Die gefährlichsten Regionen für Expats und Geschäftsreisende

Länder mit großem wirtschaftlichen Potenzial bergen oft auch ein hohes Risiko in Sachen Sicherheit für internationale Geschäftstätigkeiten: Risikoanalysten von Exop prognostizieren für das zweite Quartal 2014 vor allem zivile Unruhen und anhaltende bewaffnete Auseinandersetzungen in zentralen Ländern der Welt. Die aktualisierte Global Risk Map steht zum kostenlosen Download auf der Homepage von Exop zur Verfügung.

Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild für die einzelnen Regionen der Welt:

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Südamerika: Proteste in Brasilien und Argentinien

Anpfiff ist Mitte Juni – doch bereits jetzt stehen immer mehr Brasilianer der Fußball-Weltmeisterschaft skeptisch gegenüber. Für Frustration sorgen außerdem die hohen Eintrittspreise für die Spiele und der enorme Anstieg der Kosten für Transport und Unterkünfte im Vorfeld der WM. Daher rechnen die Exop-Risikoexperten mit erneuten Protesten, die seit dem FIFA-Confederations Cup 2013 nie völlig verebbt waren. Bereits damals war es am Rande von Demonstrationen immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Das größte Aggressionspotenzial geht von dem sogenannten schwarzen Block aus, dessen gewaltbereite Mitglieder das Zustandekommen der WM durch gezielte Aktionen verhindern wollen.

Auch in Venezuela, wo sich Regierung und Opposition unversöhnlich gegenüber stehen, stellen Proteste im zweiten Quartal 2014 das Hauptrisiko für Geschäftsreisende dar. Während die Regierung auf keine der wesentlichen Forderungen wie die Freilassung des Oppositionsführers Leopoldo López und festgenommener Demonstranten eingegangen ist, hat die Opposition die Dialogangebote der Regierung bislang ausgeschlagen. Auch die wirtschaftlichen Probleme und Versorgungsengpässe, die ein wesentlicher Anlass für die Demonstrationen waren, werden sich in absehbarer Zeit nicht lösen. Mit der anhaltenden Konfrontation werden die Proteste daher nach Einschätzung der Regionalexperten weitergehen; das Eskalationspotenzial bleibt groß.

Russland und Ukraine: Rezension und Spannungen

Die anhaltende Krise um die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel Krim wird die Sicherheitslage in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) im zweiten Quartal 2014 bestimmen. Spezialisten schließen eine weitere Verschlechterung der Lage in der Ukraine nicht aus: Im Osten des Landes besteht die Gefahr einer militärischen Intervention durch Russland. Ein Einmarsch der an der Grenze versammelten russischen Truppen könnte unter dem Vorwand einer humanitären Aktion zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung erfolgen. Überdies birgt die geplante Präsidentschaftswahl am 25. Mai das Potenzial, die kulturelle und politische Spaltung der Bevölkerung im Osten und Westen der Ukraine weiter zu vertiefen. Das Risiko ziviler Unruhen bleibt unverändert hoch, zumal militante ultra-nationalistische Kräfte ihre Anhänger mobilisieren. Gewaltsame Zusammenstöße zwischen pro-russischen Bevölkerungsgruppen und Anhängern der neuen Regierung sind daher zu erwarten.

In Russland erwarten die Analysten eine temporäre Verschlechterung der Wirtschaftslage. Die von der EU und den USA verhängten Sanktionen hatten bislang zwar eher symbolischen Charakter. Doch das Vertrauen ausländischer Investoren hat infolge des militärischen Vorgehens auf der Krim gelitten, was bereits zum Kapitalabfluss aus Russland geführt hat. Dieser Trend wird sich voraussichtlich auch im zweiten Quartal fortsetzen. Infolgedessen könnte die russische Wirtschaft in die Rezession rutschen.

Mittlerer Osten & Nordafrika: Risiko von Terroranschlägen

In zentralen Ländern des Mittleren Ostens und in Nordafrika stehen im zweiten Quartal 2014 bedeutende Wahlen an, die für die gesamte Region von Bedeutung sind. Im Umfeld der Wahlen rechnen die Exop-Analysten deshalb mit einem temporären Anstieg von Terroranschlägen und einem erheblichen Potenzial für zivile Unruhen. Diese Entwicklung ist vor allem in Afghanistan zu erwarten, wo bei den Präsidentschaftswahlen Anfang April ein Nachfolger für Hamid Karzai gewählt wird.

