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Elternzeit: Neue EU-Regeln für eine gleichberechtigte Kinderbetreuung

Oftmals werden Männer, die in Elternzeit gehen, kritisch beäugt. In Europa sind es selten die Männer, die in „Vaterschutz“ gehen. Es gibt jedoch gute Nachrichten für europäische Familien: Berufstätige Eltern erhalten künftig mehr Rechte, um sich gleichberechtigt um die Betreuung von Kindern und Familienangehörigen kümmern zu können. Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten haben sich Ende Januar 2019 auf einen entsprechenden Kommissionsvorschlag vorläufig geeinigt.

Umfragen zufolge glauben 42 Prozent der Europäerinnen und 35 Prozent der männlichen Europäer, dass Elternzeit negative Auswirkungen auf ihre Karriere haben. Deshalb ist es ein erklärtes Ziel der EU die Elternzeitregelung so zu gestalten, dass die wahrgenommenen Hürden niedriger ausfallen.

Elternzeit

So haben Väter nach der Geburt ihres Kindes europaweit einen Vaterschaftsurlaub von mindestens zehn Tagen, der in Höhe des Krankengeldes vergütet wird. Außerdem wird der bestehende Anspruch auf vier Monate Elternurlaub gestärkt, indem zwei Monate nicht zwischen Elternteilen übertragbar sind und in der von den Mitgliedstaaten festgelegten Höhe vergütet werden. Pflegende berufstätige Angehörige werden nunmehr Anspruch auf jeweils fünf Tage pro Jahr für Pflegetätigkeiten haben. Nicht zuletzt stärken die neuen Vorschriften auch das Recht für Eltern und pflegende Angehörige, flexiblere Arbeitsregelungen zu beantragen. Die vorläufige Einigung muss nun noch förmlich angenommen werden.

Elternzeit

Nur knapp ein Drittel der Väter in der EU hat tatsächlich Elternzeit in Anspruch genommen, während dies bei 57 Prozent der Mütter der Fall war. Die Bereitschaft der Männer, in Elternzeit zu gehen, würde aber steigern. Helfen würde einer aktuellen Umfrage zufolge, wenn sie in der daraus resultierenden Fehlzeit mehr finanzielle Unterstützung erhalten würden (41 Prozent) und wenn sie die Flexibilität hätten, die Elternzeit in mehreren Zeitabschnitten zu nehmen oder gar in Teilzeit zu arbeiten. Drei Viertel der Männer würden Vaterschaftsurlaub nehmen, wenn Sie während dieser Zeit mindestens 75 Prozent ihres Gehalts bekommen würden.

Elternzeit

Vereinbarkeit von Job und Familie bring auch Vorteile für Wirtschaft

Die neue Richtlinie ist eine Möglichkeit, dass Familien mit erwerbstätigen Eltern und pflegenden Angehörigen eine echte Wahlmöglichkeit erhalten, um Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Die neuen Vorschriften sind auch ein Modell für die Abstimmung sozialer und wirtschaftlicher Prioritäten. Die Unternehmen können so begabte Frauen und Männer anwerben und langfristig binden. Die europäische Wirtschaft wird von diesem Vorschlag profitieren, da dadurch das Beschäftigungsgefälle zwischen Männern und Frauen abgebaut wird. Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu erleichtern ist nicht nur fair, sondern auch vernünftig, so die Europäische Kommission.

Um erwerbstätigen Eltern und pflegenden Angehörigen zu helfen, berufliche und familiäre Pflichten unter einen Hut zu bringen, schlug die Europäische Kommission im April 2017 die Initiative „Ein neuer Start“ vor. Diese Initiative ist ein wichtiges Ziel der europäischen Säule sozialer Rechte.

Recht auf flexible Arbeitszeiten

In der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben werden einige neue oder höhere Standards für Eltern-, Vaterschafts- und Pflegeurlaub festgelegt und das Recht eingeführt, flexible Arbeitsregelungen zu beantragen. Die Richtlinie berücksichtigt die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen und stellt sicher, dass diese nicht unverhältnismäßig beeinträchtigt werden. Sie wird durch politische und finanzielle Maßnahmen ergänzt, um die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, das bestehende Kündigungsschutzrecht zu stärken, formale Betreuungs- und Pflegedienste aufzubauen und wirtschaftliche Negativanreize zu beseitigen, die Zweitverdiener davon abhalten, erwerbstätig zu sein.

Bei jedem dritten Europäer unter 65 Jahren ist derzeit eine flexible Arbeitszeitgestaltung nicht möglich. Mehr als die Hälfte dieser Personengruppe wünscht sich aber mehr Möglichkeiten, den Job flexibler zu gestalten. Ein Viertel wünscht sich die Option auf Teilzeit und jeder Fünfte hätte gerne Homeoffice.

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