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Als Frau im Ausland: Chancen und Herausforderungen

Der Internationale Frauentag am 8. März 2016 ist die ideale Gelegenheit, um sich den Lebensalltag von weiblichen Expats rund um die Welt etwas genauer anzuschauen. Was motiviert die Frauen, ihre Heimat zu verlassen? Welchen geschlechterbedingten Herausforderungen begegnen sie im Ausland? Heute sind zirka die Hälfte aller Mitglieder von InterNations, dem weltweit größten Netzwerk für Expatriates, weiblich — offenbar nutzen immer mehr Frauen die neugewonnene Chance, die Welt zu bereisen und Auslandserfahrung zu sammeln.

Der Expat Insider Studie zufolge sind Ecuador, Malta und Thailand die beliebtesten Destinationen der weiblichen Expats. Ecuador — wo die meisten Expats der Altersgruppe 50+ angehören — ist das perfekte Zielland für Rentnerinnen, wogegen Malta in puncto Work-Life-Balance einiges zu bieten hat. In Thailand locken das sonnige Klima und die Lebensqualität sowie eine überdurchschnittliche Zufriedenheit in Bezug auf den Beruf, persönliche Finanzen und Lebenshaltungskosten viele Frauen aus dem Ausland an.

Für Karrierefrauen wiederum ist Hong Kong das ideale Zielland. Fast drei Viertel der dort arbeitenden Frauen sind mit ihrem Job zufrieden, und ein vergleichbar hoher Prozentsatz äußert sich optimistisch zu den dortigen Karrierechancen. Im Schnitt haben 14% aller weiblichen Expats in Hong Kong eine Führungsposition im Top-Management — mehr als doppelt so viele wie der weltweite Durchschnitt.

Von der Expat-Ehefrau zur Unternehmerin

Simone ThompsonSimone Thompson aus Edinburgh zog ihrer Karriere zuliebe nach London — bevor es sie aufgrund der Karriere ihres Partners nach Kairo verschlug. Ihr Grund für den Umzug ins Ausland ist alles andere als selten: Jeder zehnte Expat verlässt für den Partner oder die Partnerin seine Heimat. Das Paar lebte dann in Libyen, Indien und Australien, bevor beide zusammen nach Schottland zurückkehrten.

Während ihrer wechselnden Auslandsaufenthalte lernte Simone, mit Offenheit und Neugier auf andere Menschen zuzugehen, während ihre Kinder selbstbewusster und toleranter wurden. Als Mutter, die sich ehrenamtlich an der Schule ihrer Kinder engagierte, lernte Simone ständig neue Leute kennen. Allmählich wurde ihr bewusst, dass in den meisten Expat-Familien in ihrer Umgebung die Väter das Geld verdienten und nur wenige Mütter berufstätig waren.

“Mir fehlte ein berufliches Netzwerk im Ausland. Deshalb bin ich auch Mitglied von InterNations geworden. Mir gefällt, dass sich hier Leute mit ganz verschiedenen Lebensläufen und einer generell sehr positiven Einstellung treffen — wir alle haben das Ziel, aus unserer Situation das Beste zu machen.“

Simone Thompson

Bei ihrem ersten Umzug war Simone das, was viele Expats „Trailing Spouse“ nennen — also die mitreisende Ehefrau. Dabei war sie immer aktiv, unternahm eigene Reisen, lernte Arabisch, unterrichtete Englisch und ging einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach, um ihr neues Zuhause besser kennen zu lernen. Da sie jedoch mit ihrer Rolle als „Expat-Ehefrau“ zunehmend die Geduld verlor und eine Lücke im Lebenslauf vermeiden wollte, entschied sich Simone für ein Fernstudium und gründete schließlich in Australien ihre eigene Firma. Global Expat Solutions hilft anderen Expats mit Workshops und Weiterbildungen, ihre neue Anstellung nach der Entsendung zu meistern.

Die Expat Insider Studie zeigt, dass 60% aller mitreisenden Partner unter der Aufgabe ihrer alten Karriere leiden. Simones Bestrebungen, sich ein neues Standbein im Ausland zu schaffen, hat sie mit zahllosen Expat-Frauen rund um die Welt gemeinsam.

Als Frau war es auch nicht immer einfach, mit kulturellen Unterschieden in Ägypten und Indien zurechtzukommen. Besonders schwer fiel es Simone, dass sie ständig einen Mann um Erlaubnis bitten musste.

“In Ägypten konnte ich nicht auf unser Konto zugreifen, und in Indien wollten die Mitarbeiter im Büro meines Mannes oft mit dem „Herrn“ über Sachen sprechen, die ich auch hätte entscheiden können. Das war schon ein großer Unterschied zu meinem Leben in Großbritannien.“

Simone Thompson

Ein weiteres Problem in diesen Ländern war der Erhalt einer Arbeitserlaubnis, wohingegen Simones Familie sich vor allem um die Sicherheitslage Sorgen machte. Trotz all dieser Herausforderungen sagt sie, dass sich das Leben im Ausland schon alleine wegen der Freundschaften lohnt, die sie unterwegs geschlossen hat.

Ein Leben als ausländische Frau im Nahen Osten

Rebecca MaystonDie InterNations Ambassadors Iwona Gawlewicz aus Polen und Rebecca Mayston aus Neuseeland waren erstaunt, als ihre neue Heimat Oman von den Teilnehmerinnen der Expat Insider Studie 2015 zu einem der beliebtesten Zielländer für Frauen im Ausland gewählt wurde und so auf Platz sieben weltweit landete. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Oman sein gutes Abschneiden im Ranking vor allem den positiven Bewertungen für die finanzielle Situation der Studienteilnehmerinnen, den niedrigen Lebenshaltungskosten und der Willkommenskultur im Gastland verdankt.

