© Petro Feketa - Fotolia.com

Deutsche Kindergärten im Ausland oft besser als hierzulande

Die Kinder deutscher Auslandserwerbstätiger werden offenbar in deutschsprachigen Kindergärten im europäischen Ausland besser betreut als hierzulande. Dies legt eine Studie des Verzeichnis Deutscher Kindergärten im Ausland (VDKA) nahe. Für die Erhebung wurden insgesamt 100 deutsche Kindergärten außerhalb der Bundesrepublik angeschrieben, von denen sich 49 an der Umfrage beteiligten.

Demnach besuchen durchschnittlich 60 Kinder einen deutschen Kindergarten im EU-Ausland und werden im Mittel von sieben Erziehern (männlich wie weiblich) und zwei Praktikanten betreut. Folglich ist der Kinder-Erzieher-Schlüssel mit 8,5 wesentlich besser als der Schlüssel in Deutschland (10) beziehungsweise der OECD-Schnitt (12).

Hinzu kommt, dass die Aufnahme der Kinder chancenreicher als hierzulande ist, denn mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Kindertagesstätten (Kitas) betreuen Kinder ab zwei Jahren und jede dritte Einrichtung verfügt über eine gesonderte Gruppe für diese Altersstufe.

Zudem müssen sich Eltern keine Sorgen über die Entwicklung der Deutschkenntnisse ihrer Zöglinge machen: 82 Prozent der Kitas kooperieren mit einer deutschen Schule vor Ort oder sind sogar in eine solche eingebunden. Diese orientieren sich überwiegend an deutschen Bildungsstandards, so dass die Kleinen bei der Eingliederung in Deutschland keine nennenswerten Bildungsrückstände kompensieren müssen. Hinzu kommt, dass 78 Prozent der Kindergärten Erzieher beschäftigen, deren Muttersprache Deutsch ist. Der Besuch einer Kindertagesstätte im Ausland kostet der Studie zufolge durchschnittlich rund 4.684 Euro pro Jahr und je Kind.

Ausbau von Kindergärten in der EU noch nicht abgeschlossen

Was den EU-weiten Kindergartenausbau angeht, ist die Entwicklung der Kindertageseinrichtungen nicht so positiv wie die der deutschsprachigen Kitas im europäischen Ausland. Das hat eine Erhebung der Europäischen Kommission herausgefunden. So haben die meisten Mitgliedstaaten die Ziele bislang verfehlt, wonach 90 Prozent der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz garantiert bekommen sollen. Dieses Ziel erreicht haben bislang nur acht Staaten: Belgien, Dänemark, Spanien, Frankreich, Niederlande, Schweden, Slowenien und Großbritannien. In vielen Ländern fehle es der Kommission zufolge an Geld, Personal und an der Qualifikation der Betreuer. Oftmals gebe es nicht einmal Bildungsrichtlinien für die Erzieher.

Anteil der offiziellen Kindergärten, die Kinder im Alter zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter betreuen

Kindergärten_EU_Anteil

Auch Deutschland stelle noch nicht ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung, weshalb viele Eltern die Initiative ergreifen und selbstständig Kindergärten gründen. Oft wählen sie hierfür als Rechtsform den eingetragenen gemeinnützigen Verein (e.V.) – eine kostengünstige Unternehmung. Sobald das Projekt jedoch eine gewisse Große übersteigt, registrieren die Finanzämter die Einrichtung als wirtschaftlichen Verein, wodurch die Steuerlast steigt. Um einen solchen Fall zu vermeiden, empfehlen Rechtsexperten den Verein in eine Kita gGmbH umzuwandeln beziehungsweise diese Rechtsform von Vornherein zu wählen. Dies müsse allerdings im Einzelfall betrachtet werden.

Deutsche Expats und Auswanderer, die sich mit dem Gedanken tragen, auch im Ausland einen privaten Kindergarten zu gründen, sollten sich ebenfalls Expertenrat einholen, um nicht die jeweiligen juristischen Bestimmungen vor Ort zu unterwandern.

[symple_box color=“gray“ text_align=“left“ width=“100%“ float=“none“]

Mehr zum Thema:

Kindergärten weltweit Ins Ausland mit Kindern und Jugendlichen

Kindergärten in der EU Tipps zu Schwangerschaft und Geburt im Ausland

deutschsprachige Kindergärten Erziehungstipps von 20 Nationalitäten

Kindergärten Buchtipp für Expat-Kinder: “Friendship is about Dubai”

Kindergärten international Interview: “Ein Auslandseinsatz ist für eine Familie immer Teamwork”

[/symple_box]