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Islamischer Staat und Expats: Wie Unternehmen Auslandsmitarbeiter schützen

Stellvertretend für das Gefühl der Bedrohung steht wohl dieser Tage das Thema Islamischer Staat (IS) – die Terrororganisation, die häufig als Krebsgeschwür bezeichnet wird und dessen Metastasen sich über die Welt verbreiten. Er gilt als die reichste Terrorgruppe der Welt und erfreut sich überdies des täglichen personellen Zulaufs-auch von bisher unabhängig operierenden Gruppierungen.

Allen ist gemein: Einen großen Teil des Geldes nehmen sie mit Überfällen und Entführungen ein. Focus online berichtete im September, wie viel Geld der IS tatsächlich für seine zahlreichen Geiseln verlangt und bekommt, ist bislang unklar. Jedoch scheint sicher, dass die Terroristen auf diese Weise jedes Jahr mehrere Millionen Dollar einnehmen. Auch für andere Organisationen sind Überfälle und Entführungen ein Multi-Milliarden-Geschäft. So habe al-Qaida in den vergangenen fünf Jahren 125 Millionen Dollar durch Entführungen eingenommen, schreibt die „New York Times“

Politisch hat man nun begonnen Allianzen zu schmieden, um auf verschiedenste Arten gegen den IS und seine weltweiten Verbündeten vorzugehen. Das wiederum kann dazu führen, dass sich kleine, hochmobile Zellen abspalten, die in ihren jeweiligen Regionen weiterhin Angst und Schrecken verbreiten. Um dann finanziell handlungsfähig zu bleiben, ist es wahrscheinlich, dass die Terroristen so genannte weiche Ziele überfallen oder entführen. Wie sollten nun Unternehmen reagieren, die ihr Personal in Krisenregionen entsenden, in denen auch IS-Anhänger zu finden sind?

Pläne für eine umfassende Sicherheitsarchitektur nötig

Zunächst sollten sich Unternehmen an Fachleute aus dem Bereich des internationalen Krisen- und Risikomanagements wenden, um mit ihnen gemeinsam Sicherheitskonzepte zu erarbeiten. Diese verdeutlichen den Expats und deren Angehörigen, dass die Arbeitgeber ihre Fürsorgepflicht ernst nehmen.

Bei der Entwicklung von Notfallkonzepten muss darauf geachtet werden, dass ein ganzheitlicher Ansatz gewählt wird: Dieser beginnt bei der Beratung und Schulung im Inland und sollte auch die Möglichkeit beinhalten, eine Bedrohungsanalyse vor Ort durchzuführen. Im besten Fall entscheiden sich Unternehmen dafür, einen Experten in Sicherheitsfragen anzustellen. Der Einsatz dieses sogenannten Notfallmanagers, der nicht nur aus der Ferne, sondern schwerpunktmäßig vor Ort die Sicherheitslage im Blick behält, bietet sich in vielen Regionen der Welt an.

Der Umstand, in schwierigen Situationen einen Fachmann physisch an der Seite zu wissen, beruhigt nicht nur die Entsandten, sondern auch deren Angehörige und schafft dadurch eine Verbundenheit zum Arbeitgeber. Im Bedarfsfall koordinieren Notfallmanager als Bindeglied zwischen deutschen Unternehmen und der Deutschen Botschaft alle nötigen Maßnahmen.

Gründung eines Sicherheitsbündnisses gegen Terror

Generell empfehlen fachkundige Experten Unternehmen, die ihre Mitarbeiter temporär oder für längere Zeit in die gleiche (Krisen)Region entsenden, einen Notfallmanager anzustellen. Dieser kann bereits in beziehungsweise von Deutschland aus aktiv eine Kontaktaufnahme mit anderen deutschen oder westlichen Unternehmen am Einsatzort durchführen.

Um finanzielle Ressourcen zu schonen, könnten sich mehrere Unternehmen in einer Region darauf verständigen, gemeinsam die Dienstleistung eines Notfallmanagers in Anspruch zu nehmen. Dadurch kann ein kostengünstiges und effizientes Sicherheitskonzept entstehen.

Der Notfallmanager im Sicherheitsbündnis

Diesen Fachmann kann man sich am besten wie einen touristischen Reiseleiter im Pauschalurlaub vorstellen. Während der klassische Reiseleiter einmal in der Woche ins Hotel kommt um Ausflugtipps zu geben, reist der Notfallmanager in der Region von Unternehmen zu Unternehmen und hält die Entsandten dabei über tagesaktuelle Entwicklungen in der Region auf dem Laufenden. Damit ist er der erste Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Sicherheit geht.

Auch der Aufbau eines Präventions, Abwehr- und Reaktionskonzeptes für Notlagen, das unternehmensübergreifend sein muss, sollte durch den Notfallmanager implementiert werden.

Interkulturelle Kompetenz bei der Notlagenprävention

Die Notfallmanager sollten über das Schlüsselelement der interkulturellen Kompetenz verfügen. Nur so finden sie den Zugang zur lokalen Bevölkerung. Das Tor zu den Menschen vor Ort ist für die Krisenfrüherkennung notwendig, weil die Bewohner Veränderungen der Sicherheitslage als erstes feststellen und gerne bereit sind, ihre Informationen zu teilen. Hinweise, die eine Bedrohung menschlicher Sicherheit betreffen, müssen vor Ort analysiert werden und auf die Notfallplanung Einfluss nehmen.

Anfang Januar 2014 veröffentlichte Travel Management Companies im Deutschen Reise Verband (DRV) die Studie „Chefsache Business Travel 2014“. Demnach hatten unter anderem 96 Prozent der Befragten das Bedürfnis, über tagesaktuelle Entwicklungen, die den Verlauf der Reise beeinträchtigen könnten, informiert zu werden. Aber nur jeder Zweite erfährt diese Zuarbeit. Damals waren 7 von 10 Geschäftsreisenden der Meinung: Je besser ein Unternehmen seine Mitarbeiter auf Geschäftsreisen vorbereitet und dabei unterstützt, desto attraktiver ist es als Arbeitgeber.

Heute, einige Monate später, stellt sich die Frage: Wie fühlen sich de Expats, die in instabile Regionen entsandt werden, angesichts der weltweiten Entwicklungen? Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt, aber durchaus von den Unternehmen gestellt werden sollte.

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Der Autor:

Benjamin_BeutekampBenjamin Beutekamp ist Berufsoffizier und Geschäftsführer von Human Ressource Protection, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Sicherheitskonzepten für Unternehmen und Privatpersonen in Krisenregionen spezialisiert hat.

E-Mail: kontakt@hr-protection.com

Web: www.hr-protection.com

 

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