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Stilsicher in den Urlaub: Welche Kleidung angemessen ist

Weit mehr als die Hälfte (62 Prozent) der Deutschen waren ihre eigenen Landsleute im Ausland aufgrund ihrer Kleidung schon einmal richtig peinlich, wie eine aktuelle Umfrage von Reader’s Digest herausgefunden hat. Getoppt wird das kollektive Fremdschämen nur noch von der herablassenden Art (69 Prozent), die manche Bundesbürger in der Ferne an den Tag legen, von Trunkenheit am Urlaubsort (67 Prozent) und übertriebenen Beschwerden (64 Prozent).

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Dass die Deutschen in Sachen Mode nicht gerade die stilsichersten Erdenbürger sind, ist gewissermaßen ein alter Hut. Einer anderen Erhebung zufolge, welche die Reisesuchmaschine Momondo in Auftrag gegeben hat, werden sie jedoch von anderen Nationen als deutlich stilsicherer angesehen als ihr Ruf. Unter 12.000 Befragten wurden sie tatsächlich zu den bestangezogensten Touristen gekürt – noch vor den Norwegern und Niederländern. Auch auf die Frage, ob es ihnen wichtig sei, im Urlaub schöne Kleidung zu tragen, lautete bei 43 Prozent die Antwort „ja“. Nur etwa jeder fünfte Deutsche (19 Prozent) legt im Urlaub weniger Wert auf gutes Styling.

Regeln des Gastlandes über Kleidung ernstnehmen

Unabhängig davon, ob einem stilvolle Kleidung auf Reisen wichtig ist, sollte man als Gast in einem anderen Land gewissen Grundregeln folgen. Und eine davon lautet: Gut verpackt ist allemal besser als nicht verpackt. Leider zeigt sich in der Realität jedoch häufig, dass die Hüllen fallen, sobald die Sonne scheint. Doch vor allem in religiösen Ländern wie im erzkatholischen Italien und Polen beispielsweise oder in islamisch geprägten Staaten wie Dubai oder Malaysia kann ein allzu freizügiges Auftreten in der Öffentlichkeit und am Strand ernste Sanktionen bis hin zu Freiheitsentzug nach sich ziehen. Auch bei Städteurlauben, in denen Touristen sich gerne historische Kirchen oder Tempelanlagen anschauen, wird ihnen schnell der Zugang verwehrt, wenn Schultern, Beine und bei den Frauen das Dekolleté nicht bedeckt sind.

Mit den Reizen bitte geizen

Kurze Hosen etwa in Form von Shorts, Spaghettiträger-Tops und –kleidern bei den Frauen und Hawaii-Hemden bei den Männern gelten nach einhelliger Meinung von Stilexperten nur am Strand als angemessen, nicht aber etwa in Restaurants und Einkaufszentren. Bei der Wahl der richtigen Garderobe für den Urlaub ist folgender Leitsatz ratsam: Mit seinen Reizen sollte man geizen. Frauen und Mädchen machen beispielsweise nichts falsch, wenn sie am Strand über Bikini und Badeanzug eine luftige Tunika tragen. Damit können sie sich auch problemlos an der nächsten Strandbar zeigen. Für die Herren der Schöpfung sind helle, luftige Leinenhosen in warmen Regionen nicht nur angenehm zu tragen, sondern auch schön anzusehen. Die berühmten Socken in Sandalen sind leider mehr als nur ein Klischee, sondern noch allzu oft ein reales Bild. Wenn es schon Sandalen sein sollen, dann bitte ohne Socken. Deutlich stilsicherer als diese sind hingegen Loafer (auch Slipper oder College-Schuhe genannt) aus weichem, dünnen Leder.

In manchen Ländern ist neben langen Oberteilen und Hosen bzw. langen Kleidern und Röcken insbesondere an heiligen Stätten auch eine Kopfbedeckung Pflicht. Modekenner empfehlen deshalb, immer einen klassischen Panamahut im Gepäck zu haben. Dieser erweist sich in vielerlei Hinsicht als sehr praktisch. Zum einen steht er Mann wie Frau, er kann außerdem knitterfrei zusammengerollt in den Koffer gepackt werden und er ist zudem ein idealer Sonnenschutz, wenn die Sonne tagsüber auf das Haupt scheint.

