Spielfiguren symbolisieren Ausgrenzung aus einer Gruppe

Wie interkulturelle Teamarbeit gelingt

Haben Sie sich schon einmal gefragt: „Was ist überhaupt Kultur?“ Wie ist ihre Definition? Kultur ist ganz einfach gesagt das, was ich für richtig und für falsch, für normal und für nicht normal halte. Diese „Normalitäten“ lernt der Mensch von Geburt an. Es ist normal, für einen Deutschen, dass er seinen Gesprächspartner anschaut. Es ist normal, dass wir mit Messer und Gabel essen, „Guten Tag“ sagen und dabei unserem Gegenüber die Hand kräftig geben.

Bei der Begegnung mit Menschen aus einer anderen Kultur treffen wir auf andere „Normalitäten.“ Daher ist Kultur laut Myron Loss: „Das was dich zum Fremden macht, wenn du nicht zuhause bist.“ Soweit okay. Der Ethnologe Lothar Käser ergänzt: „Kultur ist eine Strategie zur Daseinsbewältigung.“ Diese Definition lässt erkennen, dass „Normalitäten“ Werte sind, die unser Werkzeug sind, um unser Leben erfolgreich zu gestalten. Begegnen wir aber Menschen mit einer anderen Strategie zur Daseinsbewältigung, reagieren wir oft verunsichert, weil wir merken, dass unsere Strategie nicht funktioniert beziehungsweise hinterfragt wird. Das fühlt sich häufig unangenehm an. Die Folge: Missverständnisse. Dabei spielt es keine Rolle wo wir uns befinden. Eventuell sind wir selbst der Ausländer oder wir haben es mit Ausländern zu tun, in Deutschland oder irgendwo auf der Welt.

„Menschen aus verschiedenen Kulturen tendieren dazu ihr jeweiliges Verhalten falsch zu verstehen. Die Folge davon ist Misstrauen.“ (Gert Jan Hofstede)

Bei einer Auslandsentsendung ist der Entsandte oft zunächst sehr motiviert, mit den Einheimischen gut „klar zu kommen“ und ihre Kultur kennen- und schätzen zu lernen. Allerdings ist dies auch ein großer Kraft- und Energieaufwand. Ich selbst kann mich gut daran erinnern, wie müde und erschöpft ich mich nach einigen Monaten fühlte. Zunächst verstand ich nicht warum dies so war, hatte ich doch große Freude an der Gastkultur und Sprache. Erst nach einiger Zeit realisierte ich, dass es nicht die Gastkultur, sondern die vielen anderen Kulturen in meinem internationalen Team waren, die mich stressten. Ich spürte, dass ich jedes Mal, wenn ich mit meinem amerikanischen Chef zusammentraf, mich anders verhalten musste als mit meinen thailändischen Kollegen. Ich musste meinen amerikanischen Hut aufsetzen. Traf ich meine Kollegin aus Malaysia musste der malaysische Hut gesucht werden. Auch ein englischer, schwedischer, südafrikanischer musste her. Allein die Kommunikation miteinander war so intensiv, dass es schwerfiel „nebenbei“ auch noch effektiv zu arbeiten. Kennen Sie das auch?

„Kultur ist das, was dich zum Fremden macht, wenn du nicht zuhause bist.“ (Myron Loss)

Wie können internationale Arbeitsgruppen erfolgreich sein?

Von grundlegender Bedeutung ist es zunächst, ein Verständnis der eigenen Kultur zu haben. Was ist mir eigentlich wichtig? Was sind meine Werte? Den meisten Menschen sind diese Dinge gänzlich unbewusst. Sie sind ja schließlich ganz normal. Als nächstes gilt es, zu überlegen mit welchen Kulturen ich es in meinem Team zu tun habe? Was genau uns auf dieser spannenden Entdeckungsreise helfen kann, darum geht es in der Fortsetzung.

Bis dahin überlegen Sie doch einmal: Waas ist für Sie normal in Bezug auf:

  • Höflichkeit – wann sagen Sie “danke” und wann “bitte”?
  • Was bedeutet es für Sie, die Wahrheit zu sagen?
  • Wie sollte Kritik geübt werden?
  • Was bedeutet Pünktlichkeit für Sie?
  • Ist es okay im beruflichen Umfeld, mit Vorgesetzten und Untergebenen Emotionen zu zeigen? Wenn ja, welche?
  • Welche Art von Gestik verwenden Sie häufig?
  • Schauen Sie einmal in den Spiegel, welchen Gesichtsausdruck halten Sie im Beruf für meist angebracht?
  • Wenn Sie dann noch nicht genug haben, überlegen Sie, wie das bei Ihren Kollegen mit einem anderen kulturellen Hintergrund ausschaut.

Viel Spaß dabei!

Der Autor

Jochen Schuppener ist Interkultureller Berater (M.A.) und staatlich anerkannter Auswandererberater (AusWG) sowie Team Management Systems™ Berater

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