Titelbild: Kaja Reschke (privat)

„Hongkong ist eine so unglaublich vielseitige Stadt“

Während eines Auslandssemesters in Shanghai 2014 entdeckte Kaja Reschke ihre Leidenschaft für Asien. Nachdem sie ihr Wirtschafts- und Managementstudium beendete, kehrte sie Anfang des Jahres dorthin zurück. Aktuell lebt und arbeitet sie in Hongkong.  Was sie an ihrer neuen Heimat schätzt und ob sie sich vorstellen kann nach Deutschland zurückzukommen, verrät sie unter anderem im Interview.

Expat News: Während Ihres Studiums haben Sie ein Auslandssemester in Shanghai verbracht. Viele deutsche Studenten zieht es eher nach Westeuropa oder Nordamerika. Wieso fiel die Wahl auf Asien?

Reschke: Heutzutage ist es fast zur Grundvoraussetzung geworden einem Arbeitgeber Auslandserfahrung vorweisen zu können. Zum einen habe ich mich mit meiner Wahl für China ganz bewusst für eine mir bis dahin fremde Kultur entschieden. Zum anderen wollte ich mich aber auch persönlich weiterentwickeln. Ein Auslandssemester in China bot mir die Chance beides zu vereinen. Im Nachhinein hat es sich als die absolut richtige Wahl herausgestellt und mir eine völlig neue berufliche Perspektive ermöglicht.

Expat News: Was waren die größten Herausforderungen, die Sie beim Einleben in Ihre neue Heimat meistern mussten?

Reschke: Die Sprachbarriere war zu Beginn die größte Herausforderung. Selbst in den Metropolen Chinas sprechen die meisten Menschen so gut wie kein Englisch. In Hongkong hingegen sprechen die meisten Einwohner recht gut Englisch. Auch wenn es manchmal nur wenige Brocken sind, so kann man sich doch verständlich machen, wie etwa beim Taxi fahren. Und so banal sich das jetzt anhört: Die Lebensmittelbeschaffung war ein zentrales Thema für mich. In Hongkong bekommt man im Grunde auch alle westlichen Lebensmittel zu kaufen, jedoch nicht überall und dann meist nur zu hohen Preisen. Es braucht einfach etwas Zeit bis man sich in einer neuen, fremden Umgebung zurechtfindet. Am Anfang stehen auch viele Behördengänge an und gefühlt müssen unendlich viele Dinge geregelt und organisiert werden. Aber nach einer Weile kehrt dann auch so etwas wie Alltag ein.

Expat News: Mit welchen kulturellen Unterschieden waren Sie konfrontiert?

Reschke: In China gibt es sehr viele kulturelle Unterschiede. Im Arbeitsalltag muss man sich durchaus umstellen, denn Gesichtsverlust ist hier ein großes Thema. Ich wurde zwar bereits durch mein Auslandssemester in Shanghai sehr gut vorbereitet, jedoch lernt man vieles erst im Alltag und vor Ort kennen. Kollegen werden zum Beispiel nie offen auf Fehler angesprochen. Ebenso fällt es vielen meiner Kollegen schwer „Nein“ zu sagen, denn dies gilt als respektlos dem Vorgesetzten gegenüber. Auch nach der Arbeit machen sich die kulturellen Unterschiede bemerkbar. Da kann es zum Beispiel passieren, dass man beim Fragen nach dem Weg einfach in die falsche Richtung geschickt wird, weil der Gefragte nicht zugeben möchte, dass er den Weg nicht kennt. Trotz aller Unterschiede kann man jedoch mit Geduld, einem freundlichen Lächeln und ein wenig diplomatischem Geschick sehr gut mit Chinesen auskommen.

Expat News: Seit Anfang des Jahres hat es Sie nun erneut nach Asien verschlagen. Sie sind aus beruflichen Gründen nach Hongkong gezogen. Was genau machen Sie dort?

Reschke: Ich bin zu meinem früheren Arbeitgeber zurückgekehrt, einem internationalen Modekonzern und arbeite dort als Analystin im Bereich Warenplanung und -allokation. Dabei bin ich für den asiatischen und australischen Markt zuständig. Mir macht die Arbeit viel Spaß, da ich nicht nur im regen Austausch mit meinen chinesischen Kollegen, sondern mit vielen anderen Kollegen weltweit, stehe.

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Expat News: Wie haben Sie sich auf diesen Aufenthalt in Asien vorbereitet?

