Auslandskitas
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Auslandskitas: Wissenswertes für Eltern und Erzieher

Das Thema kostenfreie Kita ist in ganz Deutschland mittlerweile heiß diskutiert. Berlin und Niedersachsen beispielsweise haben bereits den kostenfreien Kindergarten eingeführt. So gute Voraussetzungen sind im Ausland allerdings nicht zu finden. Weil deutsche Kindergärten im Ausland in der Regel als private Einrichtungen betrieben werden, müssen sie entsprechende Kitabeiträge erheben. Zur Höhe der Beiträge hat der Verband Deutscher Kindergärten im Ausland (VDKA) 81 Auslandskitas befragt.

Nordamerika mehr als doppelt so teuer wie Europa

Das Ergebnis: Die Beiträge sind entsprechend den Lebenshaltungskosten der Regionen unterschiedlich. Während deutsche Auslandskindergärten in Europa angaben, im Schnitt rund 5.605 Euro an Kita-Jahresbeiträgen zu erheben, betrug die Summe bei den Einrichtungen in Nordamerika (USA und Kanada) durchschnittlich 12.529 Euro. Zwar ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Kitas Vollzeitplätze anbieten, dennoch sind die Kosten in Nordamerika auch für Teilzeitplätze deutlich höher als in Europa.

In Europa zeichnet sich dabei folgender Trend ab: Die Jahresbeiträge steigen kontinuierlich, seit 2014 allerdings weniger stark. Während Eltern für ihre Sprösslinge vor sechs Jahren für einen Kindergartenplatz 4.684 Euro pro Jahr im Schnitt zahlen mussten, stieg dieser Betrag um circa 13 Prozent im Jahr 2014 auf durchschnittlich 5.290 Euro. Die 5.605 Euro Jahresbeitrag, die europäische Auslandskitas für das Schuljahr 2016/17 angaben, ergeben gegenüber 2014 einen Anstieg von rund sechs Prozent. Dieser Trend wird sich wahrscheinlich fortsetzen.

Auslandskitas

Der VDKA fragte in diesem Zusammenhang außerdem nach, wie Erzieher sich an deutsche Auslandskitas bewerben können. Auch dort führt der Weg in die Kita über eine Bewerbung und das anschließende Vorstellungsgespräch. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die von den Auslandskitas genutzt werden (Mehrfachantworten waren möglich): Dreiviertel (75 Prozent) aller Einrichtungen führen ihre Bewerbungsgespräche am Arbeitsort durch. Fast genauso viele (74 Prozent) nutzen Videokonferenz-Tools wie Skype, FaceTime oder ähnliches zum Kennenlernen der Bewerber. Immerhin knapp jede dritte deutsche Auslandskita (30 Prozent) setzt für das Bewerbungsgespräch auf das klassische Telefonat. Nur acht Prozent der Kindergärten führen mit ihren Bewerbern Gespräche in Deutschland.

Auslandskitas helfen bei Einreiseformalitäten

Nach der Job-Zusage sollten erfolgreiche Bewerber schon die nächsten Schritte planen. Dabei gehen viele der deutschen Auslandskindergärten helfend zur Hand (auch hier waren Mehrfachantworten möglich): Fast jede zweite Einrichtung (46 Prozent) unterstützt ihre neue Arbeitskraft bei der Beschaffung der Arbeitserlaubnis, mehr als die Hälfte der Einrichtungen (52 Prozent) ist bei der Wohnungssuche behilflich. Beim Thema Sprachkurs sagt rund jede dritte Kita 35 Prozent ihre Unterstützung zu. Ähnlich viele Kindergärten (36 Prozent) erwarten in den genannten Bereichen generell bzw. teilweise Selbständigkeit.

Ein wichtiger Punkt bei der pädagogischen Arbeit ist die Anzahl der Kollegen, mit denen der der Alltag in den Auslandskitas bestritten wird. Zwar variiert die Zahl der Erzieher aufgrund der unterschiedlichen Kitagrößen erheblich. Im Schnitt gibt es jedoch in deutschen Auslandskindergärten in Europa zehn festangestellte pädagogische Fachkräfte, in Nordamerika hingegen nur acht.

Eine unbefristete Stelle gibt Planungssicherheit und ist in deutschen Auslandskindergärten keine Seltenheit. In Nordamerika verfügen 73 Prozent des festangestellten pädagogischen Personals über einen unbefristeten Vertrag. In Europa legen sich noch mehr Einrichtungen langfristig fest: 84 Prozent der Pädagogen haben dort eine unbefristete Anstellung.

Erziehergehalt in deutschen Auslandskindergärten variiert stark

Unabhängig von der Umfrage sind auch die Erziehergehälter beim Bewerbungsprozess wichtig, doch auch hier gibt es erfahrungsgemäß deutliche Unterschiede. Häufig wird bei den Lohnangaben auf das „ortsübliche Gehalt“ verwiesen. Die Lebenshaltungskosten und der Lebensstandard machen jedoch einen Vergleich zwischen den verschiedenen Regionen schwierig: Eine deutsche Kita in London zahlt zwangsläufig höhere Gehälter als beispielsweise eine Einrichtung in Osteuropa. Tariflohn beziehungsweise Mindestlohn, wie in innerdeutschen Kindergärten, sind im Ausland nicht überall gegeben.

Zudem sind deutsche Auslandskitas in der Regel privatfinanzierte Einrichtungen, die über ein entsprechend kalkuliertes Budget verfügen. Bewerber sollten sich deshalb darauf einstellen, dass die Erziehergehälter im Ausland andere als in Deutschland sind. Allerdings bieten die Kitas dafür mitunter andere Extras, wie beispielsweise vergünstigte oder kostenlose Unterkunft, jährliche Heimflüge oder die Übernahme der Krankenversicherung.

Deutsch nur für wenige Auslandskitas relevant

Nur jeder zehnte deutsche Auslandskindergarten nennt die Beherrschung der deutschen Sprache bei Aufnahme des Kindes als Voraussetzung. Fast jede dritte Auslandskita (30 Prozent) ist der Ansicht, dass das Kind bei Kita-Eintritt entweder Deutsch oder die Landessprache sprechen sollte. Lediglich zwei Prozent stufen dafür allein die Landessprache als relevant ein.

Für sechs von zehn Kindergärten (58 Prozent) ist es nicht von Bedeutung, welche Muttersprache das Kind spricht. Hierbei ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die Muttersprache als solche vernachlässigt wird. Vielmehr ist der Kindergarten für den Zweitspracherwerb der ideale Zeitpunkt und Ort im Leben eines Menschen. Je früher ein Kind eine zweite Sprache erwirbt, desto besser beherrscht sie diese. Dank ihrer kognitiven Fähigkeiten meistern die Kinder spielend einfach den Spracherwerb des Deutschen, sodass sie bis zum Schuleintritt das muttersprachliche Niveau erreichen können.