Bevor sie wegen eines Praktikums nach Oman zog, war Iwona auf harte Lebensbedingungen gefasst. Was sie aber vorfand, waren eine ansprechende Umgebung und persönlichen Freiraum — weitaus besser, als sie erwartet hatte. Obwohl die Arbeitsmöglichkeiten für Frauen in Oman eingeschränkt und berufliche Netzwerke zur Unterstützung weiblicher Expats dünn gesät sind, versichert Iwona, dass die Arbeit in einem internationalen Umfeld und der Kontakt mit verschiedenen Kulturen ihre persönliche Wahrnehmung von Oman positiv beeinflusst hat.

Rebecca wiederum hatte Oman bereits einen Besuch abgestattet, bevor sie den entscheidenden Schritt wagte und dahin umzog, um eine lokale Eventagentur namens The Guide Oman zu leiten. Ihr Besuch hatte ihr einen ersten Eindruck vermittelt und gezeigt, dass Oman etwas ganz Besonders ist: ein sehr sicheres Land mit einer freundlichen und gastlichen Bevölkerung. Durch ihren Umzug konnte sie außergewöhnliche Erfahrungen sammeln, sich ein großes internationales Netzwerk und einen ebensolchen Freundeskreis aufbauen. Zudem lernte sie den Nahen Osten als Region zu schätzen und fügte ihren Qualifikationen eine neue Fremdsprache hinzu.

Wie viele andere Expats hat auch Rebecca — neben der großen Entfernung von ihrer Familie — vor allem mit den negativen Klischees zu kämpfen, das andere Leute von dem Land haben, das für sie zur zweiten Heimat geworden ist: „Ihnen fällt es schwer zu glauben, dass ich hier ein tolles Leben habe und alles mache, was ich zuhause auch tun würde“, sagt sie.

“Viele Leute tun sich schwer mit der Vorstellung, als Frau alleine im Ausland zu leben und zu arbeiten. Ich empfinde es aber als sehr befreiend. In Oman haben sich mir viel mehr Möglichkeiten geboten, als ich zuhause in Neuseeland gehabt hätte.“

Rebecca Mayston

Arbeiten in Großbritannien

Carla JúlioNach einem beruflich bedingten Umzug nach Großbritannien fiel Carla Júlio aus Portugal ein wesentlicher Unterschied beim Netzwerken in ihrem neuen Arbeitsumfeld auf: „In Großbritannien bin ich mit weniger Sexismus konfrontiert. Die berufliche Leistung zählt hier mehr.“ Außerdem findet die Spezialistin für Digital Design die Arbeitswelt in Großbritannien strukturierter — Firmen respektieren Privatleben und familiäre Verpflichtungen eher, und die Arbeitsplätze sind sicherer als daheim im krisengebeutelten Portugal. In der internationalen Expat Insider Studie steht Großbritannien beim Thema Job und Karriere an siebter Stelle: Fast zwei Drittel der Expats sind mit ihren Karrierechancen zufrieden und überdurchschnittlich viele Frauen sind mit der Work-Life-Balance rundum glücklich.

Nach 20 Jahren Auslandserfahrung hat Carla an neuem Selbstvertrauen hinzugewonnen — aber inzwischen kann sie nicht mehr von „zuhause“ reden, ohne sich zu fragen, wo das eigentlich ist.

“Haben Sie Vertrauen in Ihre positiven Eigenschaften und packen Sie die Dinge einfach an. Es ist nicht immer einfach, aber es ist eine wertvolle Erfahrung. Netzwerke wie InterNations machen das Leben in einem anderen Land aber leichter — also nutzen Sie sie. Für mich war das jedenfalls eine unbezahlbare Hilfe.“

Carla Júlio

Der Umzug ins Ausland: Ein Karrieresprung

Emily HarveyNachdem sie in Großbritannien ihren Bachelorabschluss in Germanistik erworben hatte, beschloss Emily Harvey nach Deutschland zu ziehen. Dort lebt sie nun schon seit zehn Jahren. Nachdem sie so viel Zeit in das Studium der deutschen Sprache investiert hatte, schien ein Umzug nach Deutschland als nächster Schritt naheliegend. „Die größte Herausforderung für mich war, die Sprache wirklich fließend zu lernen“, sagt sie. Fast die Hälfte aller Expats weltweit kennt dieses Problem nur zu gut, während englischsprachige Destinationen an Beliebtheit gewinnen, weil es so einfach ist, die dortige Landessprache zu lernen.

Rückblickend findet Emily, die nun als Managerin bei InterNations, dem weltweit größten Expat-Netzwerk arbeitet, dass sie dank ihrer Auslandserfahrung aufgeschlossener geworden ist und sich besser in die Lage anderer versetzen kann, die ebenfalls im Ausland leben und arbeiten. Sie genießt es auch sehr, mehr über die verschiedenen Kulturen zu erfahren, die in ihrem internationalen Team vertreten sind: „Wenn man im Ausland viele sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen kennen- und verstehen lernt, hat man bei der Rückkehr in die Heimat beruflich so einiges zu bieten“, erklärt die Managerin. Sie ergänzt: „Ich finde, dass ich jetzt viel selbstständiger bin als vor meinem Umzug“.