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Warum Pinguine auswandern

An der antarktischen Küste lebt keine einzige Pinguinkolonie in Isolation. Kaiserpinguine bewegen sich rund um den vereisten Kontinent und pflanzen sich miteinander fort. Dadurch bilden sie eine einzige, rund um den Pol zusammenhängende Population. Obwohl der Großteil der Individuen zur Partnerwahl zum Brüten und für die Aufzucht der Jungen an die eigene Geburtsstätte zurückkehrt, migriert ein gewisser Anteil und siedelt sich bei anderen Kolonien an. Wie ein internationales Forscherteam entdeckt hat, wird so die volle genetische Durchmischung garantiert. Die Ergebnisse wurden kürzlich im prestigeträchtigen Journal Nature Communications publiziert.

Laut dem Centre National de la Recherche Scientifique der Universität Straßburg müssen alle betroffenen Pinguine plötzlich gleichzeitig einen neuen Brutplatz finden, wenn eine Pinguinkolonie plötzlich durch ein Naturereignis ausgelöscht wird, wie es zum Beispiel beim Kalben des Mertz-Gletschers passierte. In einer internationalen Forschungszusammenarbeit zwischen Frankreich, Österreich, Italien, Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Monaco und den USA analysierten die Wissenschaftler große Genom-Datensätze von Kaiserpinguinen, um daraus die genetische Struktur der Art abzuleiten und um die Migration zwischen sechs Kolonien von Kaiserpinguinen besser zu verstehen. Entlang der antarktischen Küste leben manche dieser Kolonien bis zu 8.000 Kilometer voneinander entfernt.

15 bis 20 Prozent der Tiere kehren nicht mehr in Geburtskolonie zurück

Wenn junge Pinguine die Kolonie, in der sie geboren sind, zum ersten Mal verlassen, verbringen sie zwei bis drei Jahre unterwegs, bevor sie nach einem Partner zur Paarung suchen. Durch direkte Beobachtung einer bestimmten Kolonie fanden die Forscher heraus, dass 15 bis 20 Prozent der Jungtiere nicht mehr in ihre Geburtskolonie zurückkehren. „Manche überleben nicht, aber wir wissen, dass circa fünf Prozent der Jungtiere eine neue Kolonie finden und dort bleiben“, so Emiliano Trucchi vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien. In manchen Fällen konnten die Forscher einen Rückgang der Anzahl der Tiere in einer Kolonie beobachten. Bislang dachte man, dass dies an ungünstigen Umweltbedingungen sowie einer hohen Todesrate liegt. Nun hat sich herausgestellt, dass es auch möglich ist, dass sich viele der Tiere einfach eine neue Kolonie gesucht haben.

Klimaveränderungen haben Konsequenzen für die Pinguine

Da Kaiserpinguine an der Spitze der antarktischen Nahrungskette stehen, reagieren sie besonders sensibel auf Klimaveränderungen und gelten dadurch auch als wichtiger Indikator des sensiblen antarktischen Ökosystems. Bisherige Modelle gingen davon aus, dass die Tiere nicht zwischen den Kolonien migrieren können. Es sind daher neue Modelle notwendig, um akkurate Vorhersagen über das zukünftige Schicksal dieser Art machen zu können. Die aktuelle Studie zeigt, dass jede einzelne Kolonie auf ein viel größeres genetisches Reservoir zurückgreifen kann als bisher gedacht und die Pinguine sich daher auch besser an Umweltveränderungen anpassen können.

Laut Trucchi ist die genetische Vielfalt das Rohmaterial für die Evolution, je vielfältiger, umso besser. In der Tat besteht die gesamte Art dieser Pinguine aus einer einzigen zusammenhängenden Population, weshalb diese Durchmischung von großem Vorteil ist. Da Kaiserpinguine den antarktischen Kontinent nicht aus eigener Kraft verlassen können, hat die globale Erwärmung insbesondere für sie drastische Konsequenzen. Wenn der Klimawandel weiterhin mit dem momentanen Tempo fortschreitet, könnte den Pinguinen nicht genügend Zeit bleiben sich anzupassen.

Quelle: Medienportal Universität Wien