Reschke: Da ich durch mein Auslandssemester bereits viel Asien-Erfahrung gesammelt habe, fiel mir die Vorbereitung nicht besonders schwer. An der Shanghai University lag einer der Themen-Schwerpunkte auf Chinesischer Kultur. Wir haben dort gelernt welche Werte den Chinesen wichtig sind. Zum Beispiel nimmt das Wohl der Familie einen sehr hohen Stellenwert ein. Daher konnte ich mir bereits gut vorstellen, was mich in Hongkong erwarten würde. In Deutschland hatte ich vor meinem Aufenthalt in Shanghai knapp zwei Jahre Mandarin-Unterricht genommen, was mir in Hongkong – wo eigentlich Kantonesisch gesprochen wird – auch häufig weiterhilft. Und natürlich sollte man vor einer Entsendung auch noch einmal das Gespräch mit dem Hausarzt in Deutschland suchen und alle nötigen Impfungen und Untersuchungen vornehmen lassen.

Expat News: Hat Ihr Arbeitgeber Sie dabei unterstützt?

Reschke: Ich habe auch schon vor meinem Auslandsaufenthalt viele Jahre bei meinem jetzigen Arbeitgeber gearbeitet. Zum Studium hatte ich das Unternehmen verlassen und in Hongkong wurde ich wieder eingestellt. Ich habe deshalb keinen Entsendungsvertrag bekommen, sondern einen lokalen Vertrag. Da aber alle Vertragsdetails vor meiner Abreise geklärt wurden und mir sogar schon eine Wohnung zur Verfügung stand, habe ich keine weitere Betreuung benötigt. Mein Arbeitgeber hat jedoch im Vorfeld alle für mich erforderlichen Behördengänge unternommen und sich um mein Arbeitsvisum gekümmert. Bei Fragen kann ich mich jederzeit an meine Kollegen wenden. Sie sind alle sehr hilfsbereit und haben sich von Anfang an große Mühe gegeben, dass ich mich schnell eingewöhne.

Expat News: Was schätzen Sie besonders an Ihrem Leben in Hongkong und was vermissen Sie aus Ihrem Leben in Deutschland?

Reschke: Hongkong ist eine so unglaublich vielseitige Stadt. Auf der einen Seite ist Hongkong die Stadt mit den meisten Hochhäusern weltweit und auf der anderen Seite gibt es über 30 Strände und unzählige Wanderwege. Die Kombination aus Großstadtflair mit Shopping Malls, internationalen Küchen und ruhiger Natur fasziniert mich. Aus meinem Leben in Deutschland vermisse ich am meisten meine Familie und Freunde. Durch das Internet ist die Kommunikation zwar heutzutage viel einfacher geworden, aber die Zeitverschiebung von sechs Stunden im Sommer und sieben Stunden im Winter macht es schwer, gemeinsame freie Zeiten zu finden.

Expat News: Was empfehlen Sie Menschen, die es beruflich oder privat nach Asien zieht, in punkto Vorbereitung?

Reschke: Ich persönlich finde es sehr wichtig, sich im Vorfeld über das Land und seine Sitten zu informieren. Ein paar Grundkenntnisse der Sprache können da natürlich auch nicht schaden. Es ist schon etwas anderes, ob man nur einfach ein paar Wochen Urlaub in Asien macht, oder sich entschließt hier für einen längeren Zeitraum zu leben. Ich finde es auch sehr wichtig, dem neuen Land und den Einheimischen offen, ohne Vorurteile zu begegnen und vielleicht auch mal die eine oder andere deutsche Angewohnheit abzulegen. Unbedingt sollte man sich auch vor der Abreise um einen gültigen Arbeitsvertrag kümmern. Insbesondere in China ist es sehr schwer, sich erst vor Ort um eine Arbeit zu bemühen. Hongkong ist im Allgemeinen eine sehr teure Stadt. Die Lebenshaltungskosten sind viel höher als in Deutschland. So kostet eine 50-Qadratmeter-Wohnung umgerechnet mindestens 2.000 Euro Miete, nach oben hin gibt es kein Limit. Das muss man alles vor seiner Abreise beachten und in die Gehaltsverhandlungen mit einbeziehen.

Seitdem ich in Hongkong lebe, blogge ich in meiner Freizeit regelmäßig über die Herausforderungen meines Expat-Lebens und meine Erlebnisse in Asien. Unter www.kajascorner.de gebe ich außerdem auch viele weitere hilfreiche Tipps für angehende Expats.

Expat News: Können Sie sich vorstellen, für immer in Hongkong zu bleiben?

Reschke: Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir gar nicht vorstellen wieder nach Deutschland zu ziehen, aber vielleicht ändert sich das ja eines Tages auch wieder. Auch könnte ich mir vorstellen, noch einmal in einem anderen Land zu leben. Aber das hängt auch stark von den beruflichen Perspektiven ab. Fest steht, dass ich die Auswanderung bisher zu keinem Zeitpunkt bereut habe. Das Eintauchen in eine völlig fremde Kultur macht mir immer noch unheimlichen Spaß und ich bin dankbar diese neuen Erfahrungen machen zu dürfen.

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Der Blog liefert Tipps und Erfahrungsberichte rund um das Leben in China und Hongkong.
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Fotos: Kaja Reschke

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