In Ägypten steht das Datum für die Präsidentschaftswahl zwar noch nicht offiziell fest, doch durch die Kandidatur des ehemaligen Verteidigungsministers Abdel Fattah al-Sisi ist im zweiten Quartal mit häufigen und auch gewaltsamen Protesten von Unterstützern wie Gegnern Sisis – vor allem der Muslimbruderschaft – zu rechnen. Mit Sisis Kandidatur rücken auch Regierungs- und Sicherheitsbeamte und -einrichtungen in den Fokus radikalislamistischer Gruppierungen wie Ansar Beit al-Maqdis; Exop hält deshalb gezielte Anschläge vor allem in Kairo für wahrscheinlich.

Im Irak wird bei den Parlamentswahlen Ende April über eine dritte Amtszeit des bei Schiiten wie Sunniten umstrittenen Premierminister Nuri al-Maliki abgestimmt. Als Konsequenz rechnen die Regionalexperten für die Wahlperiode mit einer stark steigenden Anschlagsgefahr durch radikale schiitische Milizen sowie sunnitische Extremisten des Islamic State of Iraq and al-Sham (ISIS). Obwohl vor allem politische Amtsträger und Sicherheitskräfte Ziele sind, nehmen die radikalen Gruppen auch zivile Opfer in Kauf. Ein extremes Terrorismusrisiko ist vor allem in Städten und Provinzen zu erwarten, wo der inner-islamische Konflikt bereits jetzt zu extremen Sicherheitsrisiken führt. Hierzu zählen Ninawa, Kirkuk, Diyala, Anbar and Salah al-Din sowie die Hauptstadt Bagdad.

In Algerien stößt die erneute Kandidatur des gesundheitlich stark angeschlagenen Präsidenten Bouteflika auf massive Kritik bei Oppositionsgruppen und politischen Aktivisten. Im Vorfeld und während der für Mitte April geplanten Wahlen gehen die Exop-Regionalexperten von häufigen und großen Protesten vor allem in Algeriens wichtigsten Städten Algier, Constantine und Oran aus. Da Sicherheitskräfte diese oft im Keim mit Gewalt zu ersticken versuchen, ist mit gewaltsamen Auseinandersetzungen sowie mit zahlreichen Verhaftungen zu rechnen. Trotz der Präsenz internationaler Wahlbeobachter am Wahltag erwarten die Analysten von Exop keine fairen Wahlen und prognostizieren vielmehr weitere Proteste, wenn Wahlergebnisse sowie mögliche Wahlmanipulationen bekannt werden.

Im syrischen Bürgerkrieg zeichnet sich weiterhin kein baldiges Ende ab, vielmehr weiten sunnitische Extremisten ihr Operationsgebiet zunehmend auf den Libanon aus. Als Vergeltung für das Eingreifen der Hizbullah in Syrien geraten dabei Einrichtungen der Organisation zunehmend auch schiitische Zivilisten ins Visier. Für das zweite Quartal erwarten die Exop-Analysten daher eine wachsende Zahl von Anschlägen im Libanon, vor allem in Form von Selbstmordattentaten.

Subsahara-Afrika: Gewaltzunahme

In Nigeria, einem für deutsche Unternehmen besonders wichtigen Markt in der Region, nimmt die Gewalt weiter zu. Im Nordosten des Landes verübt die militante islamistische Gruppierung Boko Haram nahezu täglich blutige Anschläge auf Bildungsinstitutionen und Regierungseinrichtungen. Die Gegenoffensive der nigerianischen Streitkräfte wird ihrerseits zunehmend brutaler, ohne jedoch erkennbare Fortschritte vermelden zu können. Darüber hinaus ist im südöstlichen Nigerdelta weiterhin mit Anschlägen auf Öl- und Gasinfrastruktur sowie mit Entführungen ausländischer Mitarbeiter durch militante Gruppierungen zu rechnen. Hinzu kommt das anhaltend hohe Piraterie-Risiko im Golf von Guinea, wo insbesondere Versorgungsschiffe von Off-Shore Förderanlagen Ziel von Angriffen sind.

