranlage in Kambodscha im September 2016. Wir halfen einer jungen alleinerziehenden Frau, die von ihren drei Kindern eines weggeben musste, weil sie nicht alle ernähren konnte. Sie hatte nur mit Hilfe der Dorfgemeinschaft in ihrer kleinen Blechhütte überlebt. Schon bei unserem ersten Besuch hat sie geweint, weil wir sie nicht vergessen hatten. Sie war schließlich die erste im Dorf, die eine Photovoltaikanlage bekam und konnte somit jedem erklären, wie sie funktioniert. Das hat ihre gesellschaftliche Position im Dorf komplett zum Positiven verändert. Weil sie nun keine Kerzen mehr kaufen musste, konnte sie Geld sparen und schließlich zu ihrer Schwester in die Stadt ziehen und arbeiten gehen. Die Solaranlage war ihr Wendepunkt im Leben. Wir hatten diese Vision, das Leben der Menschen zu erleichtern, aber es war noch viel besser als gedacht.

EXPAT NEWS: Dennoch seid ihr mit viel Leid und unvorstellbarer Armut konfrontiert. Was macht das mit euch?

Anne: Man wächst mit der Aufgabe. Unsere ersten Projekte in Kambodscha haben mich sehr berührt und die Armut dort auch sehr traurig gemacht. Es ist dann aber die Dankbarkeit der Menschen, die uns so viel Kraft gibt und motiviert – die Erkenntnis, dass man mit wenigen Mitteln etwas Gutes tun kann.

Die Armut wird auch ein Stück des Reisealltags und ein Teil des Weltbildes. Wenn man zweieinhalb Jahre so viel Armut sieht, gehört sie irgendwann dazu und man stumpft ein wenig ab. Das Weltbild wird aber auch etwas realistischer. Bei uns hat es dazu geführt, dass wir uns selbst, unseren Konsum stärker hinterfragt haben. Wir leben inzwischen viel minimalistischer und haben stärker ausgeprägte Werte.

„Wir sehnten uns nach einem selbstbestimmten Leben“

EXPAT NEWS: Ihr hattet bis 2016 sehr solide Jobs, Anne arbeitete bei einer Wirtschaftsprüfung, Sebastian als Ingenieur bei einem Unternehmen für erneuerbare Energien und ihr seid schon immer sehr viel um die Welt gereist. Wie hat euer Umfeld auf die Entscheidung reagiert, diese weitgehend sicheren und wahrscheinlich auch gut bezahlten Jobs für euer Herzensprojekt aufzugeben?

Sebastian: Es war nicht ganz easy, unsere Familie und Freunde haben aber gespürt, dass wir es ernst meinen. Reisen macht uns glücklich, das wissen unsere Familien und unserem Glück würden sie nie im Wege stehen.

EXPAT NEWS: Hattet ihr Muffensausen vor dem Schritt?

Anne: Ja. Ich hatte Sorge, danach keinen Job mehr zu finden. Meine Stationen im Lebenslauf habe ich mir hart erarbeitet und auch das erreicht, was ich ursprünglich immer wollte. Von meinem Wesen her bin ich ein sehr sicherheitsbedürftiger Mensch und es war schon ein längerer Prozess, bis die anfänglichen Sorgen verschwunden waren.

Sebastian: Uns war klar, dass wir nicht einfach nur mehr in unseren wenigen Urlaubsauszeiten reisen wollten. Wir sehnten uns nach einem selbstbestimmten Leben mit Flexibilität und der Freiheit, selbst zu entscheiden, was wir tun, wo wir unsere Prioritäten setzen. In unseren Berufen waren wir weitgehend fremdbestimmt und immer abhängig von Deadlines. Wir hatten einfach Lust, „unser Ding“ zu machen. Nach meiner Kündigung habe ich mir erst einmal ein Jahr lang einen Bart wachsen lassen, denn das war in meinem Unternehmen nicht erwünscht.

