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Was Auslandsstudenten in Deutschland wissen sollten

Ganze 321.569 ausländische Studierende waren im Jahr 2015 an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Damit zählt Deutschland zu den fünf beliebtesten Gastländern weltweit. Das hat eine Erhebung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ergeben.

Besonders beliebt sind deutsche Unis bei Studenten aus China, Russland, den USA und der Ukraine sowie in Masterprogrammen mit Entwicklungsländerbezug. (siehe auch Infokasten).

Etwa jeder zehnte Student kommt aus dem Ausland

Seit dem Wintersemester 1998/99 liegt der Anteil ausländischer Studenten hierzulande relativ konstant zwischen 9,2 und 12,5 Prozent. Damit ist durchschnittlich mehr als jeder zehnte Studi ein Gast aus einem anderen Staat. Die meisten zieht es dabei laut dem Statistischen Bundesamt in die Bundeshauptstadt Berlin, wo im Studienjahr 2015 17,3 Prozent Auslandsstudis eingeschrieben waren. An zweiter und dritter Stelle folgen Brandenburg (14,5 Prozent) und Bremen (14,4 Prozent). Die Schlusslichter bilden Schleswig-Holstein (7,5 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (6,6 Prozent).

Die meisten angehenden Akademiker aus dem Ausland zieht es dabei an Universitäten, wo aktuell 229.063 Personen mit ausländischem Pass eingeschrieben haben (siehe Grafik).

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Mehr Statistiken finden Sie bei Statista.

Die meisten bleiben in Deutschland

Besonders erfreulich angesichts des vielbeschworenen Fachkräftemangels ist die Tatsache, dass die meisten von ihnen beabsichtigen, nach dem Studium in Deutschland zu bleiben. So sagt jeder fünfte, dass er ganz bestimmt seinen Aufenthalt hierzulande fortsetzen wird. Mehr als jeder Dritte hält es immerhin für sehr wahrscheinlich. Lediglich fünf Prozent sind sich ganz sicher, dass sie Deutschland nach Studienende verlassen werden (siehe Grafik).

Auslandsstudenten (Quelle: Esser et al. (2014): Evaluationsbericht STIBET)

(Quelle: Esser et al. (2014): Evaluationsbericht STIBET)

Wer in der Bundesrepublik studiert, profitiert von einem sehr guten und altehrwürdigen Hochschulsystem, das in aller Welt sehr anerkannt ist. So gut organisiert das Leben hierzulande auch ist, vorbereiten sollten sich interessierte ausländische Studenten dennoch, denn es gibt einige Dinge, die man als Student wissen muss.

7 Dinge, über die Auslandsstudenten an deutschen Hochschulen Bescheid wissen sollten:

  1. Nicht alles ist kostenlos

Bildung soll allen Menschen, egal aus welcher Gesellschaftsschicht sie kommen, frei zugänglich sein. Deshalb war das Studium lange Zeit kostenlos. Mitte der 90-er Jahre wurden allerdings in den meisten Bundesländern Studiengebühren eingeführt. Diese betrugen im Schnitt rund 500 Euro pro Semester. Viele Länder haben sie inzwischen wieder abgeschafft, aber eine Semestergebühr ist an allen Universitäten und Fachhochschulen fällig. Und besonders wichtig: Günstiges Studieren ist nur an den staatlichen Hochschulen möglich, die privaten Einrichtungen verlangen Studiengebühren, die es mit denen renommierter Unis im Ausland aufnehmen können.

  1. Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung

Studierende aus Nicht-EU-Ländern müssen ein Studentenvisum beantragen, um hier leben und arbeiten zu können. Dieses grenzt die Möglichkeit arbeiten gehen zu können auf 120 ganze oder 240 halbe Tage pro Jahr ein. Während des Semesters dürfen Studenten nur 20 Stunden pro Woche arbeiten. Immerhin sind die Lebenshaltungskosten in deutschen Städten in der Regel niedriger als in amerikanischen oder britischen Städten. Dies gilt insbesondere für Miete, Lebensmittel, Krankenversicherung und öffentliche Verkehrsmittel.