Richtig angezogen in… – Kurzer Kleider-Knigge für ausgewählte Urlaubsländer

Australien: In „down under“ ist die Kleiderordnung sehr locker, legere Kleidung ist selbst im Restaurant kein Problem. Sich „oben ohne“ am Strand zu zeigen wird toleriert, zudem gibt es ausgewiesene FKK-Bereiche.

Brasilien: Elegante Kleidung wird bevorzugt, Frauen dürfen sich auch gerne mal freizügig anziehen. Aber Vorsicht: Trotz der brasilianischen Lockerheit und typisch knapper Bikinis gilt Hüllenlosigkeit am Strand als Erregung öffentlichen Ärgernisses.

China: Offenherzige Kleidung ist nicht gerne gesehen. Insbesondere von Frauen wird dezente Kleidung erwartet. Vermeiden Sie weiße Anziehsachen, denn Weiß gilt in China als Farbe der Trauer. Am Strand sollten Damen mindestens einen Badeanzug tragen, üblich ist darüber hinaus ein leichter Übermantel – sowohl zum Schutz vor der Sonne als auch vor Blicken.

Dubai: Das Emirat ist zwar sehr weltoffen und es besteht für Frauen auch keine Schleierpflicht, dennoch sollten Touristen sich kleidungstechnisch möglichst bedeckt halten. In die beliebten Shopping Malls kommt man inzwischen nur noch herein, wenn Schultern, Dekolleté und Knie bedeckt sind. In Privatwohnungen zieht man übrigens die Schuhe aus.

Griechenland: Wenngleich die Griechen einiges bei Touristen tolerieren, so mögen sie die typische Urlauberkleidung keinesfalls. Frauen in knapper Kleidung werden schnell abgestempelt und zu knappe Kleidung wird als Zeichen geringer Bildung interpretiert. „Oben ohne“ am Strand wird toleriert und es gibt inzwischen sogar ausgewiesene FKK-Bereiche.

Italien: Italiener legen sehr viel Wert auf elegante Kleidung, sogar die Freizeitsachen sind in der Regel chic. Kurze Hosen in Kirchen sind selbst bei Männern tabu. Generell sollten sich auch Frauen nicht allzu freizügig kleiden. FKK ist an Stränden verboten – vielerorts gilt dies sogar auch für kleine Kinder.

Kenia: Legere Kleidung ist dort kein Problem, allerdings wird in guten Restaurants oder bei feierlichen Anlässen eine elegante Garderobe erwartet. Bei Frauen sollte diese immer bis über die Knie reichen und nie zu freizügig ausfallen, da Teile der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind. In Sachen FKK versteht die Polizei von Kenia überhaupt keinen Spaß.

Mexiko: Bequeme Kleidung ist durchweg akzeptiert, dennoch sind etwa kurze Hosen nicht besonders gerne gesehen. Auch dort gilt, wer in schönen Restaurants speisen möchte, sollte sich entsprechend elegant anziehen. „Oben ohne“ Baden ist grundsätzlich verboten, aber es gibt ausgewiesene Nacktbadestrände.

Spanien: Die Spanier legen großen Wert auf einen modischen und angemessenen Kleidungsstil. Auch wenn das Volk bei Touristen typische Urlauberkleidung gewöhnt ist, so wird diese keineswegs geschätzt. „Oben ohne“ Baden ist mittlerweile überall erlaubt oder mindestens geduldet. Dennoch sind viele Spanier sehr konservativ.

Thailand: In dem buddhistisch geprägten Land gelten Füße als unrein – egal ob in Schuhen oder nicht. Dennoch dürfen in der Regel weder in Tempeln, Privatwohnungen und oft auch in Geschäften keine Schuhe getragen werden. Zu viel Haut zu zeigen, sollten Sie ebenfalls vermeiden. Es hilft, stets eine leichte Strickjacke, ein Halstuch oder einen dünnen Schal dabei zu haben.

USA: Die Amerikaner haben in punkto Mode in der Regel weder bei sich noch bei anderen besonders hohe Ansprüche. Vor allem in der Freizeit ist es absolut üblich, sich sehr legere zu kleiden. Allzu freizügig sollte man allerdings nicht in der Öffentlichkeit gekleidet sein.

Die Autorin Marlene Berger ist Online-Redakteurin und schreibt regelmäßig Beiträge rund um Lifestyle, Reisen und Gesundheit.