EXPAT NEWS: Ihr habt euch Stück für Stück an das internationale Reisen herangetastet, seid mit europäischen Städte-Trips gestartet, dann ins Backpacker-Einsteigerland Thailand geflogen und habt euch regelrecht als Reisende entwickelt. Würdet ihr diese Herangehensweise anderen Reiseeinsteigern auch empfehlen?

Anne: Es war im Grunde eine Geldfrage, denn wir haben damals noch studiert und die Städtetrips waren günstiger. Die Reiseziele haben sich gewissermaßen mit dem Budget mitentwickelt. Für uns war es ein natürlicher Prozess und wir waren offen für die Möglichkeiten, die vor uns lagen. Selbst die kleineren Reisen haben schon viel bei uns bewirkt – insofern würden wir einfach jedem Menschen raten, überhaupt zu reisen. Es ist immer ein Gewinn! Wir haben früh gelernt, das Verallgemeinern abzulegen. Die Welt zu entdecken, lehrt einen auch, dass nicht alles gleich ist. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern viele Schattierungen dazwischen. Man urteilt nicht mehr vorschnell, sondern befasst sich vielmehr mit Hintergründen.

„Die freundlichsten Menschen haben wir im Iran kennengelernt“

EXPAT NEWS: Gab es auf euren Auslandsreisen Momente, wo ihr dachtet, das eine oder andere Abenteuer könnte eine Nummer zu groß sein?

Sebastian: Ich gehöre ja eher der Kategorie Abenteurer an, Anne ist im Vorfeld immer sehr nervös und vorsichtig und meistens ist sie froh, wenn das Abenteuer vorbei ist. Allerdings bereut sie es auch nicht. Das Gefühl der Freiheit ist so atemberaubend, dass es alle Unannehmlichkeiten aufwiegt. Wir sind einmal mit dem Camper durch Zentralasien gefahren, den Pamir Highway an der afghanischen Grenze entlang. Da habe ich schon gedacht – puh, hier auf 4.700 Metern Höhe mit einem Camper zu fahren, ist nicht ganz ohne. Das brachte den Adrenalinspiegel an die Grenze. Zudem war überall Militär – eine ganz ungewohnte Situation. Aber wir haben gelernt, dass sich das Urvertrauen lohnt, auch offensiv in die Angst reingehen und sich überwinden, bringt einen weiter. Wir sind so dankbar für diese Erkenntnis.

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Anne und Sebastian auf dem Pamir Highway

Beispielswiese haben wir im Iran die freundlichsten Menschen der Welt kennengelernt – die Mentalität der Perser war komplett gegensätzlich zu unserem medialen Bild. Wir haben festgestellt, dass es einen eklatanten Unterschied zwischen dem gibt, was die Regierung propagiert und was die Bevölkerung denkt. In den Medien wird die Haltung der Regierung transportiert, dabei repräsentiert sie überhaupt nicht die Einstellung der Menschen. Wir haben nur gute, hilfsbereite und gastfreundliche Leute im Iran kennengelernt. Man könnte sogar sagen, dass uns unter anderem diese Erfahrung zu echten Menschenfreunden hat werden lassen.

EXPAT NEWS: Würdet ihr dieses Leben mit der Reiserei und dem ortsunabhängigen Arbeiten auch mit Kindern fortsetzen?

Anne: Natürlich würden wir auch mit Kindern reisen, wobei wir sichere Reiseziele wählen würden, auch Fernreisen sind kein Problem aus unserer Sicht, wenn man sie an Kinder anpasst. Wenn es soweit sein sollte, werden wir uns aufteilen müssen. Dann wird wahrscheinlich Sebastian für unser Solarprojekt vor Ort sein und ich alles von zu Hause organisieren.

EXPAT NEWS: Gibt es ein Land, in dem ihr sesshaft werden könntet?

