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Deutsche Startups zahlen europaweit höchste Gehälter

Mehr als ein Drittel aller deutschen Jobs in Startups werden in Berlin geschaffen, jedoch wächst der Stellenmarkt in anderen Städten um bis zu 15 Prozent stärker.

In Deutschland ließen sich insgesamt 47.319 Stellenanzeigen des letzten Jahres der Gründerbranche zuordnen. Allein 37 Prozent davon wurden in der deutschen Hauptstadt ausgeschrieben, es folgen München mit 14 Prozent und Hamburg mit sieben Prozent der Jobanzeigen. Das sind Ergebnisse des europäischen Startup-Reports für die Länder Großbritannien, Frankreich, Niederlande und Deutschland des Stellenportals Joblift.

Auch wenn sich Berlin als deutsches Gründerzentrum behauptet, schwindet dessen Bedeutung: Während die Zahl der veröffentlichten Stellen in anderen Städten monatlich anstieg, so etwa in Köln um fünf Prozent und in Frankfurt am Main um sechs Prozent, stagnierte sie in Berlin. Zudem konkurriert Berlin auf europäischer Ebene mit anderen Gründermetropolen, allen voran London – dort wurden im genannten Zeitraum 21.549 Startup-Jobs geschalten, 24 Prozent mehr als in Berlin.

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Anzahl der Jobs von Startup-Städten, Grafik Joblift

Ein weiteres Ergebnis: Startups zahlen sieben Prozent schlechter und erfordern zehn Prozent längere Arbeitszeiten als die durchschnittlichen deutschen Arbeitgeber.

In Europas Startups arbeiten Angestellte durchschnittlich 46 Stunden

Das jährliche Brutto-Gehalt beträgt 41.510 Euro, wobei 22 Prozent der Befragten weniger als 25.000 Euro verdienen. Dieses Einkommen liegt zwar rund sieben Prozent unter dem von Statista berechneten Wert des bundesweiten Durchschnitts, jedoch fünf Prozent über dem der Umfrageteilnehmer aus Startups aller vier Länder. Knapp über die Hälfte der befragten deutschen Startup-Angestellten arbeitet zwischen 40 und 49 Stunden pro Woche. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 45 Stunden – vier Stunden mehr als der gesamtdeutsche Durchschnitt, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts aufzeigen.

Die mittlere länderübergreifende Wochenarbeitszeit liegt mit 46 Stunden noch höher. Diese Mehrarbeit gleichen Startups häufig mit Flexibilität aus – 90 Prozent der deutschen Jungunternehmen stellen flexible Arbeitszeiten in ihren Stellenprofilen in Aussicht. Damit bilden diese die beliebteste Zusatzleistung, vor Freigetränken und -speisen (86 Prozent) sowie Mitarbeiterveranstaltungen (78 Prozent).

Frauen auch in Startups schlechter bezahlt

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Durchschnittsgehalt von Startups nach Ländern, Grafik: Joblift

Eine bittere Erkenntnis: Obwohl Frauen rund die Hälfte der Führungspositionen besetzen, verdienen sie rund elf Prozent weniger als ihre männlichen Startup-Kollegen. Jede dritte Geschäftsführung wird laut der Umfrage von einer Frau besetzt, zusätzlich ganze 79 Prozent der Positionen, die Personalverantwortung aufweisen. Allerdings nimmt der Frauenanteil deutlich ab, sobald zur Personal- auch Budgetverantwortung hinzukommt – in diesem Fall beläuft sich der Wert auf 47 Prozent. Nichtsdestotrotz liegt dieser über dem länderübergreifenden Durchschnitt (31 Prozent). Ungeachtet des relativ hohen Frauenanteils in Führungspositionen lässt sich in deutschen Startups eine geschlechtsspezifische Lohnlücke von rund 11 Prozent beobachten: Die befragten Frauen verdienen im Mittel 40.087 Euro, ihre männlichen Kollegen 44.309 Euro.

Was die Beschäftigungsverhältnisse angeht, gibt nur ein Fünftel der Jobanzeigen, die sich auf Festanstellungen beziehen, Auskunft über die Dauer des Vertrags. Als positives Signal ist jedoch zu deuten, dass lediglich vier Prozent dieser Stellen eindeutig befristeter Natur sind, während diese Zahl in Frankreich etwa sechs Prozent beträgt (vier Prozent im Vereinigten Königreich und drei Prozent in den Niederlanden). Beachtlich ist jedoch der hohe Anteil an Praktika (17 Prozent  aller Startup-Inserate), Werkstudententätigkeiten (acht Prozent) und freiberuflichen Anstellungen (acht Prozent) in Deutschland.

Beschäftigungsarten von Startups in einzelnen Ländern

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Grafik: Joblift