Kluge Köpfe dank interkultureller Kompetenz

„Diversity“ entwickelt sich nun auch in Deutschland zu einem bestimmenden Trend im Personal-Management. Dieser Eindruck bleibt insbesondere nach dem 8. Interkulturellen Kongress in Passau. Veranstalter des Branchentreffs ist die auf Relocation und Interkulturelles Training spezialisierte ICUnet AG.

Diversity Management und langfristige Personalentwicklung

Den Referenten zufolge bedeutet Diversität im Personalbereich möglichst gemischt zusammengesetzte Teams zusammenzustellen, weil diese aufgrund der Vielfalt an Erfahrungen und Charakteren die besten Ergebnisse liefern. Interkulturelle, gemischt geschlechtliche und mit unterschiedlichen speziellen Fähigkeiten ausgestattete Mitarbeitergruppen hätten demzufolge das Potenzial Kundenbedürfnissen und der Internationalisierung der Märkte ideal gerecht zu werden. Und geschickt zusammengestellte Teams ziehen wiederum kluge Köpfe an.

Ursula Schwarzenbart, Direktorin für Global Diversity Office & Performance und Potential Management der Daimler AG, machte in ihrem Vortrag über Diversity Management deutlich, wie viel Deutschland in diesem Bereich noch aufzuholen hat: „In Indonesien sind 29 Prozent der Top Management Positionen mit Frauen besetzt, in Deutschland sind es weniger als fünf Prozent davon“. Auch Beatrice Achaleke, österreichische Soziologin und Rechtswissenschaftlerin mit afrikanischen Wurzeln befasste sich in ihrer Präsentation mit Diversity. Als CEO von Diversity Leadership rät sie Unternehmen: „Ein gutes Diversity Management muss in das Gesamtkonzept der Firma eingefügt werden.“

Beispiellos gelungene Integration und neue Wirtschaftskontrahenten

Wie sich Personen mit einem fremden Background in Deutschland ihre interkulturellen Wurzeln zunutze machen können und so überdurchschnittlich erfolgreich sein können, berichtete Amir Roughani, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Vispiron AG in einem Vortrag über seinen beispiellosen Lebensweg. Dieser kam mit elf Jahren als Flüchtling aus dem Iran nach Berlin – ohne Deutschkenntnisse, aber mit dem Ehrgeiz, fernab der Heimat eine Karriere zu starten. Mit 27 Jahren gründete er sein eigenes Technologie-Unternehmen, das inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt. Zudem ist er mit 75 Prozent an der Deutsche Solar-Werke GmbH & Co KG beteiligt. Roughanis persönliches Erfolgsgeheimnis: „Ich habe dem Kegeln meine Integration zu verdanken“, bemerkte er dabei zwinkernd. „Der Sport ist eine der besten Gelegenheiten, um in fremden Ländern Anschluss zu finden.“

Einer der Top-Referenten war Professor Dr. Hermann Simon (Foto links), der den Begriff „Hidden Champions“ geprägt hat und als Vorstandsvorsitzender von Simon-Kucher and Partners zukünftig zwei globale wirtschaftliche Kontrahenten sieht: Europa und Afrika stehen als Eurafrica dem chinesischen und amerikanischen Markt – Chimerica – im Wettbewerb gegenüber. Vor allem sollte der asiatische Markt differenziert betrachtet werden, rät er: „Indien und China werden immer in einem Atemzug genannt, könnten verschiedener aber nicht sein.“

Was der Kunde wirklich denkt

Der ausgewiesene HR-Experte Professor Dr. Wayne Brockbank berichtete in einer Dinner Speech am Galaabend über Outside-In-Perspektiven (Erläuterung: Was erwarten Kunden von Dienstleistern und wie nehmen sie diese wahr.) bei Unternehmen wie FedEx oder Medtronic. So hat FedEx ihre Vision von den Mitarbeitern aus Kundenperspektive formuliert. „IT’S YOUR JOB not to screw this up or make any mistakes or drop the ball or blow the game. Get it there faster, and quicker and more reliably and more efficiently…” Als Dozent an der University of Michigan’s Ross School of Business prognostiziert Brockbank, dass sich die neuen Kernkompetenzen vom technischen Know-how hin zu interkulturellen Fähigkeiten entwickeln: „Culture as the new core competence.“

Praxis-Workshops und Einsichten eines Diplomatenpaares

Neben praxis-orientierten Workshops beispielsweise zu Altersvorsorge für Expatriates (AEGON Global Pensions) oder Krisenfälle bei Geschäftsreisen (Allianz Global Assistance) sprach Dr. Wolfgang Heubisch, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst über die Internationalisierung der Hochschullandschaft. „Im globalen Dorf können wir auf internationale Zusammenarbeit nicht mehr verzichten“, betonte er dabei. Stephan Piwanski, Bereichsleiter Corporate HR der SMA Solar Technology AG, gab Einblicke in die globale Personalpolitik seines Arbeitgebers. Bei allen Strategien und Visionen im HR-Management, sollte jedoch eines nicht vergessen werden: „Mitarbeiter sollen das machen, was sie am besten können“, rät der Experte.

Bei der Auftaktveranstaltung zum 8. Interkulturellen Kongress berichtete das Diplomaten-Ehepaar Wolfgang Ischinger und Jutta Falke-Ischinger (Bild links mit Daniel Auwermann von ICUnet) über seine ganz persönlichen Erfahrungen in Großbritannien und den USA. Vor allem in Washington spiele die politische Macht des Ehemannes auch für das Knüpfen von Freundschaften eine bedeutende Rolle, berichtete Jutta Falke-Ischinger. Botschafter Ischinger ergänzte: „Die kleinsten Staaten können die besten Netzwerke haben.“

Einfluss von Social Media auf die globale Arbeitswelt

Aus Sicht von Oliver Ueberholz ist das Erfolgsgeheimnis für gute Social Media nicht ausschließlich über die Plattform Facebook zu erreichen. „Allerdings finden 39 Prozent der Menschen ein Unternehmen attraktiv, wenn es eine gut gepflegte Facebook-Seite hat“, meint der Geschäftsführer der mixxt GmbH. Sein Rat an Unternehmen: Die teils radikalen Veränderungen im globalen Netz machen auch vor der Arbeitswelt nicht halt. Junge und international denkende Talente erheben neue Ansprüche an ihre zukünftigen Arbeitgeber, an die Unternehmenskultur und die –kommunikation. In den Chefetagen und Personalabteilungen ist ein Umdenken notwendig.

Nächster Interkultureller Kongress 11. bis 13. Oktober 2012

Der Interkulturelle Kongress lädt seit acht Jahren Fach- und Führungskräfte zum Dialog ein. Bislang nahmen mehr als 2.000 Besucher teil. Davon sind dem Veranstalter zufolge rund 60 Prozent Entscheider aus dem Personalbereich, 15 Prozent stammen aus der Unternehmensführung und die anderen Teilnehmer kommen aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Expatriates und Young Professionals. Rund zehn Prozent der Gäste gehören dem internationalen Beratungsumfeld an.

Foto links: Galaabend des 8. Interkulturellen Kongresses in Passau

Fotos: ICUnet GmbH

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