Anne: Das haben wir uns selbst auch schon oft gefragt, denn in der Tat suchen wir diesen Ort noch. Bislang hatte jedes Land etwas zu bieten. Für uns wäre es entscheidend, einen Ort zu finden, wo es das ganze Jahr schön ist. Wir haben schon perfekte Orte gefunden für monatelange Aufenthalte, aber nicht fürs ganze Jahr. Unbedingt nochmal bereisen würden wir gerne Nepal, Tadschikistan, Bolivien, Vietnam, Georgien und Armenien. Das sind aber eher Abenteuerländer, nicht unbedingt solche, in denen wir uns dauerhaft niederlassen würden. Ein zumindest temporäres Leben könnten wir uns auf Bali, in Thailand, in Laos und in Südfrankreich vorstellen.

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Sebastian und Anne auf Bali

EXPAT NEWS: Uns fällt auf, dass insbesondere die Generation der um 1990 Geborenen aus wahren Weltentdeckern besteht. Was hat euch diesbezüglich geprägt, warum seid ihr im Gegensatz zu den vorhergehenden so „furchtlos“, was die Entdeckung fremder Länder und Kulturen angeht?

Sebastian: Das ist nicht leicht zu beantworten. Es ist sicherlich ein Stück weit der Zugang zu den Online-Medien, durch die man viel mehr nachlesen kann als es früher der Fall war. Man bekommt Einblicke in die Erfahrungswelten anderer. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass wir keine Generation sind, die sich auf Sicherheiten berufen kann. Unsere Eltern hatten einen Job fürs Leben, das wird es für unsere Generation sehr wahrscheinlich nicht mehr geben. Möglicherweise stärkt das unsere Risikobereitschaft. Zudem wurde der Blick ins Ausland in der Schule gefördert, wir haben alle früh Englisch gelernt und Reisen ist in den letzten 20 Jahren einfach sehr viel günstiger geworden, so dass eine viel breitere Masse die Chance hat, die Welt zu entdecken.

Bei uns und unseren Altersgenossen stelle ich ein gewisses Streben nach Sinnhaftigkeit fest, den Willen, sein eigenes Ding zu machen. Ich glaube zudem, dass die Hürden, sich selbstständig zu machen, heutzutage viel niedriger sind.

„Reisen ist eine bewusste Entscheidung für das Unbekannte“

EXPAT NEWS: Warum gibt es aus eurer Sicht trotz dieser Sehnsucht nach Weltenbummlertum und ortsunabhängigem Arbeiten eine offenkundige Tendenz zur Abschottung und zum Nationalismus in Europa?

Anne: Darüber haben wir uns auch schon viele Gedanken gemacht – etwa als wir im Iran waren – dem erklärten „Feind der Welt“. Wir denken, wenn man reist, hat man eine bewusste und aktive Entscheidung für das Unbekannte gefällt. Wenn man aber zu Hause bleibt, hat man Angst vor dem Unbekannten. So ist es für andere auch leichter, Ängste zu schüren. Aber wo Angst ist, ist niemals Vertrauen. Umgekehrt gilt: Wenn ich Vertrauen habe, habe ich keine Angst. Es gibt die urmenschliche Angst vor Veränderung und damit einher geht das Nicht-Verstehen. Es ist auch ein Unterschied, ob man eine eigene Wahl getroffen hat. Zwingt einem aber gefühlt jemand einen bestimmten Zustand auf, wie zum Beispiel die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge, dann hat das mit keiner eigenen, selbstbestimmten Entscheidung zu tun. Unserer Meinung nach schüren die Medien das Negative, es fehlt an positiver Berichterstattung. Und Angst bleibt hängen, Angst fesselt. Die Welt ist aber gut! Diese Erfahrung haben wir gemacht.

EXPAT NEWS: Wie finanziert ihr euer „Nomaden“-Leben?

Sebastian: Wir haben mit reisefroh ein mittlerweile recht erfolgreiches Webmagazin mit langfristigen guten Beiträgen. Monatlich werden diese von 85.000 einzelnen Besuchern gelesen. Das Portal gibt es seit Mai 2016 und wir haben viel Arbeit reingesteckt, mussten viel lernen und uns Methodiken sowie Werkzeuge aneignen. Das hat sich ausgezahlt und wir verdienen durch Medienpartnerschaften Geld.

