Hobeln im Libanon

Wolfgang Altenburg lebt seinen Jugendtraum. Da stört es nicht, dass die Holzverarbeitung ein anstrengendes und staubiges Handwerk ist. Immer wieder ist der Schreinermeister als Entwicklungshelfer im Einsatz, derzeit für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Libanon.

„Lange bevor ich Schreinermeister wurde, wusste ich schon, dass ich Entwicklungshelfer werden will“, blickt Wolfgang Altenburg zurück. Und er wusste noch mehr mit damals 18 Jahren: Dass er Lehrer werden und mit Holz arbeiten möchte. Diese drei Jugendträume haben sich alle erfüllt. 1983 hatte er seinen ersten Entwicklungshilfe-Einsatz als Ausbilder und Berater für Holzverarbeitung in Burkina Faso.

Ausbildung von Lehrern im Libanon

Seit Januar 2012 arbeitet der Niederbayer nun im Libanon. Dort berät die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das libanesische Bildungsministerium und die Industrie- und Handelskammern bei Berufsbildung und Unterstützung der Entwicklung kleiner Unternehmen. Der Schwerpunkt der Arbeit von Altenburg liegt auf der Aus- und Fortbildung von Lehrern und Ausbildern, um eine adäquate kooperative Ausbildung Schule/Betrieb im Libanon anbieten zu können. Dabei werden von Anfang an private Betriebe einbezogen, das sind oftmals kleine Schreinerwerkstätten nur so groß wie eine Garage. „Wir schaffen es sogar manchmal, einige Inhaber davon zu überzeugen, dass sie selbst als Praxis-Ausbilder für unsere Azubis fungieren oder zumindest Praktikanten aufnehmen.“ Des Weiteren kümmert sich der Entwicklungshelfer darum, die kooperative Erstausbildung in den Technischen Schulen und Instituten einzuführen.

Junge Leute vom Handwerk überzeugen

Für Wolfgang Altenburg könnte das alles Routine sein, denn nach Einsätzen in der ganzen Welt hat er viel Erfahrung gesammelt. Der 52-Jährige weiß aber, dass jedes Land anders ist. Im Libanon ist es nicht immer einfach, junge Leute von einer handwerklichen Ausbildung zu überzeugen. „Noch dazu in einem Beruf, der mit viel Staub und Maschinenlärm verbunden ist und in dem man anfangs nicht viel verdienen kann“, sagt Altenburg nachdenklich. Darum trifft man den Schreinermeister auch fast nie in seinem Büro in Eddé. Er ist jeden Tag im Land unterwegs, oft in Hitze und Staub, um Lehrer fortzubilden und junge Leute zu besuchen. „Ich versuche dann, ihnen und ihren Eltern die Vorteile zu zeigen, die eine moderne Ausbildung bietet: ein sicherer Arbeitsplatz und weitere Entwicklungsmöglichkeiten.“

Erste Frau als Schreinerin

Die längste Zeit, von 2001 bis 2010, hat der Niederbayer in Ägypten verbracht. Dort in Kairo traf er junge Menschen wie Abdel Hamid, der als unerfahrener Restaurator zum On-the-job-Training von Wolfgang Altenburg kam. „Er hat sich im Laufe der Zeit so für die Arbeit mit Holz begeistern können wie ich selbst. Zuletzt hat er meine Aufgaben in dem Projekt in Kairo übernommen und bildet nun selbst junge Leute weiter“, sagt Altenburg strahlend. Solche Geschichten motivieren ihn und machen ihn stolz. Das gilt auch für ein Erlebnis in diesen Tagen im Libanon: Dort hat sich gerade zum ersten Mal eine junge Frau für eine Ausbildung als Schreinerin eingeschrieben – in einem männerdominierten Land wahrlich nicht selbstverständlich.

Wolfgang Altenburg geht noch mit genauso viel Enthusiasmus an seine Arbeit wie vor 30 Jahren. Das steckt die jungen Leute an. Und der Entwicklungshelfer freut sich, dass er ihnen die Chancen, die er selbst hatte, auch für ihren Lebensweg aufzeigen kann. „Ich kann die jungen Leute dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen, und gestalte dadurch ein Stück Wandel mit. Das bedeutet mir sehr viel.“

Autorin: Angela Beckmann (giz)

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