Studie: Bislang nur wenige ausländische Mitarbeiter in deutschen Unternehmen

In einer Studie der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft geben mehr als die Hälfte der befragten 352 Fach- und Führungskräften an, höchstens ein paar Mitarbeiter oder Kollegen zu haben, die aus dem Ausland stammen. Bei fast 40 Prozent ist dies bei keinem einzigen der Fall.

Insbesondere Arbeitnehmer aus Ländern außerhalb der EU sind selten vertreten. 43,7 Prozent sagten, dass höchstens fünf Prozent ihrer ausländischen Kollegen oder Mitarbeiter nicht aus der Europäischen Union, der Schweiz oder Norwegen kommen. 18,9 Prozent schätzten diesen Anteil sogar auf 0 Prozent. Mehr als jede zweite Fach- beziehungsweise Führungskraft (56,6 Prozent) gab in der Studie darüber hinaus zu Protokoll, dass ihr Unternehmen nicht darauf achte, ob Teams gemischt – also mit Unterschieden in Geschlecht, Alter oder Nationalität (Stichwort Diversity) –  zusammengestellt werden.

Studie_Internationale_ArbeitsweltenTrotz des relativ niedrigen Ausländeranteils kommen deutsche Führungskräfte bei der Kommunikation mit ihren Mitarbeitern mittlerweile nicht mehr nur mit ihrer Muttersprache aus: Mehr als 30 Prozent der Studienteilnehmer haben Mitarbeiter im Team, mit denen sie in einer Fremdsprache reden (zum Beispiel Englisch). Bei den meisten (74,1 Prozent) befinden sich diese Mitarbeiter an einem ausländischen Unternehmensstandort, für knapp jeden Zweiten (49,1 Prozent) ist der Fremdspracheneinsatz allerdings auch am eigenen Standort in Deutschland erforderlich.

Mitarbeiter unsicher im Gebrauch von Englisch als Fremdsprache

Obwohl die meisten Befragten der Akademie-Studie Englisch klar als ihre stärkste Fremdsprache betrachten, fühlen sich mehr als 15 Prozent von ihnen nicht sicher in deren Gebrauch. 13,2 Prozent sagen von sich, „irgendwie“ und nur mit deutlichen Defiziten durch berufliche Meetings oder Telefonate zu kommen, die auf Englisch stattfinden. Sehr unsicher fühlen sich 3,4 Prozent. 43 Prozent der Studienteilnehmer müssen ihre Fremdsprachenkenntnisse täglich bei der Arbeit einsetzen. Am häufigsten ist dabei mit 86,2 Prozent Englisch gefordert. Über die Hälfte der Teilnehmer der Studie (57 Prozent) gab an, Interesse an Weiterbildungsangeboten zu haben, die nicht auf Deutsch stattfinden.

Über 95 Prozent der befragten Führungskräfte bleiben mit Mitarbeitern, die an ausländischen Standorten arbeiten, per E-Mail in Kontakt. Telefonate und Telefonkonferenzen werden von 76,8 Prozent genutzt, 46,9 Prozent besuchen die Mitarbeiter vor Ort, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Die Führung auf Distanz erzielt bei einem Großteil der Befragten gute bis sehr Resultate. In punkto Kommunikation zeigen sich über 95 Prozent zufrieden (70,9 Prozent bewerteten mit „gut“, 25,7 Prozent mit „sehr gut“).

Mehr Termintreue mit ausländischen Kollegen gewünscht

Auch die Kooperationsbereitschaft der ausländischen Mitarbeiter und die Gesamtqualität der Arbeitsergebnisse überzeugen. Kritische Stimmen werden jedoch in punkto Transparenz und Termintreue laut. Knapp 30 Prozent der Führungskräfte, die für Mitarbeiter im Ausland zuständig sind, behaupten, die Transparenz sei „nicht besonders“. Rund jeder Vierte sieht bei der Termintreue Verbesserungsbedarf. Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit bei großen räumlichen Entfernungen optimiert werden kann, antworteten fast 80 Prozent der Befragten, interkulturelle Weiterbildungen für Führungskräfte würden weiterhelfen. Jeder Zweite meinte, Führungskräfte aus dem Ausland sollten in diesem Punkt weitergebildet werden. Ebenso viele waren der Ansicht, es sollten Teamentwicklungsmaßnahmen im Ausland stattfinden.

Studienteilnehmer

Abbildung: Advance

Hoher Anteil an Expatriates

40,1 Prozent der Studienteilnehmer haben selber noch nie im Ausland gearbeitet. Jeder Fünfte hat immerhin Auslandserfahrung von wenigen Wochen, 14,3 Prozent dagegen von mehreren Jahren. Mehr als jeder zweite, der bereits im Ausland gearbeitet hat, wurde von seinem Arbeitgeber dorthin entsandt, war also ein Expatriate (54,6 Prozent). 68 Prozent der Befragten arbeiten in Unternehmen, die Mitarbeiter ins Ausland schicken – eine Vorbereitung auf interkulturelle Besonderheiten des Auslandseinsatzes wird jedoch nach Aussage der Befragten nur bei knapp der Hälfte davon angeboten.

Mehr als 30 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass ihr Unternehmen derzeit nicht oder nur teilweise gut für die Globalisierung aufgestellt ist. Fast jede zweite deutsche Fach- und Führungskraft glaubt, dass ihr Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren vom Fachkräftemangel betroffen sein wird. Acht Prozent sagen, dieser sei bereits spürbar eingetreten.

Die gesamte Akademie-Studie 2015 mit dem Titel „Internationale Arbeitswelten“ ist als kostenfreier Download hier erhältlich: advance-online.de/login/email-login?token=i5j2h7z2

[symple_box color=“gray“ text_align=“left“ width=“100%“ float=“none“]

Mehr zum Thema:

Mitarbeiter Mitarbeiter im Ausland: Diversity bei der Personalauswahl

Mitarbeiter Weshalb mangelnde Integration von Impats zu bösen Überraschungen führen kann

Mitarbeiter  5 wichtigste Karriere-Booster einer Auslandsentsendung

Impat-Management Integration Kostenloses Dossier zum thema Impat-Management erschienen

Impat-Management Integration Die Tücken im deutschen Zuwanderungsrecht

[/symple_box]