Studie: Jugendliche aus Balkanstaaten wollen mehrheitlich auswandern

Die junge Generation in südosteuropäischen Ländern ist überwiegend desillusioniert, wie eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in acht südosteuropäischen Ländern ergeben hat. Demnach schätzen die 14- bis 29-Jährigen die Entwicklung der Politik in ihren Ländern überwiegend sehr skeptisch ein und halten ihre Chancen auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft für äußerst gering. Aus diesem Grund wollen viele von ihnen auswandern. In Albanien geben 67, im Kosovo 55, in Mazedonien 53 und in Bosnien-Herzegowina 49 Prozent an, ihr Land in Richtung Deutschland, Großbritannien, Schweiz oder USA verlassen zu wollen.

Geringes Vertrauen in politische Institutionen

Ein weiteres Ergebnis: In der Mehrheit der Länder ist nur ein knappes Drittel der 14- bis 29-Jährigen bereit, sich in irgendeiner Form politisch zu engagieren. Die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen halten ein Engagement mehrheitlich für nicht aussichtsreich, weil sie kein Vertrauen in das Handeln von Parteien, Parlamenten und Regierungsorganisationen haben. Stattdessen verlässt sich die Jugend auf ihr persönliches Umfeld aus Familie, Verwandten und Freunden.
Das fehlende Vertrauen in öffentliche Institutionen überträgt sich auf die Einstellung zur Demokratie. Die demokratische Praxis in ihren Ländern wird von durchschnittlich 38 Prozent der jungen Menschen als nicht zufriedenstellend eingestuft. Das Ausmaß der Unzufriedenheit ist in den EU-Mitgliedsländern Slowenien mit fast 60 Prozent sowie Bulgarien und Rumänien mit rund 45 Prozent besonders hoch. Laut dem Koordinator der Studie hat die Mitgliedschaft der osteuropäischen Länder in der Europäischen Union (EU) offenbar die Ansprüche der jungen Leute an demokratische Gepflogenheiten und die Erwartungen an damit verbundene Verbesserungen gesteigert und es werden unmittelbare Vergleiche zu der Situation in den demokratisch etablierten mitteleuropäischen Ländern gezogen.

Mehr demokratisches Gedankengut im Unterricht

Die Autoren der Studie empfehlen den Regierungen der südosteuropäischen Länder, alles dafür zu tun, dass demokratisches Denken und Handeln schon in den Schulen trainiert und praktiziert wird. Darüber hinaus müssten junge Leute an Entscheidungen auf allen politischen Ebenen beteiligt werden, um eigene Erfahrungen mit gesellschaftlicher Wirksamkeit zu machen. Solange die junge Generation nicht an die positive Entwicklung ihrer Heimatländer glaubt, werde der Wunsch nach Auswanderung weiter steigen und damit der Verlust von engagierten und qualifizierten jungen Leuten anhalten.

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