„Jeder hat ein starkes Bedürfnis danach, Freunde zu finden“

Das weltweit größte Netzwerk für Expats, InterNations, wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Wir sprachen mit einem der Gründer und CEOs, Malte Zeeck, über den Verkauf des einstigen Start-ups, über die Gründungsidee und den Nutzen der Plattform für Menschen im Ausland.

Expat News: Sie haben erst kürzlich InterNations an die Karriereplattform XING verkauft. Was wird sich für Ihre 2,7 Millionen Mitglieder weltweit ändern, und inwieweit werden diese von dem Verkauf profitieren?

Zeeck: Zunächst einmal bleibt InterNations autark und wird auch als eigenständige Marke weitergeführt werden. Mit der Unterstützung von XING wollen wir in den nächsten Monaten die Bereiche Expat-Services und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen aus den entsprechenden Branchen, wie zum Beispiel Umzugsunternehmen, Sprachschulen, Versicherungen oder Finanzberatern stärker ausbauen. Wir haben nämlich festgestellt, dass viele unserer Mitglieder, ob nun selbst im Ausland arbeitstätig oder ihren Partner begleitend, ihren Umzug ins Ausland als kompliziert und zeitaufwändig wahrnehmen. Außerdem haben auch die mitreisenden Partner ein großes Bedürfnis nach Unterstützung. Mit dem Aufbau eines konkreten Service-Portals für im Ausland lebende Berufstätige und Familien, das die Suche nach professionellen Unterstützungsleistungen erleichtert, wollen wir den Eingewöhnungsprozess im Ausland vereinfachen. Unabhängig davon wollen wir zukünftig die Bedürfnisse von Großkonzernen stärker adressieren und eine internationale Betreuungslösung für im Ausland tätige Mitarbeiter anbieten. Hierfür kann das Unternehmen die InterNations-Mitgliedschaft seiner ausländischen MitarbeiterInnen und deren Lebenspartner an allen Standorten rund um die Welt im Sinne eines „Firmen-Abonnements“ direkt über uns abschließen und so das Einleben in die neue Heimat erleichtern.

Expat News: XING konzentriert sich vorwiegend auf den deutschsprachigen Markt, InterNations ist weltweit aktiv. Hätte die international agierende berufliche Plattform LinkedIn nicht besser zu Ihnen gepasst?

Zeeck: Nein, denn wir finden, dass unsere Unternehmenskulturen sehr gut zueinander passen. Uns beiden geht es nicht darum, lediglich Profile miteinander zu vernetzen, sondern vor allem Menschen. Wie auch wir ist XING davon überzeugt, dass persönliche Begegnungen besonders im digitalen Zeitalter unersetzlich sind. Bei beiden Unternehmen ist diese Überzeugung tief in der Unternehmensphilosophie und im Produktangebot verankert, und sie unterscheidet uns von allen anderen Netzwerken. Für eine fruchtbare Zusammenarbeit ist dies eine gute Voraussetzung. Zwar hat XING einen starken Fokus auf die DACH-Region, aber wenn ich an Angebote wie zum Beispiel die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu denke, die inzwischen zu XING gehört, dann sehe ich auch dort eine sehr internationale Ausrichtung. Wir glauben außerdem, dass wir einen sinnvollen Know-how-Transfer haben werden. Beispielsweise kann XING von unseren Erfahrungen im lokalen Offline-Netzwerken profitieren.

„Wir hatten die Idee, eine Plattform zu schaffen, die es Menschen im Ausland leichter macht, dort Fuß zu fassen.“

Expat News: Wie ist 2007 die Idee entstanden, InterNations zu gründen? Was war Ihre damalige Vision und welche verfolgen Sie heute?

Zeeck: Mein Freund und Mitgründer Philipp von Plato und ich haben selbst viel im Ausland gelebt. Ich war unter anderem als Journalist für verschiedene Fernsehsender in Indien, Brasilien und mehreren europäischen Ländern tätig, und er hat für die Beratungsgesellschaft McKinsey in Großbritannien und Kroatien gearbeitet. Abgesehen davon, dass es schon immer unser Traum war, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, hatten wir bei unserem Wiedersehen vor zehn Jahren die Idee, eine Plattform zu schaffen, die es Menschen im Ausland leichter macht, dort Fuß zu fassen. Wir haben selbst erlebt, wie schwierig es ist, in einer neuen Umgebung anzukommen und sich selbst die Basics erarbeiten zu müssen: Wo finde ich einen englischsprachigen Zahnarzt, wie finde ich eine angemessene Wohnung und vor allem, wo lerne ich neue Freunde kennen? Mit InterNations wollten wir eine Möglichkeit schaffen, schon vor dem Schritt in die Ferne mit Gleichgesinnten und Unterstützern vor Ort Kontakt aufzunehmen.