EXPAT NEWS: Wie schafft ihr es, täglich die Energie und auch Schöpferkraft aufzubringen, um diese Seite und vor allem euer Solarprojekt voranzutreiben?

Anne: Es wird immer dann schwieriger, die nötige Energie aufzubringen, je länger wir ein Projekt nicht selbst umsetzen können und somit auch nicht von diesem Gefühl profitiert, dass man selbst etwas schafft, dass man sein Herz mit einbringt. Wenn man vor allem koordiniert und kommuniziert, aber nicht die unmittelbare Umsetzung macht, dann ist das Herz nicht 100 Prozent dabei. Deswegen wird Sebastian immer wieder an der Quelle sein, obwohl es unheimlich anstrengend ist und wir stets komplett an unsere Grenzen kommen.

Sunhelp e.V.

Anne in Nepal

Wie oft kommt es vor, dass wir uns fragen, warum machen wir das eigentlich? Aber in dem Moment, wo das Licht angeht, weiß man wofür man es tut. Damit das System wachsen kann, müssen wir auch mal abgeben können. So haben wir etwa andere Reise-Blogger überzeugen können, uns zu unterstützen. Das Ganze funktioniert wie ein genialer Schneeball-Effekt. Es ist daher unsere langfristige Vision, Menschen für das Photovoltaik-Projekt zu begeistern und aktiv mitzumachen. Wir arbeiten nun daran, die entsprechenden Strukturen dafür zu schaffen.

EXPAT NEWS: Apropos Strukturen: Gibt es so etwas wie einen strukturierten Alltag bei euch und wenn ja, wie sieht der aus?

Sebastian: Grundsätzlich funktionieren Arbeiten und Reisen gut zusammen. Es gibt Phasen, wo wir arbeiten und Phasen wo wir reisen. Wenn wir unterwegs sind, gibt es keine klare Struktur, wir wollen dann einfach nur genießen. Manchmal sind wir für vier Monate auf Bali, dann wieder in Chiang Mai, wo wir trotz der tollen Umgebung 12 Stunden am Tag wirklich nur arbeiten und es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Es liegt wohl daran, dass man der eigenen Vision zuarbeitet, seinem eigenen Traum entgegen. Wir haben buchstäblich unser Hobby zum Beruf gemacht. Das klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber für uns war es der Schlüssel zur Erfüllung.

Fotos: Anne Duchstein, Sebastian Haffner

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Über Anne Duchstein und Sebastian Haffner

SunHelpAnne und Sebastian sind Inhaber des Reiseblogs reisefroh.de und Gründer des gemeinnützigen Vereins SunHelp International e.V.

Seit Juli 2016 sind sie auf Reisen mit dem Ziel, 100 Solaranlagen für Menschen ohne Licht und ohne Strom in Enwicklungsländern zu installieren.

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Über SunHelp International e.V.

SunHelpSunHelp International e.V. ist ein gemeinnütziger Verein. Ziel des Vereins ist es, Hilfsprojekte durch den Einsatz von Solarenergie zu realisieren und Menschen in Entwicklungsländern durch eine nachhaltige Energieversorgung zu unterstützen.

Mitglied kann jeder werden, der den Verein unterstützen möchte. Auch unabhängig von der Mitgliedschaft kann unkompliziert auf der Webseite für das Projekt gespendet werden.

sunhelp-international.com

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Über das Webmagazin reisefroh

ReisefrohReisefroh ist ein professioneller Reiseblog rund um die Themen nachhaltiges Reisen, Outdoor-Abenteuer und Weltreise. In hochwertigen und informativen Reiseberichten teilen Anne und Sebastian ihre Reiseerfahrungen, Reisetipps und den Lifestyle mit ihren Leserinnen und Lesern.

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