Dänemark: Ein bisschen Hygge muss sein!

„Tak for sidst! Det var hyggeligt!“ (=Danke für letztens. Das war gemütlich)- So oder ähnlich könnte der Kommentar eines dänischen Bekannten aussehen, wenn er sich für einen geselligen Abend bedankt. Der nordische Nachbar Deutschlands ist vielen nur dank Hans Christian Andersen oder Lego bekannt. Das skandinavische Land mit rund 5,6 Millionen Einwohnern ist jedoch dank einer niedrigen Arbeitslosenquote und einem wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Ausländern ein attraktives Einwander- und Expatriate-Land.

Außerdem sind Dänen HAPPY, sie wurden sogar zur glücklichsten Nation der Welt gewählt. Zumindest wenn man den einschlägigen, jährlichen Bewertungen des „Better Life Index“ der ÖCD Glauben schenken möchte. Warum sind die Dänen so glücklich? Nun, Hygge dürfte damit zu tun haben.

Hygge ist ein schwer zu übersetzendes Wort, welches das Bedürfnis nach Intimität, Freundschaft, Gemütlichkeit, und Zufriedenheit beschreibt. Ja, alles in einem Begriff, der sich auf viele Situationen und Gegenstände anwenden kann. So kann zum Beispiel das typische Christiana-Bike als „hyggelig“ bezeichnet werden, aber eben auch ein netter Abend unter Freunden.

Hygge im Alltag- Design und Komfort

Im Alltag spürt man dieses Bedürfnis nach Hygge deutlich. Beim Eintritt in ein Cafe merkt man den Sinn für kleine Details, die zum Wohlfühlen und Verharren beitragen. Beim Shoppen fallen einem die Vielzahl an Lampen, Lichtern und Dekorationsartikeln auf. Das liegt wohl auch daran, dass die Dänen die Winterhälfte des Jahres mit wenig Sonnenlicht auskommen müssen. Viel Zeit verbringen sie in ihren Wohnungen oder Häusern. Vielleicht trägt das auch zu einer lebhaften, vibrierenden Design-community bei. Sei es Fährräder, Lampen, Vasen oder ganze Häuser. Dänemark hat viel für Design- und Architekturfreunde zu bieten. Das wohl bekannteste Exportobjekt bleibt das Opernhaus in Sydney, das vom Dänen Utzon kreiert wurde. Wichtig für den Komfort ist aber auch der Pragmatismus, der den Objekten anhaftet. Es muss schon seine Funktion erfüllen.

Hygge im Beruf: Work-Life Balance und reichhaltige Benefits

Dieser Pragmatismus gepaart mit viel Hygge findet man auch im Arbeitsleben. Viele Angebote des Arbeitgebers wie Fitnessprogramme, Massagen am Arbeitsplatz, flexible Arbeitszeitprogramme, eine Freitagsbar, und Arbeitshandys oder Laptops stehen Mitarbeitern zur Verfügung. Man versteht, dass die Mitarbeiter zufrieden auf der Arbeit sein müssen. Misstrauen in die Produktivität der Mitarbeiter gibt es in Dänemark grundsätzlich selten. Eher im Gegenteil: das Vertrauen des Chefs hat man von Beginn. Auch ein Grund, warum Dänen so happy sind. Denn all diese Flexibilität sichert eine gute „Work-Life-Balance“. Man arbeitet um zu leben, nicht umgekehrt. Es gibt daher keine bösen Blicke, wenn man ein Meeting (von denen es dank einer Konsenskultur sehr viele gibt) vorzeitig verlässt, um die Kinder aus der Schule abzuholen.

Die Arbeits- wie auch die Schulwelt gestaltet sich sehr egalitär, nicht zu verwechseln mit elitär, von dem man in Dänemark nicht viel hält. Sich mit Eigenlob zu behudeln kommt gar nicht an. Selbst beim beliebten Carlsberg-Bier bleiben die Werbetexter bescheiden: „Probably the best beer in town“ (wahrscheinlich das beste Bier der Stadt!). Das nach einem Roman von Author Aksel Sandemose benannte „Jantelov“ (lov= Gesetz) ist das gesellschaftlich fest verankerte Verständnis, dass niemand besser ist als ein anderer. Individuellen Erfolg hervorzuheben wird nicht gern gesehen. Bescheiden sollte man sein. Im Berufsalltag sieht man daher tatsächlich vielmehr den Teamerfolg unterstrichen, während man im dänischen Schulsystem in den jüngeren Klassen in der dänischen Schule nicht sitzenbleiben kann und erst ab Klassenstufe 8 individuell benotet wird.

Mit der Kombination aus dem Bedürfnis nach Hygge sowie Bescheidenheit haben es die Dänen geschafft, sich einen Sozialstaat aufzubauen, bei der die Schere zwischen Arm und Reich so klein wie sonst nirgendwo auf der Welt (Stand 2013, UN Bericht) ist.

Ist also auch etwas faul im Staate Dänemarks, wie schon Hamlet zu wissen schien? Nun, zum einen wäre da die etwas unsensibel gehandhabte Pressefreiheit, die mit satirischen Mohammedkarikaturen ausgereizt wurde, und viele muslimische Staaten zum Kampf gegen dänische Produkte und Flaggenverbrennungen aufstachelte. Zum anderen tut sich Dänemark als ein traditionell sehr kulturell homogenes Land mit einer starken nationalen Identität bei der Integration von asiatischen und afrikanischen Immigranten schwer. Der Aufruf zur Egalität und Gleichheit kann also auch zu Konformität überschwappen. Viele Expats bemängeln dies an ihrer Wahlheimat.

Nichtsdestotrotz hat vor allem Kopenhagen dank vieler Events (Copenhagen Fashion Week, Copenhagen Dining week, Roskilde Festival), Kulturstätten (Tivoli, Königliches Theater, Oper, Danish Royal Ballet, Louisiana Moderne Kunst Museum, Arken Museum), und mit 15 Michelin-Sternen gekrönten Restaurants (Noma, Geranium, Clou, Studio, alle hier) viel zu bieten und sich zu einer Stadt mit internationalem Flair entwickelt. Hyggeligt bleibt sie es aber trotz allem!

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Empfohlene Links und Bücher:

BBC Reportage: Why are Danes the happiest? http://www.bbc.co.uk/programmes/p026jgt9

Peter Hög, 1992: Miss Smilla’s Gespür für Schnee

Hans Christian Andersen, 1837: Die kleine Meerjungfrau

Facebook Seite der Stadt Kopenhagen: https://www.facebook.com/VisitCopenhagen

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Über die Autorin:

Susann_SalzbrennerSusan Salzbrenner hat vier Jahre in der Hauptstadt Dänemarks gelebt. Sie hat eine besondere Beziehung zu Kopenhagen, da sie hier ihren Mann kennenlernte, und ihre beiden Kinder zur Welt brachte. Dänemarks Kultur bringt sie nun in interkulturellen Trainings anderen näher, als ausgebildete Organisationspsychologin und zertifizierte interkulturelle Trainerin.

Sie vernetzt sich gern mit neun Kontakten auf LinkedIn
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Titelfoto: Denis Declara auf flickr.com

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