In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gehen die Analysten von weiterer ethnisch-religiös motivierter Gewalt aus. Gewaltsame Zusammenstöße zwischen muslimischen Seleka-Rebellengruppen und christlichen Milizen vor allem im Westen der ZAR sowie in der Hauptstadt Bangui sind daher trotz einer geplanten Ausweitung der internationalen militärischen Präsenz wahrscheinlich. Die neu konstituierte Übergangsregierung unter Catherine Samba-Panza wird bis auf Weiteres nicht in der Lage sein, effektiv administrative Funktionen auszuüben.

Insbesondere in Kenia und potentiell auch in Uganda erwartet Exop im zweiten Quartal 2014 Anschläge der Terrororganisation al-Shabab als Vergeltung für das militärische Engagement beider Länder in Somalia. Ein besonders hohes Risiko besteht für ausländische Besucher in den kenianischen Metropolen Nairobi und Mombasa.

Bei den Anfang Mai anstehenden Parlamentswahlen in Südafrika sagen die Exop-Regionalanalysten trotz Stimmeneinbußen einen deutlichen Sieg des regierenden African National Congress (ANC) voraus. Im Zuge der Wahlen wird mit einem erhöhten Risiko für zivile Unruhen in Form von Streiks und Demonstrationen gerechnet, was insbesondere die Bergbau- und Automobilsektoren des Landes empfindlich treffen könnte.

Asien & Pazifik: Proteste und Demonstrationen

Wahlen in Schlüsselländern der Region Asien und Pazifik führen im zweiten Quartal 2014 zu einem erhöhten Risiko politischer Instabilität und damit auch zu einem erhöhten Risiko ziviler Unruhen. In Indonesien rechnen die Risikoanalysten von Exop im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 9. April bzw. 9. Juli mit einem Anstieg politisch motivierter Gewalt in Form von Protesten und Demonstrationen; insbesondere in der früheren Konfliktprovinz Aceh sind auch gezielte Attentate auf politische Kandidaten möglich. In Indien sind bereits im Vorfeld der Parlamentswahlen im April und Mai Angriffe militanter Gruppen auf politische Gegner zu beobachten. Auch das Risiko terroristischer Anschläge ist vor, während und unmittelbar nach den Wahlen landesweit erhöht, was in diesem Zeitraum verschärfte Sicherheitsmaßnahmen – beispielsweise an Flughäfen, Bahnhöfen und in Konfliktregionen – zur Folge hat.

In Thailand verlängert sich die politische Krise. Die Parlamentswahl vom Februar 2014 muss verfassungsgemäß bis spätestens Mai wiederholt werden. Das Verfassungsgericht hatte die Ergebnisse annulliert, da Regierungsregner durch Massenproteste eine flächendeckende Abstimmung verhinderten. Da die tiefgreifende politische Spaltung in Thailand unverändert fortbesteht, rechnen Exop-Regionalexperten mit erneuten Protesten, die zuletzt abgeebbt waren. Die Anführer der Oppositionsproteste haben bereits angekündigt, die Wahl erneut zu boykottieren, wenn es nicht – wie gefordert – zuvor zu politischen Reformen kommt, die den Einfluss des regierenden Shinawatra-Clans beschneiden. Aufgrund der kompromisslosen Haltung der Opposition ist laut Exop-Experten mit weiteren Massenprotesten und gewaltsamen Zwischenfällen, einschließlich Granatenangriffen auf Unterstützer des gegnerischen Lagers und staatliche Einrichtungen, zu rechnen.

Vor dem Hintergrund des großen Anteils von Arbeitern im produzierenden Gewerbe und den zum Teil schwierigen sozialen Lebensbedingungen der Arbeiterschicht kann es im zweiten Quartal 2014 in der Region Asien und Pazifik jederzeit zu Demonstrationen kommen. Unter anderem ist am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, in vielen Ländern Asiens mit Massenprotesten zu rechnen. Demonstrationen zielen in der Regel auf verbesserte Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und die Beibehaltung staatlicher Subventionen insbesondere für Treibstoff, ab. Vor allem in Bangladesch, Sri Lanka, Kambodscha, China, Indonesien und den Philippinen ist das Risiko hoch, dass die Proteste in Gewalt umschlagen.

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