Uns wurde klar, dass dies nicht nur online funktioniert, sondern wir auch Events vor Ort anbieten müssen, damit sich die Leute kennenlernen können. Dies geschieht beispielsweise bei After-Work-Veranstaltungen. Inzwischen bieten wir weltweit monatlich rund 6.000 Veranstaltungen für Expats, Rückkehrer und weltoffene Menschen an. Bei der Organisation unterstützen uns unsere rund 100 Mitarbeiter aus rund 30 verschiedenen Ländern und tausende ehrenamtliche Helfer in der jeweiligen Community vor Ort, unsere Ambassadors und Consuls.

Expat News: Was spricht noch dafür, Mitglied bei InterNations zu werden?

Zeeck: Wir haben Communities in 390 Städten weltweit, deren Mitglieder sich durch große Weltoffenheit auszeichnen und das Ankommen in der neuen Heimat erleichtern. In den Foren erhalten Expats Antworten auf Fragen des Alltags, wie beispielsweise der lokale Immobilienmarkt aussieht oder welche Schule empfehlenswert ist. Außerdem können sie sich dort Country- und City Guides mit den wichtigsten Daten und Fakten zum Leben vor Ort herunterladen. Etwa 30 Prozent unserer Mitglieder sind Locals. Zu ihnen gehören auch die Repatriates, also Rückkehrer aus dem Ausland, die wissen, wie schwer es sein kann, woanders Anschluss zu finden. Sie können Neuankömmlingen wertvolle Tipps geben, weil sie aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen.

Expat News: Wie finanziert sich InterNations?

Zeeck: Im Wesentlichen durch zwei Einnahmequellen: Zum einen sind dies die Mitgliedsbeiträge und zum anderen durch Werbepartner wie beispielsweise Sprachschulen, Relocater oder internationale Versicherer. Wir bieten eine kostenlose Basis-Mitgliedschaft sowie ein Premiumformat, die nach Dauer der Mitgliedschaft gestaffelt sind. Wer beispielsweise bei InterNations in Deutschland Mitglied wird, zahlt für drei Monate 8,95 Euro monatlich, für ein halbes Jahr 6,95 Euro im Monat und für ein Jahr 5,95 Euro monatlich.

Expat News: Wer sind Ihre Wettbewerber?

Zeeck: Wettbewerber im engeren Sinne gibt es tatsächlich nicht. Es gibt keine Plattform, die genau so aufgestellt ist wie InterNations mit dieser Breite und Tiefe auf internationalem Niveau. Sicherlich konkurrieren wir in Teilbereichen mit anderen Diensten wie zum Beispiel Justlanded oder Expat.org. Manche Anbieter sind aber zum Beispiel nur in einer bestimmten Stadt oder Region sehr stark – wir sind wirklich weltweit präsent. Auch die Außenhandelskammern bieten gute Events, haben aber einen Fokus auf Unternehmensgründungen statt auf die Schaffung einer Community so wie wir.

„Wir haben es bereits sehr früh geschafft, Menschen weltweit zu erreichen“

Expat News: Was sind Ihre bislang größten Erfolge?

Zeeck: Wir haben es bereits sehr früh geschafft, Menschen weltweit zu erreichen. Allein die Tatsache, dass unsere Idee, Personen online und offline miteinander zu vernetzen, in der Praxis funktioniert hat, bewerte ich als sehr großen Erfolg. Jährlich nehmen insgesamt etwa 1,5 Millionen Mitglieder an unseren circa 6.000 Events und Aktivitäten teil. Persönlich finde ich es besonders schön, einen echten Einfluss auf das Leben von Menschen im Ausland zu haben. Jeder einzelne von uns hat ein starkes Bedürfnis, Freunde zu finden. Mich erfreuen immer wieder die positiven persönlichen Geschichten. So haben sich auch schon beste Freunde und Paare über InterNations kennengelernt.

Des Weiteren war die Modernisierung unserer Plattform ein Meilenstein für uns. Dazu gehörte etwa den Webauftritt responsive zu gestalten, so dass wir auf allen mobilen Endgeräten gut genutzt werden können. Und wir haben eine InterNations-App entwickelt, die das Vernetzen untereinander noch einfacher macht. Zu unserem zehnjährigen Jubiläum dieses Jahr streben wir zudem eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent an, und für 2018 erwarten wir einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich.

Über InterNations

Unternehmenssitz: München

Mitglieder insgesamt: 2,7 Millionen in 390 Städten weltweit

Anzahl an deutschsprachigen Mitgliedern:

Deutsche: ca. 147.000

Schweizer: ca. 28.000

Österreicher: ca. 21.000

InterNations bringt darüber hinaus jährlich die vielbeachtete Studie „Expat Insider“ heraus. Befragt werden rund 15.000 Personen aus 195 Ländern zu zahlreichen Aspekten ihres Lebens im Ausland und zu ihrer Person. Die Bewertungen aus diesen Einzelkategorien werden dann in unterschiedliche Themenfelder aufgeteilt: Lebensqualität, Eingewöhnung im Gastland, Arbeit und Finanzen, Familie und Lebenshaltungskosten.