EU-Bürger können zudem BAföG beantragen. Dabei handelt es sich um eine Finanzspritze, die zur Hälfte ein Zuschuss vom Staat ist und zur anderen Hälfte ein Darlehen darstellt, das später zinsfrei zurückgezahlt werden muss. Wer keinen EU-Pass hat, bekommt nur in absoluten Ausnahmefällen BAföG.

  1. Hilfe und Ansprechpartner

Jede Universität und Fachhochschule in Deutschland hat ein Akademisches Auslandsamt (AAA) oder International Office (IO). Diese helfen Studenten aus dem Ausland bei allen organisatorischen Fragen rund ums Studium. Die akademischen Auslandsämter beraten und betreuen internationale Studierende unter anderem in Fragen der Studienfinanzierung und Hochschulzugangsberechtigungen sowie bei der Wohnungssuche.

  1. Die wichtigsten Regeln kennen

Dazu gehört es, sich eine gültige Krankenversicherung zu organisieren, denn ohne diese kann man sich nicht an der Hochschule einschreiben. Wer aus dem EU-Ausland kommt, kann sich seinen Krankenversicherungsschutz dank einer entsprechenden EU-Verordnung anerkennen lassen. Nicht-EU-Bürger müssen in Deutschland eine Krankenversicherung abschließen. Dabei kann man aus einer Vielzahl von privaten und gesetzlichen Anbietern wählen.

Wer eine Zusage für den Studienplatz hat, muss sich an der Hochschule einschreiben, also immatrikulieren lassen. Erst wenn man eingeschrieben ist, kann man die Bibliothek benutzen, Vorlesungen oder Seminare besuchen und Prüfungen absolvieren.

Ausländer, die nach Deutschland kommen, müssen sich innerhalb von einer Woche beim Einwohnermeldeamt registrieren lassen. Dort erhält man eine Meldebescheinigung, die unter anderem für die Wohnungssuche und für das Eröffnen eines Bankkontos essenziell ist.

  1. Das Studium organisieren

In Deutschland muss sich jeder seinen Stundenplan selbst zusammenstellen. Für gewöhnlich gibt es für jeden Studiengang ein Modulhandbuch (in der Regel auch online), in dem die Veranstaltungen, die man besuchen und bestehen muss, aufgeführt sind, um seinen Abschluss zu bekommen. Neben den Pflichtveranstaltungen gibt es auch so genannte Wahlpflichtveranstaltungen, bei denen man aus verschiedenen Angeboten wählen kann. Hilfreich für die Zusammenstellung sind auch das kommentierte Vorlesungsverzeichnis (KVV), der Studienverlaufsplan sowie die Studien- und Prüfungsordnung.

Viele Auslandsstudenten bekommen zu Beginn des Semesters einen „Buddy“ an ihre Seite gestellt, der in der Eingewöhnungsphase mit Rat und Tat zur Seite steht und das deutsche Unisystem erläutern kann.

  1. Sprachkenntnisse

In den deutschen Metropolen können sich Ausländer auch ohne Deutschkenntnisse gut durchschlagen, denn viele Deutsche beherrschen Englisch. Manche Studiengänge werden sogar hierzulande auf Englisch angeboten. Trotzdem ist das Erlernen der deutschen Sprache A und O, um mit den Behörden zurechtzukommen und vor allem, um Freunde zu gewinnen und später einen Job zu finden.

  1. Deutsche Hochschulen verlangen Eigeninitiative

Wer beispielsweise in den USA ein College besucht und dafür 50.000 Dollar pro Jahr bezahlt, kann dort zahlreiche Services in Anspruch nehmen, die das Studentenleben erleichtern. Verpasst man etwa eine Vorlesung, fragt ein eigens dafür bezahlter Studienberater nach, was mit einem los ist und bietet Hilfe an. Diesen Luxus kann man in Deutschland nicht erwarten. Wer seinen Studienalltag nicht geregelt bekommt, ist selbst schuld. Wie Studenten hierzulande ihr Examen bestehen, hängt davon ab, wie regelmäßig Kurse besucht worden sind, wie gut man in der Lage ist, sich selbst Wissen anzueignen und vor allem wie man seinen Alltag strukturiert.

Wo die meisten Auslandsstudenten herkommen:

  1. China
  2. Russland
  3. Österreich
  4. Bulgarien
  5. Polen
  6. Türkei
  7. Ukraine
  8. Indien

(Quelle: DAAD)