Katar: Arbeiterrechte beim Bau der WM-Stadien verletzt?

Der Internationale Gewerkschaftsbund IGB hat dem Fußball-Weltverband FIFA gedroht, eine Kampagne gegen den Austragungsort Katar zu starten, sollten diese weiterhin Arbeitnehmerrechte beim Bau der Stadien missachten. Ein Bericht des IGB hatte zuvor deutliche Vorwürfe gegen das Emirat erhoben – die insgesamt neun Arenen werden fast ausschließlich von im Ausland angeworbenen Arbeitern errichtet. Dabei würden Sicherheitsbestimmungen dutzendfach verletzt. Im Zentrum der Kritik stehen zudem die Qualität der Arbeiterwohnungen, in denen oft bis zu sechs Personen pro Zimmer leben und die dortigen Hygienebedingungen. Man werde in den kommenden Monaten mit der FIFA zusammenarbeiten, um eine Verbesserung der Lage zu erreichen, schrieb der IGB in einer Pressemitteilung.

Arbeitnehmermissbrauch vermutlich in gesamter Golfregion

Die Probleme der Arbeitnehmer beschränkten sich jedoch nicht nur auf die WM-Standorte, so der Untersuchungsbericht. In der gesamten Golfregion seien Arbeiter von dem sogenannten Kafala-System betroffen. Dabei schließen die meist aus Südostasien stammenden Beschäftigten einen Sponsoring-Vertrag mit ihrem Arbeitgeber ab – dieser tritt in finanzielle Vorleistung, die Angestellten sind im Gegenzug rechtlich gebunden. Seit Jahren kritisieren Menschenrechtsorganisationen, das System würde Missbrauch und Unterdrückung Tür und Tor öffnen.

In der Vergangenheit hatten mehrere Staaten versucht, der anhaltenden Kritik mit Reformen zu begegnen. So hatte Kuwait im Oktober 2010 als zweiter arabischer Staat das Kafala-System für veraltet erklärt und eine entsprechende Gesetzesänderung verabschiedet. Insbesondere Saudi-Arabien beeilte sich jedoch daraufhin zu betonen, man kenne keine bessere Alternative als das etablierte Anwerbeprinzip. Auch Katar begründete die Gesetzeslage immer wieder damit, Betrugsversuche und Vertragsbrüche durch Arbeitnehmer verhindern zu wollen.

Quelle: zenith BusinessReport

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