„Afrika wird für die deutsche Wirtschaft immer interessanter“

Mit ihren kürzlich verabschiedeten „Afrikapolitischen Leitlinien“ hat die Bundesregierung der wachsenden Bedeutung des Kontinents Rechnung getragen. Rima Al-Tinawi, Afrika-Expertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), bewertete dies jetzt in einem Interview als „sehr positives Zeichen“.

Nachfolgend zitieren wir das Gespräch mit der Afrika-Informationsplattform Econoafrica im Wortlaut:

Econoafrica: Frau Al-Tinawi, China hat Afrika als Handelspartner längst entdeckt. Welche Rolle spielt der Kontinent für die deutsche Wirtschaft?

Rima Al-Tinawi: Afrika wird für die deutsche Wirtschaft immer interessanter. Momentan sind etwa 2.500 deutsche Unternehmen auf dem südlichen Kontinent aktiv; Tendenz steigend. Auch das Investitionsvolumen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Im Zeitraum von 2008 bis 2011 sind die deutschen Investitionen etwa um 60 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro gestiegen. Der Großteil davon entfällt mit 5 Milliarden Euro auf Südafrika.

Econoafrica: Haben die Exporte und Importe auch zugenommen?

Al-Tinawi: Das gesamte Handelsvolumen hat zugelegt; im Zeitraum von 2010 bis 2013 waren es gut 20 Prozent. Exporte nach Afrika sind in dieser Zeit um 10 Prozent gewachsen, Importe um 30 Prozent.

Econoafrica: Welche Güter importieren wir überwiegend aus Afrika?

Al-Tinawi: Mineralische Rohstoffe machen davon den größten Anteil aus, an zweiter Stelle stehen Agrarrohstoffe wie Kaffee, Kakao und Obst.

Econoafrica: Sind es auch die rohstoffreichen Länder, die deutsche Unternehmen in Richtung Süden locken? In welchen Staaten ist die deutsche Wirtschaft besonders stark vertreten?

Al-Tinawi: In Südafrika sind deutsche Firmen traditionell stark verankert. An zweiter Stelle stehen die nordafrikanischen Staaten. Aber auch in ressourcenstarken Ländern wie Nigeria und Angola nimmt das Engagement stark zu. Vor allem der Maschinen- und Anlagenbau ist gefragt.

Econoafrica: Etliche afrikanische Staaten konnten in den letzten Jahren mit hohen Wachstumsraten beeindrucken. Anders als früher wird dieses Wachstum nicht mehr nur überwiegend von den vielerorts hohen Rohstoffvorkommen gestützt, sondern auch von einem an Bedeutung gewinnenden Binnenmarkt.

Al-Tinawi: Der stark wachsende Konsumsektor zeigt, dass in vielen afrikanischen Ländern eine Mittelschicht heranwächst. Das stellt für die deutsche Wirtschaft nicht nur ein positives Signal dar, gleichzeitig birgt diese Entwicklung für die betreffenden Unternehmen auch immense Chancen.

Econoafrica: Vor zwei Jahren hat die Bundesregierung ein Afrika-Konzept verabschiedet und es unlängst durch mit den ‚Afrikapolitischen Leitlinien‘ aktualisiert. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat vor Kurzem drei afrikanische Länder besucht. Ist das mehr als nur Symbolpolitik?

Al-Tinawi: Wir werten es als sehr positives Zeichen, dass Afrika auch bei der Bundesregierung stärker in den Fokus rückt. Wir begrüßen vor allem, dass das Papier eine stärkere Vernetzung von Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit und eine enge Einbeziehung der Auslandshandelskammern vorsieht.

Econoafrica: Was sind die größten Hindernisse, die deutsche Unternehmen von einem Gang nach Afrika abhalten?

Al-Tinawi: Schlechte Infrastruktur und Energieversorgung sind sicherlich als erstes zu nennen – wenngleich viele Länder in den letzten Jahren in diesen Bereichen gute Fortschritte erzielen konnten. Die vielerorts vermuteten Compliance-Risiken schrecken ebenso viele Unternehmen von einem Engagement in Afrika ab. Ausreichende Informationen und Beratung sind daher unverzichtbar.

Econoafrica: Wie viele AHK-Standorte gibt es überhaupt?

Al-Tinawi: Unsere Kollegen sind an neun Standorten in Afrika vor Ort. Bald wird auch noch eine weitere Repräsentanz in Mosambik eröffnet.

Econoafrica: Erwarten Sie, dass es in den kommenden Jahren mit Afrika weiterhin aufwärts gehen wird?

Al-Tinawi: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich der Kontinent im Großen und Ganzen sehr positiv entwickelt – auch wenn es vereinzelte Rückschläge gab. Die Energieversorgung und die Infrastruktur haben sich in den letzten Jahren zunehmend verbessert, zudem wächst in vielen afrikanischen Staaten eine Mittelschicht heran. Wir sind optimistisch, dass diese positiven Entwicklungen anhalten.“

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