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Finanzielle Organisation eines Auslandsaufenthalts

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“ Was Goethe schon wusste, beherzigen auch jedes Jahr viele Deutsche. Dies gilt natürlich nicht nur bei einem klassischen Urlaub, sondern erst recht bei einem längeren Auslandsaufenthalt.

Besonders bei jungen Menschen ist es sehr beliebt, einige Zeit im Ausland zu verbringen. Meistens tun sie dies vor ihrem Studium oder im Rahmen dessen. In diesem Lebensabschnitt, in dem sie noch unabhängig sind und sich ihre Zeit frei einteilen können, nutzen viele die Gelegenheit, eine andere Kultur und Sprache aus nächster Nähe kennenzulernen. Doch auch Berufstätige zieht es heutzutage innerhalb ihres Unternehmens zunehmend in die Ferne. Während letztere über ein geregeltes Einkommen verfügen, stellt sich bei ersteren oft die Frage der Finanzierung.

Populär bei jungen Menschen: Work and Travel

Ein sehr beliebtes Modell sind so genannte Work-and Travel-Reisen. Dabei lassen sich die jungen Leute während ihrer Reise durch das Zielland immer wieder zwischendurch für eine gewisse Zeit nieder, um mit einem zeitlich begrenzten Job die Reisekasse aufzufüllen. Man kann solche Trips entweder selbst planen oder sich an eine Organisation wie AIFS wenden. Das hat den Vorteil, dass neben den typischen Gelegenheitsjobs wie Kellnern oder der Arbeit auf einer Farm beispielsweise auch Tätigkeiten in Nationalparks zur Verfügung stehen. Solche Jobs sind für viele Reisende ein zusätzlicher Anreiz.

Studenten sollten das Erasmus-Programm nutzen

Anders sieht es bei Studenten aus. Hier ist die Zeit zum Arbeiten aufgrund der umfangreichen Herausforderungen des Studiums in einem neuen Land oft sehr begrenzt.

Deswegen sollten sie sich unbedingt für das Erasmus-Förderprogramm bewerben, welches ihnen zahlreiche Vorteile bietet. So werden etwa eventuell anfallende Studiengebühren an der Gastuniversität erlassen. Zusätzlich gibt es eine vom Gastland abhängige Förderung von bis zu 368 Euro pro Monat. Wer Ausbildungsförderung nach dem BAföG bezieht, kann dies im Ausland weiterhin tun.

Sicherlich ist auch hier ein gewisses Eigenkapital notwendig, wenn man im Ausland studiert. Die Erasmus-Förderung kann diesen Aufenthalt finanziell aber deutlich erleichtern.

Expats haben oft Schwierigkeiten mit den Steuern

Die Finanzierung eines Auslandsaufenthalts ist für Berufstätige hingegen nicht das Hauptproblem. Denn das feste Gehalt des Arbeitgebers sichert den Lebensunterhalt. Doch gerade deswegen stehen sie vor einem anderen Problem: in den meisten Fällen müssen sie nämlich auch ihre Steuern im Ausland entrichten.

Was im Heimatland schon kompliziert sein kann, ist in einem Gastland mit vielen anderen Bestimmungen und vor allem in einer fremden Sprache oft ein Ding der Unmöglichkeit. Wegen der sprachlichen Barrieren nützt oft auch der in Deutschland hilfreiche Gang zum Steuerberater eher wenig.

Wie kann man dieses Dilemma lösen?

Bevor man seinen Dienst als Expat antritt, sollte man sich bei einem Fachmann für das Steuerrecht im Gastland genauestens informieren. So verliert die erste Steuererklärung, die dort gemacht werden muss, viel von ihrem Schrecken.

Auch wenn dies erledigt ist: Die Theorie ist immer etwas anderes als die Praxis. Bei der Bearbeitung der Steuererklärung im Gastland werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Probleme auftreten. Um diese zu lösen, empfiehlt sich der Einsatz einer speziellen Steuersoftware. Solche benutzerfreundlich gestalteten Programme helfen auch unerfahrenen Usern dabei, ihre Steuererklärung schnell und korrekt zu erledigen.

Finanzen im Blick mit dem Auslandskonto

Für alle drei Gruppen gilt: Wer sich länger im Ausland aufhält, sollte auch vor Ort ein Konto einrichten. Egal ob Zahlungen von den Eltern daheim, Lohn für Work and Travel-Tätigkeiten oder einfach das Gehalt: Ein Konto direkt vor Ort erleichtert solche Vorgänge und sorgt auch dafür, dass man immer schnell und unkompliziert Zugriff auf sein Geld hat.

Schon vor der Abreise sollte man sich umfassend informieren und möglichst für eine passende Bank entscheiden. In vielen Ländern hat beispielsweise die Deutsche Bank Partnerunternehmen oder sogar eigene Filialen, wobei darauf geachtet werden sollte, wie flächendeckend diese vorhanden sind.

Einfacher wird es mit einer einheimischen Bank. Da es heutzutage sehr einfach ist, sich im Vorfeld über die verschiedenen Leistungen und Kosten zu informieren, kann man problemlos ein Kreditinstitut finden, das den eigenen Vorstellungen entspricht. Für Studenten wäre das etwa ein kostenloses Girokonto.

Trotz aller Transparenz ist aber Vorsicht geboten. Immer wieder fallen Menschen auf Betrüger herein, die falsche oder ungültige Formulare verschicken. Deswegen gilt der Grundsatz: Gerne vorher informieren, aber erst vor Ort in der Filiale etwas unterschreiben. Andernfalls drohen unangenehme Überraschungen.

Der Autor:

Stella Hirschlich ist freie Redakteurin und schreibt regelmäßig Beiträge zum Thema Leben und Arbeiten im Ausland.