© Shidume Lozada

„In den USA lässt es sich einfacher und unbürokratischer gründen.“

Für einige ist es ein Traum, im Silicon Valley zu leben und zu gründen. Kati und Kristina haben sich ihn erfüllt. Vor einigen Jahren haben sie ihre Koffer gepackt und sind in die USA ausgewandert. Wie es ist, in San Francisco zu gründen und wie es zu der Auswanderung kam, erzählen sie uns im Interview.

Expat-News: Was war der Auslöser für euch damals, in die USA auszuwandern?

Kati: Seitdem ich 2010 meine Masterarbeit in San Francisco über erfolgreiche Silicon-Valley-Geschäftsmodelle geschrieben hatte, wollte ich zurück an die Westküste. Nach acht Versuchen hat es endlich geklappt und ich habe meine Green Card in der Lotterie gewonnen. Vor vier Jahren bin ich dann nach San Francisco ausgewandert.

Kristina: Ich war Fan der Kolumne ‘Während du schliefst’, die jeden Morgen auf Gruenderszene.de gepostet wurde. Dort konnte ich lesen, was über Nacht im Silicon Valley in Sachen Innovation und Technologie passiert ist. Irgendwann war die Faszination so groß, da wollte ich einfach hier sein, wenn’s passiert und herausfinden, warum wir in Deutschland heutzutage so hinterherhinken. Ich habe Ende 2013 bei Zalando meine Managerposition aufgegeben und bin dann als Neuzuwachs im Marketing bei Cooliris nach San Francisco gezogen. Seitdem bin ich hier.

Quelle: Shidume Lozada

Expat-News: Worin bestehen die Unterschiede zwischen USA und Deutschland, wenn man ein Unternehmen gründen möchte? Was sind die Schwierigkeiten?

Kati: In den USA lässt es sich wie erwartet einfacher und unbürokratischer gründen. Man kann sich in weniger als 30 Minuten in San Francisco online selbstständig machen. Alternativ nimmt einem das Stripe Atlas Programm die ersten Schritte bei der Firmengründung ab. Gründerinnen können das Programm auf Nachfrage sogar günstiger in Anspruch nehmen. In unserer achten Podcast-Folge beleuchten wir die Unterschiede zwischen der Selbstständigkeit und dem Angestelltenverhältnis und geben ein paar Tipps zur Gründung.

Expat-News: Was waren eure schlimmsten Befürchtungen vor dem Auswandern, haben sich diese bewahrheitet?

Kristina: Eine Befürchtung, die sich leider bewahrheitet hat, ist, dass es aufgrund der Zeitverschiebung schwieriger ist, den Kontakt zu Familie und Freunden in Europa aufrecht zu erhalten. Zum Glück gibt es What’s App und Videotelefonie. Kristina verbringt jedes Jahr mehrere Wochen in Deutschland – am liebsten im Sommer.

Quelle: Shidume Lozada

Expat-News: Wie habt ihr euch auf das Auswandern vorbereitet?

Kristina: Kati hat vor ihrem Umzug nach San Francisco schon mehrere Monate in San Francisco gelebt und war häufig auf Geschäftsreise vor Ort. Am hilfreichsten ist es, sich schon von Deutschland aus langsam ein Netzwerk aufzubauen, deutschen Facebook-Gruppen beizutreten, Freunde von Freunden zu kontaktieren und nach Tipps und Anlaufstellen Ausschau zu halten. In unserer elften Podcast-Folge thematisieren wir die ersten bürokratischen Schritte beim Einwandern.

Expat-News: Was ist das Schöne am Leben in Kalifornien?

Kati: Uns gefällt vor allem der Gründergeist und die Natur. Die meisten erfolgreichen Gründer hier sind recht zugänglich und geben einem gern Feedback zur eigenen Idee oder investieren sogar. Und Kalifornien bietet mit dem Wetter, der Küste und den Bergen einfach eine außergewöhnliche Lebensqualität.

„Wir hoffen, dass sich mehr junge Menschen, vor allem Mädels, sich inspiriert fühlen, ihren eigenen Weg zu gehen.“

Expat-News: Wie kamt ihr auf die Idee, euren eigenen Podcast zu erstellen?

Kristina: Wir wurden vor ein paar Jahren vom Startup Valley Magazin gefeatured, bevor wir uns persönlich kennengelernt haben. Ein gemeinsamer Freund hat uns dann zum Pizzaessen eingeladen und seitdem war uns klar, dass wir gern mal an etwas zusammenarbeiten würden. Als ‘Auslandsdeutsche im Silicon Valley’ erhielten wir einige Anfragen von deutschen Medien darüber, wie wir hier leben und gründen. Da machte es für uns Sinn, das einfach selbst zu produzieren. So können wir über das reden, was uns am Herzen liegt. Wir hoffen, dass sich mehr junge Menschen, vor allem Mädels, inspiriert fühlen, ihren eigenen Weg zu gehen, auch wenn das Umfeld manchmal sehr uninspirierend ist und die Optionen limitiert erscheinen.

Expat-News: Was in Deutschland vermisst ihr am meisten?

Kati: Ich vermisse meine Familie und Freunde, eine ausgewogenere Berichterstattung in den Medien, die Nähe zu anderen Europäischen Ländern und die Currywurst.

Kristina: Mir fehlen günstige Lebensmittel und gutes Brot. Was man hier leider vermisst, ist ein höherer Lebensstandard für die Allgemeinheit durch freie Bildung und ein günstigere Gesundheitsversorgung.

Quelle: Shidume Lozada

Expat-News: Würdet ihr irgendwann nach Deutschland zurückkehren?

Kati: Wir fühlen uns beide im Gründungsumfeld wohl. Das gibt es in Deutschland in dem Ausmaß einfach immer noch nicht so richtig. Mein Partner ist doppelter Staatsbürger – Spanier & Amerikaner – und Kristinas Partner Amerikaner und sogar in Palo Alto, einem Stadtteil von Kalifornien, aufgewachsen. Wir lieben es hier und uns zieht es nicht zurück.

Expat-News: Welche Tipps können ihr anderen geben, die auswandern und gründen möchten?

Kristina: Traut Euch! In unserem Podcast und Katis Blog Kaliforniakati.com findet ihr unzählige Tipps für zukünftige Auswanderer.

Unseren Podcast findet ihr auf iTunes, SoundCloud, Spotify und unserer Webseite. Hört mal rein – wir freuen uns auf euer Feedback! Mehr zu uns, unserem Leben und Silicon Valley gibt es auch auf Instagram @kristinakatikalifornia.

Über Kristina:

Quelle: Shidume Lozada

Mit ihrem Unternehmen Artifact mischt sie gerade den High-End Immobilienmarkt auf. Sie hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, mit Jomper die Wertschöpfungskette der Fashion-Industrie zu revolutionieren und nachhaltige Mode an die Bedürfnisse der Konsumenten anzupassen. Nebenbei ist sie als Programmiererin selbstständig und gibt neuen Produkten Starthilfe.

 

 

 

 

 

Über Kati:

Quelle: Shidume Lozada

Nachdem sie 6,5 Jahre lang tatkräftig im Aufbau von Airbnb mitgeholfen hat, hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mit ihrem Unternehmen Piña Colada – Gruppen-Dinner-Dates in San Franciscos besten Restaurants – bietet sie Singles eine Alternative zu Dating-Apps. Außerdem bloggt sie über ihre eigene Auswandererfahrung von Berlin nach San Francisco als Kaliforniakati, ist Mentorin beim German Accelerator und Atlantikbrücke Young Leader.