Israel-Palästina-Konflikt: Gefahren für Expats und Geschäftsreisende

Die Sicherheitslage in Israel und Palästina spitzt sich zu: Seit der Ermordung dreier israelischer Jugendlicher im Westjordanland hat die israelische Armee ihre Sicherheitsoperation im Gaza-Streifen verstärkt. Zahlreiche Verhaftungen von Palästinensern und Luftangriffe auf Ziele der Hamas im Gaza-Streifen sind die Folge. Als Antwort haben radikale palästinensische Gruppierungen den Raketenbeschuss auf israelisches Territorium intensiviert. Angesichts der momentanen Eskalation werden nach Einschätzung von EXOPs Risiko-Analysten die nächsten 48 Stunden darüber entscheiden, ob Israel eine großangelegte Militäroffensive, einschließlich des Einsatzes von Bodentruppen, durchführen wird. Bereits jetzt bestehen hohe Risiken für Reisende und Geschäftstätigkeiten in der Region.

Militäroffensive eher unwahrscheinlich

Luftangriffe in Gaza, Raketenbeschuss auf Israel, gewaltsame Zusammenstöße von israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Arabern: In Israel und Palästina eskaliert die Sicherheitslage. Die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher im Westjordanland sowie die daraufhin als Racheaktion erfolgte Entführung und Verbrennung eines palästinensischen Jugendlichen durch radikale israelische Juden hat eine Welle der Gewalt ausgelöst. „Dennoch ist eine großangelegte Militäroffensive zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich. Allerdings hängt das weitere israelische Vorgehen stark von den Ereignissen der nächsten beiden Tage ab“, sagt Stephan Schmid, Risiko-Analyst bei EXOP, einem Beratungsunternehmen für Risikomanagement mit Hauptsitz in Konstanz.

Israel_Flagge

Foto: edu_castro27 auf pixabay

Die israelische Armee hat mittlerweile 1500 Reservisten einberufen und zusätzliche Infanterie-Einheiten an den Gaza-Streifen verlegt; die israelische Regierung hat erklärt, dass sie sich auf eine längere Konfrontation einstellt. Eine Bodenoffensive würde allerdings erhebliche Risiken für Israel bergen, die die Regierung Benjamin Netanyahus derzeit noch nicht eingehen werde, so die Einschätzung von Regionalexperten Stephan Schmid. „Der israelischen Regierung ist bewusst, dass sie mit einer umfassenden Militäroperation den Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen zumindest kurzfristig weiter verstärken und damit die israelischen Bürger gefährden würde“, sagt Schmid.

Entführungsrisiko in Israel steigt

Des Weiteren habe die Erfahrung der Vergangenheit gezeigt, dass im Zuge von großangelegten Militäroffensiven auch das Risiko von Vergeltungsmaßnahmen wie direkten Angriffen auf Israelis und Entführungen steigt. „Deshalb wird die israelische Armee zunächst versuchen, mit Luftschlägen ihre beiden vorrangigen Ziele zu erreichen: den Raketenbeschuss aus Gaza zu stoppen und die Hamas zu schwächen“, so Schmid. Auch dürfe die internationale Reaktion, die ein erneuter Militärschlag gegen den Gaza-Streifen nach sich ziehen würde, nicht unterschätzt werden. „Netanyahu wird versuchen, internationale Kritik zu vermeiden, so lange nicht alle Alternativen ausgeschöpft sind“, so Schmid weiter.

Schmid rechnet auch in den kommenden Tagen mit gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen arabischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften, vor allem in Ost-Jerusalem und anderen Orten mit einem großen arabischen Bevölkerungsanteil. Weitere gegenseitige Übergriffe von radikalen Juden oder arabischen Muslimen/Christen sind gerade vor dem Hintergrund der bereits erfolgten Entführungen wahrscheinlich.

Tel Aviv Promenade Aerial View (cropped)

Foto: By Amos Meron (Wikimedia Commons)

Geschäftsreisen nach Israel sind unmittelbare Gefahr

Für Beschäftigte, die eine Reise nach Israel planen oder bereits vor Ort sind, stellen Proteste eine unmittelbare Gefahr dar. Vor allem in Gebieten und Wohnvierteln mit einem erheblichen arabischen Bevölkerungsanteil ist das Risiko hoch, dass es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und arabischen Demonstranten kommt. Risiko-Analyst Schmid empfiehlt, diese Bereiche in der nächsten Zeit zu meiden, ebenso wie den Süden Israels. Das Risiko durch Raketenbeschuss sei derzeit beträchtlich, zumal viele Raketen wegen fehlender Präzisionstechnik willkürlich auf israelischem Territorium einschlagen. Überdies bestehe in der Nähe zum Gaza-Streifen sowie in den palästinensischen Gebieten ein erhebliches Risiko von Entführungen; diese sind zwar in erster Linie gegen israelische Juden gerichtet, können aber auch internationale Reisende betreffen.

Reisenden in der israelischen Hauptstadt Tel Aviv rät Stephan Schmid zur erhöhten Vorsicht. Zwar haben sich die militärischen Auseinandersetzungen noch nicht auf die Sicherheitslage des Großraums Tel Aviv ausgewirkt. Im Falle einer massiven Ausweitung des israelischen Militäreinsatzes könnte auch Tel Aviv von Raketenbeschuss betroffen sein.

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