Brot-Knigge
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Brot-Knigge: So verzehren Sie Brot im Ausland angemessen

Es heißt, Franzosen und Italiener erkennen einen Deutschen im Restaurant daran, dass er sein Brot bestreicht und anschließend davon abbeißt. Was oft als bissiger Brot-Knigge Witz-dargestellt wird, entspricht in vielen (Knigge-) Fällen der Wahrheit.

Vor allem in Deutschland ist es noch immer verbreitet, zum Mittag- und Abendessen das bereitgestellte Brot zu bestreichen und davon abzubeißen. Aus Business-Knigge Sicht ist dies jedoch wenig empfehlenswert, sagt der Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI). Auch aus Sicht des Reiseknigge im Ausland nicht zu empfehlen.

Der interkulturelle Trainer und Coach Alexander Plath (https://alexanderplath.com) hat deshalb einen kleinen Brot-Knigge zusammengestellt.

Frühstück:

Beginnen wir mit der Ausnahme, dem Frühstück: Beim Frühstück ist es durchaus „knigge-gerecht“, dass Sie das Frühstücksbrot mit Ihrem Lieblingsbelag bestreichen und dann aus der Hand verzehren, indem Sie abbeißen. Gleiches wie für Brot gilt auch für Brötchen, die Sie gerne halbieren und dann bestreichen dürfen.

Von einem Frühstücksbrötchen abzubeißen ist absolut „Brot-Knigge-gerecht“. Nun sollte im Idealfall der Belag (zum Beispiel Fleischsalat) nicht zu dick sein. Einerseits, damit beim Abbeißen nichts herausquillt oder runterfällt und andererseits, damit sich die Brötchenhälfte besser halten lässt. Sollte der Belag doch dicker sein, so ist das Festhalten mit beiden Händen gerechtfertigt. Denn dies ist immer noch besser, als Belag oder gar die ganze Brötchenhälfte fallen zu lassen.

Brotteller:

Anders ist die Brot-Knigge-Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International jedoch, wenn Brot oder Brötchen zu Mittag- oder Abendessen gereicht werden.

In diesem Fall finden Sie links neben Ihrem Teller einen kleinen Brotteller und ein kleines Brotmesser. Mit dem Brotmesser nehmen Sie aus der bereitgestellten Butter (manches Mal steht hier auch Schmalz oder ein anderer Brotaufstrich) eine Portion heraus und geben diese auf Ihren Brotteller.

Dann nehmen Sie sich ein Stück Brot auf Ihren Brotteller und brechen davon ein kleines Stück ab. Dieses Stück bestreichen Sie und verzehren es ohne abzubeißen. Das heißt Sie brechen immer einen Brocken ab, bestreichen diesen und verzehren ihn, bevor Sie sich das nächste Stück abbrechen. Dieser Vorgang nennt sich auch die „Bröckchen-Technik“. Ein Bestreichen der abgebrochenen Stücke auf Vorrat ist also auch nicht empfehlenswert.

Belegte Brote:

Belegte Brote (zum Beispiel mit Käse, Wurst oder Schinken) werden nach Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International immer mit der Hand gegessen und nicht mit Messer und Gabel.

Lediglich wenn es sich um große Brotscheiben handelt und der Gastgeber diese nicht in der Mitte durchgetrennt hat, empfiehlt es sich die Brotscheibe einmal in der Mitte durchzuschneiden und dann mit der Hand zu verzehren.

Auch wenn zu einem gepflegten Essen traditionell Brot gereicht wird, so bedenken Sie bitte, dass dieses nicht zum „satt essen“ gedacht ist. Mancher Gastgeber würde ein zu engagiertes Zugreifen beim Brot sogar so deuten, dass Ihnen das von ihm zubereitete Essen nicht schmeckt.

Aufwischen von Soße mit einem Brotstück:

In den südlichen Ländern (zum Beispiel Italien oder Spanien) ist es durchaus üblich, das Brot als „Soßenträger“ und damit auch zum Aufwischen von Soße zu verwenden. Das zeigt sich auch daran, dass das Brot dort vor allem Weißbrot mit keinem oder geringem Eigengeschmack ist. In Verbindung mit der Soße verfälscht es also nicht den Geschmack der Speisen.

Ein „deutsches“ Grau- oder Schwarzbrot hat jedoch einen Eigengeschmack, der möglicherweise die aufgenommene Soße überlagern würde. In Deutschland gilt es also immer noch als unfein, mit Brotstückchen die Soße aufzutunken, bei unseren Nachbarn in Frankreich, Italien und Spanien ist dies durchaus Brot-Knigge gerecht.

Besonderheiten beim „Brot-Tunken“:

Insbesondere in italienischen Restaurants finden Sie häufiger ein Schälchen mit Olivenöl und Aceto Balsamico (Balsamessig) in der Tischmitte. In dieses Schälchen dürfen Sie auch gemäß Brot Knigge Empfehlung getrost Ihr Brot tunken (das abgebrochene Bröckchen und nicht das ganze Stück) und dieses dann verzehren.

Diese Sitte stammt tatsächlich noch aus dem Mittelalter. Damals gab es keine Möglichkeit Brot zu konservieren, deshalb wurde das Brot zwangsläufig sehr hart. Die einzige Möglichkeit, dieses Brot noch zu verzehren, war es dieses in Olivenöl zu tauchen. Damit es wieder weich wurde.