© sutiporn - Fotolia.com

Start-up-Szene in Vietnam blüht dank Rückkehrern

Viele ehemalige Vietnamflüchtlinge kehren heute in ihr Heimatland zurück und tragen dazu bei, dass sich dort eine lebendige Start-up-Szene etabliert hat. Auslandsvietnamesen sind indes die treibende Kraft der vietnamesischen Wirtschaft. Im letzten Jahr überwiesen sie 13,2 Milliarden Dollar in ihr ehemaliges Heimatland, eine Steigerung von 900 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000, wie die Weltbank berichtet.

In der Zeit nach dem Vietnamkrieg flüchteten viele Menschen aus dem Land, als eine repressive kommunistische Regierung politisch Andersdenkende verfolgte, folterte, in Umerziehungslager steckte oder gar tötete. Bis 2010 fanden allein in den USA 1,5 Millionen Vietnamesen eine neue Heimat, während viele andere in Australien, Kanada und Europa ansässig wurden. Der Kommunismus existiert zwar in Vietnam immer noch, jedoch fördert die Regierung heute aktiv Investments im Technologie-Sektor.

Regierung umwirbt ehemalige Flüchtlinge

„Die Zeit heilt alle Wunden“, sagt Than Trong Phuc, der einst mit einem Helikopter von der US-Botschaft aus dem Land floh und heute als Vietnam Country Manager des Halbleiterspezialisten Intel stark daran beteiligt war, dass der Konzern eine Milliarden Dollar in Vietnam investiert. Taiwan, China, Indien und andere Staaten haben über Jahrzehnte von den Heimkehrern aus dem Silicon Valley und anderen Technologie-Zentren profitiert. Nun versucht Vietnam ebenfalls, diesen Weg einzuschlagen und erhält dabei sogar noch höhere Investitionen, erzählt Phuc. Die Regierung unterstützt die Rückkehr der ehemaligen Flüchtlinge mit Anreizen wie einem Visum für fünf Jahre und zollfreien Importen von gebrauchten Autos. Ein 40 Millionen Dollar teurer Technologie-Park in Ho-Chi-Minh-Stadt wird gerade fertiggestellt, Steuererleichterungen und Mietunterstützungen sollen ausgewanderte Vietnamesen zur Rückkehr bewegen.

Hinzu kommt die vorteilhafte demographische Entwicklung des Landes im Vergleich zu den meisten Industrieländern, mit einer jugendlichen Bevölkerung und einer wachsenden Mittelklasse. Dazu gibt es ein Wirtschaftswachstum von 6,4 Prozent im dritten Quartal, in Südostasien nur noch von den Philippinen übertroffen. „Wir sehen Vietnam nicht als ein Land mit schmerzvollen Kriegsnarben, sondern als Land mit unglaublichem Wachstumspotential“, erklärt Binh Tran, ein vietnamesischer Investor, der mit eineinhalb Jahren aus dem Land floh. Das Bildungssystem setzt auf eine gute mathematische und wissenschaftliche Ausbildung, erklärt Tran gegenüber „Bloomberg“. Zudem sei Vietnam verliebt in Start-ups. „Es scheint, als gäbe es jeden zweiten Tag einen Hackathon oder Pitch-Wettbewerb.

Vergangenheit als Geschäftshürde

Das Erbe des Krieges ist jedoch noch immer eine große Hürde für viele Auslandsvietnamesen, in ihr Land zurückzukehren. „Viele Auslandsvietnamesen meines Alters meinen, dass sie wegen dem, was ihre Eltern durchmachen mussten, niemals Geschäfte mit und in Vietnam machen könnten“, erzählt der 33-jährige Don Phan, der nach dem dem Studium in den USA nach Vietnam zurückkehrte und einen E-Commerce-Store für Babyprodukte gründete. Sein Vater wurde als Verräter eingesperrt, während seine Mutter als „Kapitalistin“ in einem Umerziehungs-Camp landete, ehe ihnen die Flucht gelang. Für ihn sind seine Fähigkeiten der Schlüssel zur Veränderung der vietnamesischen Gesellschaft: „Ich bin ein Technologie-Typ, der versucht, dabei zu helfen, eine Start-up-Kultur in dem Land aufzubauen, um Vietnam aufzurütteln.“

Quelle: www.pressetext.com