Globalisierung
© WrightStudio - Fotolia.com

Globalisierung: Schweizer profitieren am meisten, Inder am wenigsten

Wer sind die Gewinner der Globalisierung? Diese Frage hat sich die Bertelsmann Stiftung gestellt und beauftragte das Forschungsinstitut Prognos AG. Ein zentrales Ergebnis des Globalisierungsreports 2018: Es sind mehrheitlich Industrieländer unter den Gewinnern – weniger profitieren hauptsächlich Schwellenländer wie China, Argentinien oder Indien. Deutschland liegt im oberen Mittelfeld. Die Grafik zeigt die Einkommensgewinne je Einwohner, die auf die Globalisierung zurückzuführen sind.

Infografik: Wer am stärksten von der Globalisierung profitiert | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Der Grund für das relativ schlechte Abschneiden der USA: das Land hatte bereits zu Beginn des Betrachtungszeitraums ein hohes Globalisierungs- und Einkommensniveau. Dass sich die Schweiz auf Platz eins befindet, liegt an ihrem kleinen Binnenmarkt, durch welchen sie zwangsläufig mehr Handelsaktivitäten mit dem Ausland hat.

BIP in Deutschland durch Globalisierung überdurchschnittlich hoch

Der Report misst für 42 Industrie- und Schwellenländer den Grad der internationalen Verflechtung und die daraus resultierenden Wohlstandsgewinne. Deutschland gehört laut Untersuchung mit seinem 6. Platz zu den Ländern, die am stärksten von der zunehmenden Globalisierung profitieren. So hat sich das reale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (BIP pro Kopf) hierzulande zwischen 1990 und 2016 durch die voranschreitende Globalisierung jährlich um rund 1.150 Euro oder im gesamten Zeitraum um rund 30.000 Euro erhöht.

Globalisierung - Auswirkungen auf Deutschland

Grundlage für die Berechnung ist ein Index, der sich eng am sogenannten KOF-Globalisierungsindex der Technischen Hochschule Zürich orientiert. Unser Index misst den Grad der internationalen Verflechtung anhand von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Indikatoren. Demnach sind die Niederlande und Irland die am stärksten globalisierten Länder. Indien und China hingegen sind unter den Letztplatzierten, weil sich dort die Märkte später als in vielen Industrieländern geöffnet haben, es immer noch viele Schranken beim Marktzugang gibt und der jeweilige Binnenmarkt eine wichtige Rolle spielt.

Von 1990 bis 2016 wuchs das reale BIP aufgrund der voranschreitenden Globalisierung in allen 42 untersuchten Ländern im Schnitt um rund eine Billion Euro pro Jahr. Dies entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung einer mittelgroßen Volkswirtschaft wie Mexiko oder Südkorea.

Indien, China und Mexiko unterdurchschnittlich bei Zuwächsen

Alle untersuchten Länder verzeichnen ein globalisierungsbedingtes Wachstum, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß: Am stärksten profitieren laut Untersuchung die Schweizer. Das reale BIP pro Einwohner wuchs dort globalisierungsbedingt zwischen 1990 und 2016 um rund 1.900 Euro pro Jahr. In Indien, dem Schlusslicht bei den globalisierungsbedingten Zuwächsen, stieg es nur um durchschnittlich 20 Euro pro Jahr. Auch China (80 Euro pro Jahr) und Mexiko (120 Euro pro Jahr) verzeichnen nur unterdurchschnittliche absolute Zuwächse.

Grund für diese niedrigen Zuwachsraten in den Schwellenländern ist vor allem, dass sie zum Startpunkt der Messung nur ein niedriges BIP pro Kopf verzeichneten. Schwellenländer wie China und Indien standen 1990 noch ganz am Anfang einer dramatischen Wachstumskurve und schneiden somit bei den absoluten Zuwächsen insgesamt schlechter ab als Industrieländer, die schon damals stärker international vernetzt war.

„Die Folge der zunehmenden globalen wirtschaftlichen Verflechtungen ist eine signifikante Zunahme von Mitarbeiterentsendungen ins Ausland“, kommentiert Global-Mobility-Experte Omer Dotou von der BDAE Consult GmbH den aktuellen Globalisierungsreport. „Allein in der EU sind derzeit 2,3 Millionen Arbeitnehmer für ihr Unternehmen in einem anderen Land tätig.“

Über den Globalisierungsreport:

Globalisierung ReportDer Report untersucht in regelmäßigen Abständen auf Grundlage eines umfassenden Datenbestandes die Entwicklung der weltweiten Vernetzung und setzt damit einen verlässlichen Standard zur Analyse aktueller Fragen zur Globalisierung.

Der Globalisierungsreport 2018 setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil untersucht, aufbauend auf den beiden Vorgängerstudien, in welchem Maße die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Erde in der Vergangenheit von der Globalisierung profitiert haben. Der zweite Teil des Reports veranschaulicht grafisch und tabellarisch das Ausmaß und die Entwicklung der Globalisierung in allen 42 untersuchten Ländern.

Darüber hinaus analysiert der Globalisierungsreport anhand übersichtlicher Factsheets das Ausmaß und die Entwicklung der Globalisierung separat in den 42 untersuchten Volkswirtschaften. Damit wird deutlich, wie sich die einzelnen Teilkategorien der Globalisierung – ökonomisch, politisch, gesellschaftlich – in den Ländern entwickelt haben und was daraus für Wachstum und Pro-Kopf-Einkommen folgte.