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Nur jede zehntausendste Stelle für digitale Nomaden geeignet

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland bot 2016 die Möglichkeit, zumindest teilweise von zuhause aus zu arbeiten. Dies hat eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben. Doch wie verbreitet ist die Perspektive, längere Zeit völlig ortsunabhängig tätig zu sein? Digitale Nomaden sind auf dem Vormarsch – das belegen etwa Konferenzen wie die DNX in Berlin, die sich diesem Lebens- und Arbeitsstil widmen und bis zu 1.000 Teilnehmer anlocken. Die Metajobsuchmaschine Joblift wollte es genauer wissen und untersuchte die rund 1.400 Stellenanzeigen der letzten beiden Jahre, die ein solches Arbeiten aus der Ferne anbieten. Am häufigsten (zu insgesamt 39 Prozent) richteten sich diese an Programmierer, Texter, Marketingangestellte, Datenanalysten und Vertriebsexperten.

Nur 0,01 Prozent des Online-Stellenmarktes „nomadentauglich“

1.386 Stellenanzeigen stellten in den letzten 24 Monaten die Möglichkeit in Aussicht, eine Tätigkeit dauerhaft unabhängig von einem festen Standort zu verrichten. Auch wenn die Zahl der Jobs für digitale Nomaden zunächst relativ hoch erscheint, machten diese nur 0,01 Prozent des knapp 16.800.000 umfassenden Online-Stellenmarkts der letzten beiden Jahre aus. Zum Vergleich: 178.749 Jobanzeigen, also rund ein Prozent aller Inserate, führten im selben Zeitraum das Angebot auf, zumindest gelegentlich von zuhause aus zu arbeiten. Da diese Zahl deutlich geringer ist als das Ergebnis der eingangs genannten Umfrage, kann man vermuten, dass nur ein Bruchteil der Unternehmen dieses Arbeitsmodell auch in ihre Stellenbeschreibungen aufnimmt.

Ein Fünftel der Stellen richtet sich an Programmierer

Positionen in der Softwareentwicklung bieten am häufigsten die Chance, bürounabhängig tätig zu sein. Insgesamt 267 Anzeigen, rund 19 Prozent der analysierten Jobs, richteten sich an Programmierer. Besonders beliebt waren dabei Java, JavaScript, Fullstack und PHP Entwickler mit jeweils 35, zwölf und zehn (im Falle der beiden letztgenannten Spezialisierungen) Nennungen. Es folgen Texter mit 104 (8 Prozent) und Marketingfachkräfte mit 63 (fünf Prozent) Stellenanzeigen. Den Rängen vier und fünf lassen sich Datenanalysten und Vertriebsangestellte mit 52 und 50 Inseraten beziehungsweise je vier Prozent aller Stellen zuordnen.

Die Option, einer Tätigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg mobil und von unterschiedlichen Orten aus nachzugehen, scheint darüber hinaus besonders attraktiv für Arbeitssuchende. Joblift verglich die Dauer, über die die oben genannten fünf Berufe mit und ohne Möglichkeit der Distanzarbeit hinweg ausgeschrieben waren. Beinhalteten die Anzeigen die Berechtigung, aus der Ferne zu arbeiten, so blieben sie im Median nur 17 Tage online geschaltet, während die Vakanzen ohne dieses Angebot 27 Tage lang aktiv waren. Insbesondere bei stark nachgefragten Berufsgruppen wie Programmierern kann die Arbeit ohne Präsenzpflicht demnach als Mittel gegen den Fachkräftemangel eingesetzt werden – vorausgesetzt, die Firmen bringen den Angestellten ausreichendes Vertrauen entgegen.