In der Welt zu Hause – Trends im Schüleraustausch

Als junge Botschafter auf Zeit verbringen jährlich viele Tausend Schülerinnen und Schüler einen längerfristigen Aufenthalt im Ausland, wohnen klassischerweise in einer Gastfamilie und besuchen die dortige Schule. Bekannt sind diese mindestens dreimonatigen, individuellen Programme unter der Bezeichnung Schüleraustausch, High School Year oder Auslandsjahr.

Entstanden vor allem während der Nachkriegszeit durch den politischen Wunsch nach einer stärkeren Annäherung zwischen Deutschland und den USA, haben sich Schüleraustausch-Programme im Laufe der Zeit gewandelt: Mittlerweile stehen rund 60 Gastländer weltweit zur Wahl, bestimmte Regionen, Distrikte oder Schulen können ausgesucht werden und die Dauer der Programme variiert je nach Land, Schulsystem und persönlichen Wünschen zwischen drei Monaten bis zu ganzen Schuljahren.

USA auf Platz eins der Beliebtheitsskala deutscher Austauschschüler

Unverändert geblieben ist aber die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten von Amerika mit weitem Abstand auf Platz eins der Beliebtheitsskala deutscher Austauschschüler liegen – 6.250 Teilnehmer sind es im Schuljahr 2015/16. Der Grund hierfür? „Jugendliche kommen mit den USA in den deutschen Medien immer wieder in Berührung. Der amerikanische ,School Spirit‘, die Facetten des ,American Way of Live‘ sowie die gelebte Gastfreundschaft und kulturelle Vielfalt üben seit jeher eine große Faszination auf deutsche Jugendliche aus“ weiß Thomas Terbeck, Gründer des Bildungsberatungsdienstes weltweiser und Autor des Ratgebers „Handbuch Fernweh“.

Großbritannien immer beliebter

Kanada (1.720 Teilnehmer), Neuseeland (1.220) und Australien (820) liegen ebenfalls hoch im Kurs, mittlerweile hat sich aber auch ein europäisches Land unter die „Big five“ gesellt: Großbritannien überholte im Schuljahr 2014/15 erstmals Australien und festigt in 2015/16 seinen vierten Platz mit rund 950 Teilnehmern. Vergleicht man die aktuellen Teilnehmerzahlen mit denen von vor zehn Jahren, so gehen inzwischen mehr als doppelt so viele deutsche Jugendliche zum Schüleraustausch nach Großbritannien. Demnach ist Großbritannien das beliebteste europäische Schüleraustauschziel, gefolgt von Irland (570) und Frankreich (210). Die übrigen Teilnehmer verteilen sich vor allem auf die Gastländer Costa Rica (165), Argentinien (150), Spanien (130), Japan (110), Südafrika (85), Brasilien (80), Chile (60) und China (50).

Trends_Schueleraustausch

Den Schritt ins Ausland während der Schulzeit wagen überwiegend Mädchen – 64% der Teilnehmer an mindestens dreimonatigen Schüleraustauschprogrammen sind im Schuljahr 2015/16 weiblich. Ein weiterer interessanter Aspekt der aktuellen Studie von weltweiser ist die Herkunft bzw. Verteilung der Austauschschüler auf die Bundesländer. Wie zu erwarten, kommen die meisten Austauschschüler aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Doch gemessen an seinem Potenzial an Jugendlichen im relevanten Alter liegt Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich eher im Mittelfeld der Austauschschülerquote. Mit Abstand am „weltoffensten“ war im Schuljahr 2014/15 wieder Hamburg: In der Hansestadt gingen 8,28% der relevanten Zielgruppe ins Ausland. Auch Berlin (4,42%), Bremen (3,41%) und Schleswig-Holstein (3,3%) lagen über dem bundesweiten Durchschnitt von 2,2%. Dagegen bildeten das Saarland (1,3%) und Bayern (1,39%) die Schlusslichter. Damit zeigt sich ein auffälliges Nord-Süd-Gefälle.